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Kalter Krieg

Status geopolitischer Spannung zwischen den NATO-Staaten und den Staaten des Warschauer Vertrags von 1947 bis 1989

6 min01/01/2024
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Als der Zweite Weltkrieg endete, standen sich die beiden Supermächte, die diesen Sieg ermöglicht hatten, bereits in tiefer Feindseligkeit gegenüber. Der Kalte Krieg, der von 1947 bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 die Welt prägte, war mehr als ein gewöhnlicher Konflikt zwischen Staaten. Er war eine fundamentale Auseinandersetzung um zwei unvereinbare Weltanschauungen: kapitalistische Demokratie auf der einen Seite, kommunistischer Einparteienstaat auf der anderen.

Den Begriff selbst hatte der britische Schriftsteller George Orwell bereits am 19. Oktober 1945 in seinem Essay "You and the Atomic Bomb" geprägt, im Sinne einer Konfrontation von Supermächten unter der Drohung eines Atomkrieges. Popularisiert wurde der Terminus dann vom amerikanischen Journalisten Walter Lippmann, der 1947 ein gleichnamiges Buch veröffentlichte. Auch der amerikanische Finanzier und Politikberater Bernard Baruch benutzte den Begriff in jenem Jahr in einer Rede, die ihm der Journalist Herbert Swope geschrieben hatte; beide waren Mitglieder der US-Delegation in der UN-Kommission zur internationalen Kontrolle der Atomenergie.

Was Orwells Analyse prophetisch machte, war die Erkenntnis, dass eine Welt mit Atombwaffen keinen direkten Krieg zwischen Supermächten mehr erlauben würde, ohne das gemeinsame Aussterben zu riskieren. Genau diese nukleare Pattsituation prägte den Charakter des Kalten Krieges: Er wurde mit nahezu allen Mitteln geführt, nur nicht mit direkter militärischer Konfrontation zwischen den Hauptmächten. Stattdessen gab es Stellvertreterkriege, von denen der Koreakrieg, der Vietnamkrieg und der sowjetische Krieg in Afghanistan die bekanntesten wurden.

In Europa entstand mit dem Marshallplan und der Gründung der NATO auf westlicher Seite sowie dem Warschauer Pakt auf östlicher Seite eine Blockstruktur, die den Kontinent jahrzehntelang teilte. Berlin wurde zum Symbol dieser Teilung: die Blockade von 1948/49, bei der die Sowjetunion die Westzonen durch eine Versorgungsblockade zu Fall bringen wollte, die durch eine dramatische Luftbrücke gebrochen wurde, die Krise von 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer waren Momente, in denen die Welt den Atem anhielt.

Den gefährlichsten Moment erlebte die Menschheit in der Kubakrise von 1962. Als die Vereinigten Staaten entdeckten, dass die Sowjetunion auf Kuba Mittelstreckenraketen stationierte, drohte die Welt erstmals einem echten nuklearen Schlagabtausch. Dreizehn Tage lang verhandelten John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow hinter den Kulissen, während die Welt den Ausgang mit Schrecken verfolgte. Die Krise endete mit einem Kompromiss: die Sowjets zogen ihre Raketen zurück, die Amerikaner verpflichteten sich, Kuba nicht anzugreifen und später eigene Raketen aus der Türkei zu entfernen.

Auch der Wettlauf in den Weltraum gehörte zu den Austragungsorten dieses Systemkonflikts. Als die Sowjetunion 1957 den Satelliten Sputnik ins All schoss und 1961 Juri Gagarin als ersten Menschen in den Erdorbit brachte, war der Schock in Amerika gewaltig. Die daraufhin aufgelegten amerikanischen Raumfahrtprogramme mündeten 1969 in der Mondlandung, einem Triumph der westlichen Technologie und der Aussagekraft des kapitalistischen Systems.

Parallel dazu betrieben beide Supermächte eine aggressive Geheimdienstpolitik. Die USA mischten sich in Chile, Guatemala, dem Iran und zahlreichen anderen Staaten Süd- und Mittelamerikas ein, wenn sie das Überwechseln in das sowjetische Lager befürchteten. Die Operation Ajax im Iran von 1953, die den demokratisch gewählten Premierminister Mohammed Mossadegh stürzte, ist ein bekanntes Beispiel. Die Sowjetunion setzte ihre Streitkräfte zur Niederschlagung des Volksaufstands in der DDR am 17. Juni 1953 ein, besetzte 1956 Ungarn und 1968 die Tschechoslowakei, um dort die Regierungen zu beseitigen. Die 1968 entwickelte Breschnew-Doktrin sollte dieses Vorgehen innerhalb des sozialistischen Lagers dauerhaft rechtfertigen.

Zwischen diesen Krisen gab es jedoch auch Perioden der Entspannung. Die Détente der 1970er Jahre unter Richard Nixon und Leonid Breschnew führte zu Rüstungskontrollverträgen und einem vorsichtigen Dialog. Doch mit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan 1979 und dem amerikanischen Nachrüstungsbeschluss bezüglich Mittelstreckenraketen in Europa zwischen 1979 und 1983 erhitzte sich der Konflikt erneut.

Das Ende des Kalten Krieges kam mit einer Geschwindigkeit, die niemand vorhergesehen hatte. Michail Gorbatschow, seit 1985 Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, leitete mit seinen Reformen Glasnost und Perestroika einen Wandlungsprozess ein, der sich seiner Kontrolle entzog. Als 1989 die osteuropäischen Länder einer nach dem anderen ihre kommunistischen Regime abschüttelten und am 9. November die Berliner Mauer fiel, war der Kalte Krieg faktisch beendet. In seinen Erinnerungen bezeichnet Gorbatschow das Gipfeltreffen mit US-Präsident George Bush auf Malta im Dezember 1989 als den Beginn vom Ende des Kalten Krieges. Mit dem formellen Zerfall der Sowjetunion 1991 fand dieser epochale Konflikt sein offizielles Ende.

Das Erbe des Kalten Krieges ist bis heute spürbar: die Struktur der internationalen Organisationen, die Grenzen von Nationalstaaten, die politischen Kulturen ganzer Gesellschaften und die ungelösten Konflikte in Regionen, die zu Schlachtfeldern des Systemkampfes wurden, sind Hinterlassenschaften dieser Epoche, die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr als jedes andere Ereignis geprägt hat.

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