Das Römische Reich unter seinen Kaisern war eines der mächtigsten und dauerhaftesten Staatsgebilde, das die Welt je gesehen hat. Die Epoche der Römischen Kaiserzeit, die Althistoriker üblicherweise von 27 vor Christus bis zum Jahr 284 nach Christus bemessen, entstand aus den Trümmern der Republik, die sich in einem permanenten Bürgerkrieg aufgezehrt hatte, und endete mit einer Umgestaltung des Herrschaftssystems, die das Antlitz Europas und des Mittelmeerraums für Jahrhunderte veränderte.
In den letzten hundert Jahren der Römischen Republik, beginnend mit den Reformversuchen der Gracchen, hatte das System der alten Stadtstaatsverfassung versagt. Octavian, Großneffe und Adoptivsohn Gaius Iulius Caesars, besiegte nach Caesars Ermordung zunächst die Mörder und anschließend seinen ehemaligen Verbündeten im Triumvirat, Marcus Antonius, der gemeinsam mit Kleopatra von Ägypten aus ein hellenistisches Königreich errichten wollte. Bei der Seeschlacht von Actium im Jahr 31 vor Christus entschied er diesen letzten Bürgerkrieg für sich.
Im Januar 27 vor Christus legte Octavian seine im Bürgerkrieg errungene Alleinherrschaft formell nieder. Doch dies war ein meisterhaft inszenierter politischer Akt: Der Senat verlieh ihm sofort den Ehrennamen Augustus sowie den Oberbefehl über die Legionen der Grenzprovinzen, das sogenannte imperium proconsulare maius, das periodisch erneuert wurde. Zusammen mit der tribunicia potestas bildete dies die formale Basis des neuen Herrschaftssystems, das man Prinzipat nannte. In seinem Tatenbericht, den Res Gestae Divi Augusti, beschrieb Augustus sich selbst als an Ansehen seinen Kollegen überlegen, an Amtsgewalt jedoch gleichgestellt — eine bewusste Fiktion, die die Römer akzeptierten, weil sie endlich Frieden wollten.
Augustus legitimierte seine Herrschaft nicht nur durch Recht, sondern auch durch eine beispiellose Propaganda in Stein und Wort. Öffentliche Bauvorhaben wie die Ara Pacis, der Altar des Friedens, feierten das Ende der Bürgerkriege. Die Dichtkunst erlebte ihre klassische Blütezeit: Vergil schrieb die Aeneis, Horaz seine Oden, Ovid seine Metamorphosen — alle eingebunden in das augusteische Programm der Erneuerung. Der Senat war durch Begünstigungen auf die Seite des Princeps gezogen worden; die Nobilität behielt ihre herausgehobene soziale Stellung, verlor aber ihre politische Macht.
Auch das römische Recht erlebte in der Kaiserzeit seine Blütezeit. Mit der Gründung von Rechtsschulen nahm die Jurisprudenz einen differenzierten wissenschaftlichen Betrieb auf. Große Juristen wie Labeo, Gaius, Pomponius, Julian, Paulus, Ulpian und Papinian entwickelten methodische und dogmatische Grundlagen, die weit über ihre Zeit hinauswirkten und deren Einfluss bis in das heutige Recht reicht.
Nach Augustus regierte die julisch-claudische Dynastie, gefolgt von den Flaviern und schließlich den Adoptivkaisern des zweiten Jahrhunderts, die als das Zeitalter der Fünf Guten Kaiser in die Geschichte eingingen. Unter Trajan und Hadrian erreichte das Reich seine größte Ausdehnung und einen inneren Wohlstand, der bis dahin unbekannt gewesen war. Pax Romana — der Römische Friede — ermöglichte Handel, kulturellen Austausch und wirtschaftlichen Aufstieg auf einem Gebiet, das von Britannien bis Mesopotamien reichte.
Doch das dritte Jahrhundert brachte eine tiefe Krise. In der sogenannten Reichskrise des dritten Jahrhunderts, die etwa von 235 bis 284 dauerte, gab es Dutzende von Soldatenkaisern, Bürgerkriege, Invasionen der Germanen und Perser sowie wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das Imperium drohte auseinanderzubrechen und zerfiel zeitweise in mehrere rivalisierende Teilreiche. Erst Kaiser Aurelian gelang es in den 270er Jahren, das Reich militärisch wieder zu einigen.
Das Ende dieser Epoche markierte Kaiser Diokletian, der 284 die Macht ergriff und das Herrschaftssystem grundlegend umgestaltete. Er schuf die Tetrarchie, eine Viererherrschaft, und verlagerte die Residenz von Rom weg in strategisch günstigere Städte. Die Armee wurde massiv aufgestockt, die Bürokratie ausgebaut. Diese Veränderungen zusammen mit der Hinwendung Konstantins des Großen zum Christentum kurz nach 300 markieren den Übergang von der Kaiserzeit zur Spätantike. Das weströmische Reich bestand formell noch bis 476, als der letzte Kaiser des Westens abgesetzt wurde; im Osten lebte das Römische Reich als Byzantinisches Reich weiter bis zum Jahr 1453.
Das Erbe der Römischen Kaiserzeit ist unermesslich: Das Rechtssystem, die Sprache, die Architektur, das Straßennetz, das Christentum als Staatsreligion — all das geht auf diese Epoche zurück. Bis heute prägen die Strukturen, die Augustus und seine Nachfolger schufen, die europäische Zivilisation.