Zwischen 1861 und 1865 zerriss ein blutiger Bürgerkrieg die noch junge amerikanische Nation in zwei unversöhnliche Lager. Der Sezessionskrieg, wie er im deutschen Sprachraum bekannt ist, entsprang Jahrzehnte langen Spannungen zwischen den industrialisierten Nordstaaten und den auf Sklaverei ausgerichteten Südstaaten. Diese Gegensätze hatten sich seit etwa 1830 stetig vertieft und umfassten wirtschaftliche, soziale sowie politische Dimensionen, an deren Kern die Frage stand, ob die Institution der Sklaverei weiterhin bestehen oder letztlich abgeschafft werden sollte.
Der unmittelbare Auslöser für den Auseinanderfall der Union war die Wahl Abraham Lincolns zum US-Präsidenten im November 1860. Lincoln, ein gemäßigter Sklavereigegner, repräsentierte für die Südstaaten eine existenzielle Bedrohung ihres Gesellschaftsmodells. Im Winter 1860 und 1861 erklärten die meisten Südstaaten ihren Austritt aus der Union und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Ein diplomatischer Ausweg schien kaum mehr möglich.
Am 12. April 1861 eröffneten konföderierte Truppen das Feuer auf Fort Sumter in South Carolina. Damit begann offiziell ein Krieg, dessen Ausmaß und Dauer zu Beginn von beiden Seiten drastisch unterschätzt wurden. Sowohl im Norden als auch im Süden glaubten viele, der Konflikt werde binnen weniger Monate entschieden sein. Diese Annahme sollte sich als verhängnisvoll falsch erweisen.
Die erste größere Feldschlacht am Bull Run im Juli 1861 endete mit einem konföderierten Sieg und erschütterte das Selbstbewusstsein des Nordens erheblich. Der Norden begann nun ernsthaft mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Armee. Im Westen gelang der Union allerdings bereits Anfang 1862 bedeutende Geländegewinne: Weite Teile von Louisiana, Tennessee und Arkansas wurden eingenommen. Der Krieg nahm strategisch an Komplexität zu.
Im Osten hingegen scheiterte die Union zunächst am konföderierten General Robert E. Lee. Dieser vereitelte mit brillanter Kriegsführung den Versuch der Union, im Halbinsel-Feldzug die konföderierte Hauptstadt Richmond in Virginia einzunehmen. In der Sieben-Tage-Schlacht und in der zweiten Schlacht am Bull Run erzielte Lee entscheidende Erfolge. Ermutigt durch diese Siege marschierte er mit seiner Nord-Virginia-Armee nach Maryland ein und trug den Krieg erstmals auf Unionsboden.
Diese erste Invasion des Nordens endete mit der blutigen Schlacht am Antietam am 17. September 1862. Zwar war das militärische Ergebnis unentschieden, doch politisch und moralisch nutzte Präsident Lincoln den Moment entschlossen. Kurz nach Antietam verkündete er die Emanzipationsproklamation, die alle Sklaven in den rebellierenden Staaten zum 1. Januar 1863 für frei erklärte. Sklaven in den Unionstreuen Sklavenstaaten blieben davon zunächst unberührt, doch der moralische Zug des Krieges hatte sich klar verschoben.
Die Proklamation hatte weitreichende internationale Konsequenzen. Großbritannien und Frankreich, die zeitweise erwogen hatten, zugunsten der Konföderation zu intervenieren, konnten dies fortan nicht mehr wagen, ohne offen für die Sklaverei einzutreten. Der Norden hatte die moralische Oberhand gewonnen, auch wenn Lincolns vorrangiges Kriegsziel nach wie vor die Wiederherstellung der Union blieb.
Im Jahr 1863 verschob sich die Kriegslage deutlich zugunsten des Nordens. Die Unionstruppen besetzten den Großteil Tennessees und errangen am 4. Juli 1863 mit der Einnahme von Vicksburg, Mississippi, einen strategischen Triumph. Die letzte konföderierte Bastion am Mississippi River war gefallen. Die Konföderation war nun gespalten, da die Union den gesamten Verlauf des Flusses kontrollierte und die westlichen Territorien des Südens vom Nachschub abschnitt.
Im April 1865 kollabierte das konföderierte Militär endgültig. Am 9. April 1865 kapitulierte General Lee mit seiner Nord-Virginia-Armee in Appomattox Court House in Virginia. Die letzten konföderierten Truppen streckten am 23. Juni 1865 im Indianerterritorium die Waffen. Der Krieg war vorbei, und mit ihm endete die Institution der Sklaverei in den Vereinigten Staaten.
Die Folgen waren tiefgreifend und dauerhaft. Die 13. Zusatzartikel zur Verfassung schaffte die Sklaverei endgültig ab. Im Rahmen der sogenannten Reconstruction wurden die Südstaaten wieder in die Union aufgenommen, und Afroamerikanern wurden zivile Grundrechte anerkannt. Die Zentralmacht des Bundes wurde gegenüber den Einzelstaaten gestärkt, und das Land richtete sich verstärkt auf industrielle Entwicklung aus.
Der Sezessionskrieg gilt als der erste moderne, nach industriellen Maßstäben geführte Krieg der Geschichte. Technische Neuerungen wie gepanzerte Kriegsschiffe, Maschinengewehre und Telegrafie veränderten die Kriegsführung grundlegend. Er bleibt die verlustreichste Auseinandersetzung, die je auf amerikanischem Boden stattfand, und kostete mehr Amerikanern das Leben als jeder andere Krieg, an dem die USA beteiligt waren.
Bis heute lebt der Bürgerkrieg im kollektiven Gedächtnis der Amerikaner fort, besonders im Süden, auf dessen Gebiet nahezu alle wichtigen Schlachten geschlagen wurden. Denkmäler, Schlachtfelder und Gedenkorte halten die Erinnerung an Gefallene und Heerführer wach. Die Fragen nach Gleichheit, Würde und dem Wesen der amerikanischen Nation, die der Krieg aufwarf, beschäftigen die amerikanische Gesellschaft bis in die Gegenwart.
