imperios

Romanos IV.

Kaiser von Byzanz

4 min01/01/2024
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Romanos IV. Diogenes war einer jener Herrscher des Byzantinischen Reiches, deren Schicksal sich zu einer außergewöhnlichen Geschichte verdichtet. Er regierte von 1068 bis 1071 als Kaiser, erlebte eine militärische Katastrophe, die seine Herrschaft vernichtete, und endete auf grausame Weise in einem menschengemachten Verhängnis.

Romanos entstammte einer angesehenen kleinasiatischen Adelsfamilie und diente als Gouverneur von Serdica, dem heutigen Sofia. Seine militärische Karriere begann unter Kaiser Konstantin X., und er zeichnete sich im Kampf gegen die Petschenegen aus. Im Jahr 1067 wurde er beschuldigt, an einer Verschwörung gegen Konstantin X. teilgenommen zu haben. Man rief ihn nach Konstantinopel, der heutigen Stadt Istanbul, und verurteilte ihn zum Tod. Das Urteil wurde jedoch in Verbannung umgewandelt. Als Konstantin X. am 21. Mai 1067 starb, wurde auch diese Strafe aufgehoben.

In erster Ehe war Romanos mit Anna verheiratet, der Tochter des bulgarischen Zaren Alusian aus dem Haus Komitopuli. Aus dieser Verbindung stammte ein Sohn, Konstantin Diogenes, der 1074 in einer Schlacht bei Antiochia gegen die Seldschuken fiel. Nach dem Tod Konstantins X. heiratete Romanos 1068 dessen Witwe Eudokia und wurde zum Mitkaiser erhoben. Die drei Söhne Konstantins, Michael, Andronikos und Konstantios, waren formal an der Regierung beteiligt, während die einflussreiche Familie der Dukas mit dem Kaisar Johannes Dukas an der Spitze eine mächtige Opposition gegen ihn bildete. Zwei weitere Söhne des Kaiserpaars, Leon und Nikephoros Diogenes, wurden 1069 und 1070 geboren und avancierten ebenfalls zu Mitkaisern.

In den ersten Jahren seiner Herrschaft kämpfte Romanos erfolgreich gegen die Seldschuken in Kleinasien, die zunehmend in byzantinisches Gebiet eindrangen. Doch 1071 entschied sich sein Schicksal auf dem Schlachtfeld von Manzikert. Dort stellte er dem seldschukischen Sultan Alp Arslan mit einem gewaltigen Heer entgegen. Die genauen Umstände der Niederlage sind in der byzantinischen Historiografie umstritten, doch das Ergebnis war eindeutig: Die byzantinischen Truppen wurden geschlagen, und Romanos selbst geriet in Gefangenschaft. Dies war das zweite Mal in der römisch-byzantinischen Geschichte, dass ein Kaiser in feindliche Hände fiel; der erste war der römische Kaiser Valerian, der 260 in persischer Gefangenschaft geendet hatte.

Überliefert ist ein bemerkenswerter Dialog zwischen den beiden Herrschern. Alp Arslan fragte Romanos: Was würdest du tun, wenn ich als Gefangener zu dir gebracht würde? Romanos antwortete: Vielleicht hätte ich dich getötet oder dich in den Straßen Konstantinopels ausgestellt. Alp Arslan entgegnete: Meine Strafe ist weitaus härter. Ich vergebe dir und lasse dich frei. Diese Anekdote, ob historisch verbürgt oder literarisch ausgestaltet, verdichtet den Kontrast zwischen der Grausamkeit höfischer Machtpolitik und ritterlicher Großzügigkeit zu einem einprägsamen Bild.

Gegen die Zahlung von Lösegeld und unter Abschluss eines Friedensvertrages ließ Alp Arslan Romanos frei. Doch während des Kaisers Abwesenheit hatten seine politischen Gegner gehandelt. Die Familie der Dukas hatte den Sohn Konstantins X., Michael VII., auf den Thron gehoben. Romanos versuchte, mit Waffengewalt seinen Thron zurückzugewinnen, wurde aber besiegt und gefangen genommen. Was dann folgte, war grausam: Er wurde gefoltert. Ende Juni 1072 blendete man ihn, indem ihm dreimal ein glühendes Eisen in die Augenhöhle gestoßen wurde. Laut einem Bericht des Historikers Michael Attaleiates entzündete sich die Wunde und war von Maden befallen, die ihm vom Gesicht fielen. Man verbannte ihn auf die Insel Proti, die viertgrößte der Prinzeninseln vor Konstantinopel. Wenige Tage später starb er an den Folgen der Verletzung.

Das militärische Ergebnis der Niederlage bei Manzikert erwies sich als verheerend für das Byzantinische Reich. Der von Romanos abgeschlossene Vertrag wurde nach seinem Sturz von den Seldschuken nicht mehr anerkannt. Sultan Malik Schah I., der Sohn Alp Arslans, nutzte die byzantinische Schwäche und ließ seine Heere weite Teile Kleinasiens erobern. Diese Gebiete, Kernland des byzantinischen Reiches und Rekrutierungsgebiet für das Heer, gingen dauerhaft verloren. Die Niederlage von Manzikert gilt als einer der Wendepunkte in der Geschichte des Nahen Ostens, weil sie den Weg für die türkische Besiedlung Anatoliens öffnete, die das Gesicht der Region bis heute prägt.

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