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Byzantinisches Reich

Kaiserreich im östlichen Mittelmeerraum nach der römischen Reichsteilung 395

6 min01/01/2024
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Als das Weströmische Reich im Jahr 476 nach Christus unter dem Druck germanischer Völkerwanderungen und innerer Schwäche zusammenbrach, lebte sein östliches Gegenstück weiter — und das für fast ein weiteres Jahrtausend. Das Byzantinische Reich, wie es Historiker der Neuzeit nennen, verstand sich selbst niemals als „byzantinisch", sondern bis zu seinem letzten Tag als das rechtmäßige „Reich der Römer". In der Sprache der Einwohner hieß es Basileia tōn Rhōmaiōn, und seine Kaiser trugen den Titel der alten römischen Herrscher.

Die Wurzeln des Reiches liegen in der Reichsteilung von 395, als Kaiser Theodosius I. sein Erbe unter seinen beiden Söhnen aufteilte. Die östliche Hälfte mit ihrer Hauptstadt Konstantinopel — das antike Byzanz am Bosporus — erwies sich als weit widerstandsfähiger als der Westen. Ihren Namen als Beschreibung des Reiches erhielt die Stadt erst durch moderne Gelehrte; der Byzantinist Georg Ostrogorsky charakterisierte das Reich treffend als eine Synthese aus römischem Staatswesen, griechischer Kultur und christlichem Glauben.

In der Mitte des sechsten Jahrhunderts unter Kaiser Justinian I. erreichte das Byzantinische Reich seine größte Ausdehnung. Durch die Feldzüge seines Heerführers Belisar wurden Teile des untergegangenen Weströmischen Reiches zurückerobert: Nordafrika, Italien und Südspanien kamen wieder unter oströmische Herrschaft. Das Reich erstreckte sich von Südspanien über die Balkanhalbinsel, Kleinasien und Syrien bis nach Ägypten. Justinian kodifizierte auch das römische Recht im berühmten Corpus Iuris Civilis, einem Rechtswerk, das die europäische Rechtsentwicklung bis in die Gegenwart prägte.

Das siebte Jahrhundert brachte eine verheerende Zeitenwende. Die arabischen Heere, getragen von der neuen Kraft des Islam, rissen Syrien, Palästina und Ägypten — die reichsten Provinzen des Reiches — in rasanter Folge an sich. Gleichzeitig drangen Slawen und Awaren tief in den Balkan ein. Aus der Großmacht, die einst den gesamten östlichen Mittelmeerraum kontrolliert hatte, wurde ein wesentlich kleineres Reich, das im Wesentlichen auf Kleinasien und Südosteuropa beschränkt blieb. Dennoch blieb es während der längsten Zeit seiner weiteren Existenz das mächtigste, reichste und kulturell bedeutendste Staatswesen der Christenheit.

Die folgenden Jahrhunderte waren von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Phasen des Rückzugs wechselten mit Phasen der Expansion. Im zehnten und elften Jahrhundert erlebte das Reich unter der makedonischen Dynastie eine Renaissance: Die Grenzen wurden nach Osten und Norden ausgedehnt, Bulgarien wurde erobert, und die Hauptstadt Konstantinopel strahlte als das kulturelle und kommerzielle Zentrum der Christenheit. Innerhalb des Reiches gab es immer wieder theologische Auseinandersetzungen — der Bilderstreit des achten und neunten Jahrhunderts spaltete die Gesellschaft tief — sowie periodische Bürgerkriege zwischen Militäradel und Kaiserhof.

Ein weiterer Einschnitt kam 1071 mit der Schlacht von Manzikert, bei der seldschukische Türken das byzantinische Heer vernichtend schlugen und Kleinasien begannen zu besiedeln. Dieser Verlust des anatolischen Kernlandes entzog dem Reich seine wichtigsten Ressourcen an Soldaten und Steuern. Die Kreuzzüge, die ab 1095 durch byzantinisches Territorium zogen, brachten zunächst fragwürdige Unterstützung, dann offene Feindschaft. 1204 plünderten und eroberten Kreuzfahrer des Vierten Kreuzzuges Konstantinopel selbst und gründeten ein lateinisches Kaiserreich auf byzantinischem Boden. Erst 1261 gelang es den byzantinischen Griechen unter Kaiser Michael VIII. Palaiologos, die Hauptstadt zurückzuerobern.

Die letzte Phase des Byzantinischen Reiches, die sogenannte spätbyzantinische Zeit ab 1261, war eine Geschichte des langsamen Untergangs. Das Reich schrumpfte auf einen Stadtstaat zusammen, politisch marginalisiert, zerrissen von Dynastiekriegen und abhängig von venezianischen und genuesischen Kaufleuten, die faktisch den Handel kontrollierten. Die aufsteigende Macht der Osmanen verschlang Stück für Stück die verbliebenen byzantinischen Territorien.

Am 29. Mai 1453 fiel Konstantinopel nach einer langen Belagerung unter dem osmanischen Sultan Mehmed II. Kaiser Konstantin XI. Palaiologos soll im Kampf auf den Stadtmauern gefallen sein. Mit diesem Datum endet die Geschichte des Byzantinischen Reiches, das den Untergang des Westreiches um fast genau tausend Jahre überlebt hatte.

Das kulturelle Erbe Byzanz' ist von unschätzbarem Wert. Die Christianisierung Osteuropas ging wesentlich von Konstantinopel aus, und so übte das Reich einen gewaltigen Einfluss auf Griechenland, Bulgarien und Russland aus, die sich zeitweilig als Nachfolger Ostroms betrachteten. Byzantinische Gelehrte bewahrten bedeutende Werke der Antike — Philosophie, Recht, Literatur — und trugen sie nach Westeuropa, wo sie die Renaissance mitentfachten.

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