Helen Folasade Adu, bekannt unter ihrem Künstlernamen Sade, wurde am 16. Januar 1959 in Ibadan, Nigeria, geboren. Ihr Vater Bisi Adu war Nigerianer, ihre Mutter Anne Hayes Britin, und bereits in ihrer Herkunft vereinigten sich zwei Welten, die später auch in ihrer Musik Ausdruck finden sollten. Als ihre Eltern sich trennten, zog die damals vierjährige Sade gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder in die englische Stadt Colchester. Diese frühe Verlagerung zwischen Kulturen und Kontinenten prägte ihre Persönlichkeit und ihr künstlerisches Schaffen tiefgreifend.
Nach der Schulzeit verschlug es sie nach London, wo sie Modedesign studierte und als Fotomodell arbeitete. Ihre äußere Erscheinung, ihre natürliche Eleganz und ihr unverwechselbarer Stil ließen sie schnell Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch es war die Musik, die sie letztlich anzog, und 1980 vollzog sie den Wechsel ins Musikgeschäft. Zunächst sang sie bei der Gruppe Arriva, danach zwei Jahre lang bei Pride. Dort lernte sie den Saxophonisten Stuart Matthewman kennen, eine Begegnung, die musikalisch von größter Bedeutung sein sollte, denn beide begannen gemeinsam zu komponieren.
Im Jahr 1983 nahm Sade mit ihrer Band ein Demoband mit vier Stücken auf, darunter die Titel Your Love Is King und Smooth Operator. Die Reaktion der Plattenfirmen fiel zunächst ernüchternd aus: Mehrere Labels lehnten die Aufnahmen ab, weil die Musik zu jazzig klinge und nicht dem damals vorherrschenden, von Drumcomputern geprägten Musikstil entspreche. Es schien, als sei der Zeitpunkt für einen so subtilen, erwachsenen Sound noch nicht reif.
Der Durchbruch kam auf anderem Wege. Nachdem Sade auf der Titelseite des einflussreichen britischen Magazins The Face abgebildet worden war und mit ihrer Band einen begeistert aufgenommenen Auftritt im Londoner Nachtclub Heaven absolviert hatte, änderte sich die Stimmung in der Musikindustrie schlagartig. Epic Records erkannte das Potenzial und bot ihr einen Plattenvertrag an.
Die Arbeit im Studio verlief in einem bemerkenswerten Tempo: Innerhalb von nur sechs Wochen wurden fünfzehn Titel eingespielt. Von diesen schafften es neun auf das Debütalbum Diamond Life. Dabei behielt sich Sade alle Entscheidungen über die Zusammenstellung des Albums vor und lehnte trotz des Widerstands der Plattenfirma mehrere vorgeschlagene Produzenten ab. Diese Kompromisslosigkeit in künstlerischen Fragen sollte zu einem Grundprinzip ihrer gesamten Karriere werden.
Diamond Life wurde ein phänomenaler Erfolg. Weltweit wurden von dem Album über zehn Millionen Exemplare verkauft, davon fast vier Millionen allein in den Vereinigten Staaten. Ab Mitte der 1980er Jahre feierte Sade mit ihrer von Soul und Jazz inspirierten Popmusik Triumphe auf der ganzen Welt. Im Jahr 1984 trat sie beim renommierten Montreux Jazz Festival auf, im darauffolgenden Jahr beim legendären Live Aid Konzert. 1985 gewann sie mit ihrer Band den ersten Grammy Award und bewies damit, dass sie nicht nur ein kurzfristiges Phänomen war.
1986 zeigte Sade auch ihre schauspielerischen Qualitäten, als sie eine Rolle in dem Film Absolute Beginners übernahm und darin den Song Killer Blow sang. Im Privatleben war sie von 1989 bis 1994 mit dem spanischen Filmproduzenten Carlos Scola verheiratet. Danach lebte sie mit dem jamaikanischen Produzenten Bob Morgan zusammen, mit dem sie im Juli 1996 Mutter wurde.
Im Jahr 1994 erhielt Sade einen weiteren Grammy Award für den Song No Ordinary Love, der auch im Soundtrack des Films Ein unmoralisches Angebot Verwendung fand. Damit unterstrich sie ihre Relevanz jenseits des Augenblicks, auch in einer Zeit, in der die Musiklandschaft von schnellen Wechseln geprägt war.
Nach einer mehrerähriger Auszeit, in der der Rest der Band ohne Sade unter dem Namen Sweetback aktiv war, kehrte sie im Jahr 2000 mit dem Studioalbum Lovers Rock zurück. Das Album wurde mit einer ausgedehnten Tournee durch die Vereinigten Staaten im Jahr 2001 unterstützt, deren Mitschnitte 2002 als Live-Album und DVD unter dem Titel Lovers Live veröffentlicht wurden.
Im Jahr 2005 bewies Sade ihr soziales Engagement, als sie für das Projekt Voices for Darfur den Song Mum aufnahm. Nach einer erneuten langen Pause kehrte sie Anfang 2010 mit der Single Soldier of Love zurück, die besonders in Nordamerika große Erfolge feierte. Das gleichnamige Album, im Februar 2010 veröffentlicht, erreichte in zahlreichen Ländern die Spitze der Charts, darunter Italien, Frankreich, Spanien, Schweden, Kanada und die Vereinigten Staaten.
Ende April 2011 startete Sade eine neue Welttournee, und ebenfalls 2011 erschien unter dem Titel The Ultimate Collection eine Doppel-CD ihrer größten Hits, auf der vier neue Songs enthalten waren. Die Konzertaufzeichnung vom September 2011 wurde 2012 veröffentlicht und in der Kategorie Best Long Form Music Video für einen Grammy Award nominiert. Im November 2018 steuerte sie den Song The Big Unknown zum Soundtrack des Films Widows bei, und im Oktober 2020 erschien die Vinyl-Box This Far mit ihren sechs bisherigen Alben.
Mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern gehört Sade zu den meistverkauften Künstlerinnen der Musikgeschichte. Ihre Stimme, ihr unverwechselbarer Stil und ihre Fähigkeit, zeitlose Musik zu schaffen, haben ihr einen Platz in der Musikgeschichte gesichert, der von kurzlebigen Trends unberührt bleibt.

