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Vietnamkrieg

Militärischer Konflikt in Südostasien (1955–1975)

6 min01/01/2024
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Der Vietnamkrieg, den die Vietnamesen selbst oft den amerikanischen Krieg nennen, gehört zu den prägendsten und traumatischsten Konflikten des 20. Jahrhunderts. Von etwa 1955 bis 1975 kämpften Nordvietnam und die Nationale Befreiungsfront, kurz NLF und auch als Vietcong bekannt, gegen die USA und die südvietnamesische Regierung. Das Ergebnis war eine der wenigen Niederlagen in der Geschichte amerikanischer Außenpolitik und die Wiedervereinigung Vietnams unter kommunistischer Führung.

Die Wurzeln des Konflikts reichen weit zurück. Seit 1883 stand Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft. Der vietnamesische Nationalist Ho Chi Minh hatte bereits 1919 bei der Friedenskonferenz von Versailles, gestützt auf die 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, ein unabhängiges, geeintes und demokratisches Vietnam gefordert. Wilson lehnte dies ab. Daraufhin wurde Ho 1920 Anhänger der Leninschen Imperialismustheorie und überzeugte sich, dass die Befreiung Vietnams nur durch einen Volksaufstand erreicht werden könne, unabhängig von sowjetischer oder chinesischer Dominanz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Ho Chi Minhs Bewegung, die Viet Minh, einen blutigen Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich, den sogenannten Indochinakrieg von 1946 bis 1954. Die Niederlage Frankreichs bei Dien Bien Phu erzwang den Rückzug, und das Genfer Abkommen von 1954 teilte Vietnam provisorisch am 17. Breitengrad. Diese Teilung war als vorübergehende Lösung gedacht, bis freie, gesamtvietnamesische Wahlen abgehalten werden konnten. Doch der südvietnamesische Premierminister Ngo Dinh Diem verweigerte die Abhaltung dieser Wahlen, weil er wusste, dass Ho Chi Minh sie gewonnen hätte.

Diese verweigerten Wahlen und die politischen Repressalien unter Diem entzündeten den Bürgerkrieg, aus dem 1960 die Nationale Befreiungsfront als politisch-militärischer Arm hervorging. Die NLF wurde von Nordvietnam unter Ho Chi Minh und Le Duan unterstützt, Südvietnam dagegen in wachsendem Maß von den USA. Die aufeinanderfolgenden amerikanischen Regierungen unter Eisenhower, Kennedy, Johnson und Nixon ließen sich von der sogenannten Dominotheorie leiten: die Überzeugung, dass mit dem Fall Vietnams ganz Südostasien unter kommunistische Kontrolle geraten würde.

Den Wendepunkt zur direkten amerikanischen Kriegsbeteiligung markierte der fingierte Tonkin-Zwischenfall von 1964, bei dem angebliche nordvietnamesische Angriffe auf amerikanische Kriegsschiffe als Vorwand für eine massive Eskalation dienten. Präsident Lyndon B. Johnson bombardierte ab Februar 1965 erstmals Nordvietnam direkt und entsandte ab März immer mehr Bodentruppen, deren Zahl schließlich auf über 500.000 Mann anwuchs. Daraufhin unterstützten die Sowjetunion und die Volksrepublik China Nordvietnam mit Waffen und Material. Sechs weitere Staaten beteiligten sich auf amerikanischer Seite mit Truppenkontingenten, darunter Südkorea, Australien und Thailand.

Der Krieg entwickelte sich für die USA zu einem alptraumhaften Guerillakonflikt. Die NLF-Kämpfer nutzten ihr Wissen um Dschungel und Bevölkerung auf eine Weise, gegen die konventionelle Militärmacht wenig ausrichten konnte. Die Tet-Offensive vom Januar 1968, bei der NLF-Kräfte gleichzeitig mehr als hundert südvietnamesische Städte angriffen und vorübergehend sogar in die amerikanische Botschaft in Saigon eindrangen, zerstörte die Illusion eines bevorstehenden amerikanischen Sieges und erschütterte die öffentliche Meinung in den USA fundamental.

Johnson stellte die Bombardierungen bis November 1968 ein und verzichtete auf eine erneute Kandidatur. Sein Nachfolger Richard Nixon verfolgte eine Politik der Vietnamisierung: schrittweiser Rückzug amerikanischer Truppen bei gleichzeitiger Stärkung der südvietnamesischen Armee. Gleichzeitig weitete er den Krieg 1970 auf Kambodscha aus. Nach einer letzten, militärisch ergebnislosen Bombenkampagne im Dezember 1972, die als Christmas Bombings bekannt wurde, schloss seine Regierung im Januar 1973 einen Waffenstillstand mit Nordvietnam. Bis zum 29. März 1973 zogen alle amerikanischen Truppen ab, und Nordvietnam entließ alle amerikanischen Kriegsgefangenen.

Das südvietnamesische Regime war ohne amerikanische Unterstützung nicht lebensfähig. Am 30. April 1975 endete der Krieg mit der Eroberung der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon durch nordvietnamesische Truppen. Die dramatischen Hubschrauberevakuierungen vom Dach der amerikanischen Botschaft gingen als eines der prägendsten Bilder der modernen Geschichte in die kollektive Erinnerung ein. 1976 wurde Vietnam offiziell unter kommunistischer Herrschaft wiedervereinigt.

Die menschlichen Kosten waren erschütternd. Zwischen 1,3 und über drei Millionen Vietnamesen verloren ihr Leben. 58.220 amerikanische Soldaten starben. Darüber hinaus litt eine Million Vietnamesen laut Rotem Kreuz nach dem Krieg unter Behinderungen oder Gesundheitsschäden durch das Entlaubungsmittel Agent Orange, das die USA massenhaft eingesetzt hatten. Der Krieg hinterließ eine zerrissene vietnamesische Gesellschaft, ein traumatisiertes Amerika und ein bis heute nachwirkendes Misstrauen gegenüber militärischen Abenteuern im Ausland.

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