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Francisco de Paula Rodrigues Alves

Brasilianischer Politiker und Präsident von Brasilien(1848-1919)

4 min01/01/2024
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Francisco de Paula Rodrigues Alves zählt zu den prägenden Staatsmännern des frühen brasilianischen Republikanismus, einem Zeitalter, in dem die junge Republik noch um ihre staatlichen Institutionen und ihre städtische Modernisierung rang. Sein Name ist untrennbar mit dem radikalen Umbau der Hauptstadt Rio de Janeiro verbunden, einem Mammutprojekt, das Brasilien an die Schwelle der Moderne führte.

Er wurde am 7. Juli 1848 in Guaratinguetá im Bundesstaat São Paulo geboren. Nach einer schulischen Ausbildung in seiner Heimatstadt begann er 1866 seine öffentliche Karriere. Im Jahr 1870 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Juristischen Fakultät der Universidade de São Paulo ab und wurde anschließend Staatsanwalt, ein Beruf, der ihm eine solide Basis für die politische Laufbahn bot. Der Übergang von der kaiserlichen Monarchie zur Republik 1889 eröffnete für viele ambitionierte Juristen und Politiker aus São Paulo neue Spielräume, und Rodrigues Alves nutzte sie konsequent.

Vom 19. November 1887 bis zum 27. April 1888, noch unter dem Kaiserreich, war er Präsident der Provinz São Paulo, was zeigt, dass seine politische Karriere weit in die monarchische Ära zurückreichte. Nach der Proklamation der Republik war er Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung und arbeitete damit aktiv an den Grundlagen des neuen brasilianischen Staatswesens mit. Vom 1. Mai 1900 bis zum 13. Februar 1902 war er erneut Gouverneur des Staates São Paulo, ein Amt, das er zum Sprungbrett für die Bundespolitik nutzte.

Bei der Präsidentschaftswahl 1902 wurde Rodrigues Alves mit großer Mehrheit zum Präsidenten Brasiliens gewählt. Sein Amtsantritt am 15. November 1902 markierte den Beginn einer Amtszeit, die bis zum 15. November 1906 andauerte und als eine der folgenreichsten in der frühen republikanischen Geschichte Brasiliens gilt. Das herausragendste Projekt seiner Präsidentschaft war die umfassende städtebauliche und sanitäre Erneuerung Rio de Janeiros. Die Hauptstadt war damals geprägt von überfüllten Armensiedlungen, veralteter Infrastruktur und regelmäßigen Gelbfieberepidemieen, die das öffentliche Leben lähmten und ausländische Investoren abschreckten. Rodrigues Alves beauftragte den Ingenieur Francisco Pereira Passos mit dem Abriss ganzer Viertel und dem Bau breiter Boulevards nach dem Vorbild des Pariser Haussmann'schen Stadtumbaus. Gleichzeitig leitete der Arzt Oswaldo Cruz eine rigorose Bekämpfung der Gelbfieberüberträger ein, was zu einer drastischen Reduzierung der Sterblichkeit führte.

Diese Modernisierungskampagne war nicht ohne gesellschaftliche Reibung. Die Zwangsumsiedlung der armen Bevölkerung, die in den abgerissenen Vierteln lebte, löste die sogenannte Revolta da Vacina aus, einen Aufstand gegen die obligatorische Impfpflicht im November 1904. Rodrigues Alves ließ den Aufstand niederschlagen, hielt aber an seinem Modernisierungskurs fest, der Rio de Janeiro tatsächlich in eine der modernsten Städte Lateinamerikas verwandelte.

Nach dem Ende seiner Amtszeit blieb Rodrigues Alves eine wichtige Figur im politischen Leben Brasiliens. Sein Land befand sich in der sogenannten Café-com-leite-Politik, dem Wechsel der Präsidentschaft zwischen den mächtigen Bundesstaaten São Paulo und Minas Gerais. 1918 wurde er erneut zum Präsidenten Brasiliens gewählt, ein außergewöhnliches Zeugnis seiner anhaltenden politischen Popularität. Doch das Schicksal verweigerte ihm die zweite Amtszeit: Er erkrankte an der Spanischen Grippe, der weltweiten Pandemie, die in den Jahren 1918 und 1919 Millionen von Menschen das Leben kostete. Am 16. Januar 1919 starb Francisco de Paula Rodrigues Alves in Rio de Janeiro, noch bevor er sein zweites Mandat antreten konnte. Sein Vizepräsident Delfim Moreira da Costa Ribeiro übernahm daraufhin das Amt des Präsidenten.

Rodrigues Alves hinterließ ein Brasilien, dessen Hauptstadt sich von einer tropischen Kolonialstadt in eine moderne Metropole verwandelt hatte. Sein Erbe ist das eines Modernisierers, der bereit war, für Fortschritt auch politische Widerstände in Kauf zu nehmen, und der im letzten Augenblick vom Schicksal um die Vollendung seines Werkes gebracht wurde.

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