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Myanmar

Staat in Südostasien

4 min01/01/2024
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Myanmar, offiziell Republik der Union Myanmar und im westlichen Sprachgebrauch auch als Burma oder Birma bekannt, liegt im Herzen Südostasiens und grenzt im Norden und Nordosten an die Volksrepublik China, im Osten an Laos und Thailand, im Westen an den Golf von Bengalen, Bangladesch sowie an die indischen Bundesstaaten Mizoram, Manipur, Nagaland und Arunachal Pradesh. Der südlichste Zipfel des Landes reicht auf die Malaiische Halbinsel hinab. Diese geografische Lage an einem Knotenpunkt zwischen Süd- und Südostasien hat das Land im Laufe der Jahrhunderte zu einem Schauplatz wechselnder Kulturen, Reiche und Mächte gemacht.

Das Gelände Myanmars ist außerordentlich vielgestaltig. Im Norden erhebt sich das Kachin-Bergland als südlicher Ausläufer des Himalaya; an der Dreiländergrenze zwischen Myanmar, Indien und China liegt der Hkakabo Razi, mit 5881 Metern der höchste Berg ganz Südostasiens. Entlang der Westküste am Golf von Bengalen erstrecken sich ausgedehnte Sumpfgebiete, hinter denen das Arakan-Joma-Gebirge mit Gipfeln bis zu 3000 Metern aufragt und sich nordwärts im Patkai-Gebirge fortsetzt. Im Osten bedeckt das Shan-Hochland mit Erhebungen bis zu 2500 Metern große Teile des Landes. Die Mitte des Landes, das Becken des Irrawaddy, bildet mit seinen fruchtbaren Böden das landwirtschaftliche Herz Myanmars. Neben dem Irrawaddy sind Thanlwin, Sittaung, Chindwin und der Mekong die wichtigsten Flüsse. Vor der Westküste der Malaiischen Halbinsel liegt der Mergui-Archipel mit rund 800 Inseln, eine noch weitgehend unberührte Inselwelt. Die Erdbebentätigkeit in der Region ist eine direkte Folge der Plattentektonik: Die nach Norden driftende Indische Platte kollidiert mit der Eurasischen Platte und erzeugt dabei anhaltenden geologischen Druck.

Das Klima ist von wenigen Ausnahmen im äußersten Norden abgesehen durch den indischen Monsun geprägt. Drei Jahreszeiten wechseln sich ab: die Regenzeit von Ende Mai bis Mitte Oktober, eine kühle Trockenzeit von Ende November bis Ende Februar und eine heiße Jahreszeit in den Monaten März und Mai. Im Landesinneren, wo das Gebirge den Regen abfängt, sind die Niederschläge deutlich geringer als an der Küste.

Myanmar zählt 2023 rund 54,6 Millionen Einwohner, von denen 32 Prozent in Städten leben. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 0,7 Prozent, getragen von einem Geburtenüberschuss: 16,8 Geburten stehen 8,7 Sterbefällen je tausend Einwohner gegenüber. Die Fertilitätsrate lag 2022 bei 2,1 Kindern je Frau. Die Lebenserwartung beträgt ab Geburt 67,3 Jahre, der Altersmedian liegt bei 29 Jahren. Knapp ein Viertel der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt, was die demographische Jugendlichkeit des Landes unterstreicht.

Politisch steht Myanmar seit 1962 faktisch unter Militärherrschaft. Die Unabhängigkeit von Britisch-Indien und damit vom Vereinigten Königreich war 1948 erklärt worden, doch schon bald übernahmen Generäle die Macht. Nur in der Periode zwischen 2011 und 2021 öffnete sich das Land ansatzweise demokratischen Elementen: Eine zivile Regierung unter Aung San Suu Kyi konnte, wenn auch unter erheblichem Einfluss des Militärs, regieren. Am 1. Februar 2021 riss das Militär in einem Putsch erneut die vollständige Staatsgewalt an sich und errichtete den sogenannten State Administration Council (SAC) als Machtorgan.

Der Putsch löste landesweite Massenproteste und in der Folge einen blutigen Bürgerkrieg aus. Die zivile Opposition organisierte sich im Nationalen Einheitsregierung Myanmars (National Unity Government, NUG) und verbündete sich mit verschiedenen ethnischen Widerstandsgruppen, die im Rand des Landes bereits seit Jahrzehnten für Autonomie oder Unabhängigkeit kämpften. Das Militär, traditionsgemäß als Tatmadaw bezeichnet, antwortete mit Luftangriffen auf Zivilbevölkerung, Brandschatzung von Dörfern und systematischen Menschenrechtsverletzungen. Bis zum Jahr 2023 hatte die Militärregierung die Kontrolle über große Teile des Landes faktisch eingebüßt; oppositionelle und ethnische Kräfte kontrollierten ausgedehnte Territorien im Norden, Westen und Osten.

Die humanitären Folgen sind verheerend. Hunderttausende Menschen wurden vertrieben, Krankenhäuser und Schulen bombardiert, Hilfslieferungen blockiert. Im internationalen Demokratieindex rangiert Myanmar seit 2021 durchgehend auf dem vorletzten Platz weltweit — noch hinter Nordkorea und lediglich vor Afghanistan. Neben dem akuten Bürgerkrieg leidet das Land unter chronischer wirtschaftlicher Unterentwicklung, Armut und fehlenden staatlichen Strukturen in weiten Landesteilen.

Etwa 40 Prozent der Landesfläche sind von Primärwald bedeckt, doch schwindet diese Waldfläche jährlich um etwa 1,2 Prozent durch Abholzung und Brandrodung. Myanmar verfügt über erhebliche Rohstoffvorkommen an Edelsteinen — insbesondere Rubinen und Jade — sowie an Teak, Öl und Erdgas; doch kommen die Erlöse daraus hauptsächlich dem Militär und seinen Wirtschaftskonglomeraten zugute, nicht der Bevölkerung.

Die Geschichte des modernen Myanmar ist auch die Geschichte eines nie vollständig gelösten ethnischen Mosaiks: Bamar, Shan, Karen, Kachin, Chin, Mon, Rohingya und Dutzende weiterer Gruppen bewohnen das Land, deren Beziehungen zur zentralen Staatsmacht seit der Kolonialzeit belastet sind. Besonders die Rohingya, eine muslimische Minderheit im westlichen Rakhine-Staat, waren 2017 Ziel einer militärischen Kampagne, die von den Vereinten Nationen als Völkermord bezeichnet wurde und mehr als 700.000 Menschen zur Flucht nach Bangladesch zwang.

Myanmar steht an einem Scheideweg, dessen Ausgang ungewiss ist: Zwischen militärischer Unterdrückung, zivilem Widerstand, ethnischem Separatismus und regionaler Einmischung durch China und andere Mächte ringt das Land um eine Zukunft, die seinen vielfältigen Völkern Würde, Sicherheit und Wohlstand ermöglicht.

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