Der Zweite Weltkrieg war der zerstörerischste Konflikt in der Geschichte der Menschheit. Vom 1. September 1939 bis zum 2. September 1945 kämpften über 60 Staaten gegeneinander, mehr als 110 Millionen Menschen trugen Waffen, und schätzungsweise über 65 Millionen Menschen verloren ihr Leben. Noch nie zuvor hatte ein einziger Krieg so viel Leid über die Menschheit gebracht.
Der Krieg begann in Europa mit dem von Adolf Hitler befohlenen deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Dieser Angriff war keine spontane Entscheidung, sondern der vorläufige Höhepunkt einer aggressiven Expansionspolitik des nationalsozialistischen Deutschen Reiches, die mit der Remilitarisierung des Rheinlandes 1936 begonnen und über den Anschluss Österreichs und die Zerschlagung der Tschechoslowakei weitergeführt worden war. Frankreich und Großbritannien erklärten daraufhin Deutschland den Krieg, konnten Polen jedoch nicht retten. Innerhalb weniger Wochen war das Land zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt.
Die ersten Kriegsjahre wurden von einem Blitzkrieg geprägt, der alle bisher bekannten Vorstellungen moderner Kriegführung übertraf. Im Frühjahr 1940 überrannten deutsche Truppen Dänemark und Norwegen, wenig später die Benelux-Länder und Frankreich. Das Land, das im Ersten Weltkrieg vier Jahre lang standgehalten hatte, kapitulierte im Juni 1940 nach nur sechs Wochen. Großbritannien stand allein gegen das nationalsozialistische Europa, geführt vom neuen Premierminister Winston Churchill, der jeden Gedanken an Verhandlungen kategorisch ablehnte.
In Ostasien lief parallel dazu ein anderer Krieg. Das Kaiserreich Japan unter Kaiser Hirohito befand sich seit Juli 1937 im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, und ab Mitte 1938 kam es zu Grenzkonflikten mit der Sowjetunion. Am 7. Dezember 1941 griff Japan den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor an und eröffnete damit den Pazifikkrieg. Deutschland und Italien erklärten den USA daraufhin den Krieg, womit der Konflikt endgültig eine weltumspannende Dimension annahm.
Die zweite Phase des Krieges begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Operation Barbarossa war der größte Landfeldzug der Weltgeschichte. Drei Millionen deutsche Soldaten und ihre Verbündeten stürmten in einem breiten Angriff ostwärts. Anfangs erzielten die deutschen Armeen gewaltige Gebietsgewinne und machten Millionen von sowjetischen Soldaten zu Kriegsgefangenen. Doch die erhoffte schnelle Entscheidung blieb aus. Vor Moskau erlitten die deutschen Truppen im Winter 1941/42 die ersten schweren Rückschläge. Die katastrophale Niederlage bei Stalingrad im Winter 1942/43, bei der eine ganze Armee unter Feldmarschall Friedrich Paulus kapitulierte, markierte den Wendepunkt.
Die USA lieferten im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes, das im Februar 1941 verabschiedet worden war, allein an die Sowjetunion über 15 Millionen Tonnen militärische Ausrüstung und Treibstoff. Diese materielle Überlegenheit der Alliierten begann sich immer stärker auszuwirken. Im Sommer 1943 verloren die Deutschen auch in Nordafrika, wo sie unter Feldmarschall Erwin Rommel zeitweise bis vor Alexandria vorgestoßen waren. Die Alliierten landeten in Sizilien und auf dem italienischen Festland, woraufhin das faschistische Regime Benito Mussolinis stürzte, auch wenn der Kampf auf italientischem Boden noch lange andauerte.
Die dritte und entscheidende Phase begann am 6. Juni 1944 mit der alliierten Landung in der Normandie, dem D-Day. Unter dem Oberbefehl von General Dwight D. Eisenhower öffneten die Westalliierten eine neue Front im Westen. Gleichzeitig startete die Rote Armee rund zwei Wochen später die Operation Bagration, die die deutsche Heeresgruppe Mitte praktisch vernichtete. Das Deutsche Reich sah sich nun von allen Seiten in einem Schraubstock, aus dem es keinen Ausweg mehr gab.
Die vollständige Niederlage kam im Frühjahr 1945. Am 30. April 1945 beging Adolf Hitler in Berlin Selbstmord, und am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht bedingungslos. Europa lag in Trümmern. Doch der Krieg im Pazifik tobte weiter. Erst die Atombombenabwürfe auf Hiroshima am 6. August und auf Nagasaki am 9. August 1945 zwangen Japan in die Knie. Am 2. September 1945 unterzeichnete Japan auf dem amerikanischen Schlachtschiff Missouri die Kapitulationsurkunde.
Das Vermächtnis des Zweiten Weltkriegs ist unermesslich. Er führte zur Gründung der Vereinten Nationen, zur Teilung Deutschlands und Europas in zwei Blöcke, zur Dekolonisation und zum Aufstieg der USA und der Sowjetunion zu Supermächten. Der Holocaust, die systematische Ermordung von sechs Millionen Juden und Millionen weiterer Menschen durch das nationalsozialistische Regime, blieb als das größte Verbrechen der Geschichte in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingeschrieben.
