Edmund Crouchback, geboren am 16. Januar 1245 in Westminster und gestorben am 5. Juni 1296 in Bayonne, war einer der loyalsten Fürsten des mittelalterlichen England. Als erster Earl of Lancaster und zugleich erster Earl of Leicester verkörperte er den Typus des königstreuen Prinzen, der seine persönlichen Ambitionen stets dem Wohl seiner königlichen Familie unterordnete. Sein ungewöhnlicher Beiname „Crouchback" hat eine faszinierende Geschichte: Chronisten des 14. Jahrhunderts wie Adam of Usk und John Hardyng deuteten ihn als Hinweis auf eine schwere Rückenverkrümmung, doch Edmunds Name rührte höchstwahrscheinlich daher, dass er als Kreuzfahrer am Kreuzzug des Prinzen Eduard einen Wappenrock mit einem Kreuz auf dem Rücken trug – und damit „Crossed Back" oder eben „Crouchback" genannt wurde.
Edmund war der zweite Sohn des englischen Königs Heinrich III. und seiner Gemahlin Eleonore von der Provence. Nur wenige mittelalterliche Geburten sind so gut dokumentiert wie seine. König Heinrich III. hatte, um für eine gesunde Geburt zu bitten, je tausend Kerzen am Schrein von Thomas Becket und in der Abtei St. Augustinus in Canterbury gestiftet. Die Freude des Königs über den zweiten Sohn war so überwältigend, dass er für den Hochaltar von Westminster Abbey eine kostbar verzierte Kasel stiftete und einen jubilierenden Brief an den Abt von Bury St Edmunds schrieb. Auf Empfehlung des Abtes, der vorschlug, den Prinzen nach dem in seinem Kloster begrabenen angelsächsischen Märtyrerkönig zu benennen, erhielt er den Namen Edmund – der Heilige Edmund gehörte zu den Lieblingsheiligen des Königs.
Über Edmunds Kindheit ist wenig bekannt. Spätestens ab Oktober 1246 wuchs er mit seinen älteren Geschwistern in Windsor Castle auf, wo die Königskinder von Aymon Thurbert, dem Constable der Burg, standesgemäß erzogen wurden. Um 1255 verfügte Edmund über einen eigenen Haushalt. Im Mai 1254 hatte seine Mutter ihn und den Thronfolger Eduard mit nach Südwestfrankreich in die Gascogne genommen, wohin König Heinrich III. bereits 1253 zur Niederschlagung eines Aufstands gereist war.
In Frankreich fasste Heinrich III. einen kühnen Plan: Er wollte seinen zweiten Sohn mit päpstlicher Unterstützung zum König von Sizilien machen. Am 6. März 1254 bot der päpstliche Nuntius in England, Alberto di Parma, Edmund dieses Amt offiziell an, und Papst Innozenz IV. bestätigte das Angebot am 14. Mai. Am 25. Mai ließ Heinrich III. ein Siegel für Edmund als König von Sizilien anfertigen.
Das Vorhaben war von Anfang an kaum realisierbar. Weder die militärischen noch die finanziellen Mittel des englischen Königreichs reichten aus, um Sizilien, das damals von den Staufern beherrscht wurde, zu erobern. Der Nachfolger Papst Innozenz' IV., Alexander IV., forderte 1255 die gewaltige Summe von mehr als 135.000 Mark als Erstattung für bisherige Ausgaben im Kampf gegen die Staufer. Trotz seiner eigenen angespannten Finanzlage stimmte Heinrich III. zu, und der päpstliche Nuntius Giacomo Boncambi setzte Edmund am 18. Oktober 1255 formell als König von Sizilien ein.
Das „Sizilianische Abenteuer" scheiterte vollständig und trug zur politischen Krise in England bei. Als Heinrich III. im Frühjahr 1257 dem Parlament Edmund in apulischer Tracht vorführen ließ, um Unterstützung für das Vorhaben zu gewinnen, überzeugte er weder die Magnaten noch die Geistlichkeit. Die Versuche des Königs, vom Parlament eine Steuer zur Finanzierung dieses Unternehmens zu bewilligen, trugen mit zur Rebellion der Barone und zu den Provisions of Oxford von 1258 bei, die die königliche Macht erheblich einschränkten. Die Barone, die die Regierungsgewalt übernommen hatten, suchten die Aufhebung des päpstlichen Abkommens; Papst Alexander IV. setzte das Abkommen am 12. Dezember 1258 aus, solange die geforderten Zahlungen ausblieben.
Trotz des Scheiterns seiner sizilianischen Ansprüche blieb Edmund ein treuer Unterstützer seines Vaters und seines Bruders König Eduard I. Er diente beiden als Militär und Diplomat in zahlreichen Feldzügen und Verhandlungen, als Earl of Lancaster einer der mächtigsten weltlichen Fürsten des Reiches. Er starb am 5. Juni 1296 in Bayonne im heutigen Südwestfrankreich, während er im Dienst seines Bruders stand. Sein Erbe, das Haus Lancaster, sollte in den folgenden Jahrhunderten zu einer der bedeutendsten Dynastien Englands werden und in den Rosenkriegen des 15. Jahrhunderts eine Hauptrolle spielen.

