Brian David Josephson wurde am 4. Januar 1940 in Cardiff, der Hauptstadt von Wales, geboren. Er sollte zu einem der einflussreichsten theoretischen Physiker des 20. Jahrhunderts werden und seinen Namen einem der fundamentalsten Phänomene der modernen Physik geben — dem Josephson-Effekt. Seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn von früh an nach Cambridge, der Stadt, die für Generationen brillanter Geister ein intellektuelles Zuhause war.
Josephson erwarb 1960 seinen Bachelor-Abschluss in Physik an der Universität Cambridge und setzte seine Studien dort fort: 1964 folgten der Master-Abschluss und die Promotion. Bereits 1962, noch als junger Wissenschaftler ohne Doktortitel, wurde er Fellow des legendären Trinity College in Cambridge — eine Auszeichnung, die die Universität nur an ihre vielversprechendsten Köpfe vergab. In den Jahren 1965 und 1966 war er als Gastprofessor an der University of Illinois tätig, kehrte jedoch 1967 nach Cambridge zurück, wo er zunächst als Assistant Director für Forschung in der Festkörpertheorie-Gruppe des berühmten Cavendish Laboratory wirkte. 1972 wurde er zum Reader ernannt, und von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007 bekleidete er eine Professur in Cambridge.
Die wissenschaftliche Leistung, die Josephson unsterblich machte, vollbrachte er noch als 23-jähriger Doktorand. In einer theoretischen Arbeit sagte er voraus, dass Elektronen als Cooper-Paare — das fundamentale Trägerelementpaar der Supraleitung — durch eine dünne isolierende Barriere tunneln könnten, selbst ohne dass eine elektrische Spannung angelegt wird. Dieses Phänomen, das als Josephson-Effekt bezeichnet wird, hat weitreichende physikalische und technische Konsequenzen. Es gibt zwei Grundformen: den Gleichstrom-Josephson-Effekt, bei dem ein Strom ohne Spannung fließt, und den Wechselstrom-Josephson-Effekt, bei dem bei angelegter Gleichspannung ein Hochfrequenzwechselstrom entsteht.
Die experimentelle Bestätigung dieser Vorhersage folgte kurz darauf, und die Fachwelt erkannte die Bedeutung der Entdeckung rasch. Das Nobelkomitee in Stockholm würdigte Josephsons Leistung 1973 mit dem Nobelpreis für Physik, den er gemeinsam mit Leo Esaki und Ivar Giaever erhielt. Die Begründung lautete: für seine theoretische Vorhersage von Eigenschaften eines Suprastromes durch eine Tunnel-Barriere, insbesondere jener Phänomene, die allgemein als Josephson-Effekt bekannt sind. Josephson war zu diesem Zeitpunkt erst dreiunddreißig Jahre alt.
Vor dem Nobelpreis hatte Josephson bereits andere wichtige Auszeichnungen erhalten: 1972 erhielt er sowohl die Guthrie Medal des Institute of Physics als auch die Elliott Cresson Medal des Franklin Institute. Im selben Jahr wurde er mit dem Holweck-Preis der britischen und der französischen physikalischen Gesellschaft geehrt. Es folgten zahlreiche Ehrendoktortitel — 1974 von der University of Wales, 1983 von der University of Exeter — sowie die Aufnahme als Fellow der American Academy of Arts and Sciences im Jahr 1974, als Ehrenmitglied des Institute of Electrical and Electronics Engineers 1982 und die Faraday-Medaille der Institution of Electrical Engineers ebenfalls 1982. Im Jahr 1984 erhielt er die Sir George Thomson Medal.
Der Josephson-Effekt hat weit über die Grundlagenforschung hinaus praktische Anwendungen gefunden. Josephson-Kontakte werden in hochempfindlichen Magnetometern — den sogenannten SQUIDs (Superconducting Quantum Interference Devices) — verwendet, die Magnetfelder von extremer Schwäche messen können. Sie finden Einsatz in der Medizin, etwa bei der Magnetenzephalographie zur Messung von Hirnaktivitäten, in der Materialwissenschaft und in der Metrologie. Die Josephson-Frequenzspannungsrelation dient heute als internationaler Standard für die Spannungsmessung.
Ab den 1970er Jahren wandte sich Josephson intellektuell neuen Fragestellungen zu, die in der wissenschaftlichen Gemeinschaft mehr Skepsis auslösten. Er begann, Verbindungen zwischen östlicher Mystik und der modernen Physik zu erkunden, und veranstaltete 1978 gemeinsam mit dem Neurowissenschaftler V. S. Ramachandran ein internationales Symposium über Bewusstsein und Physik. In Cambridge unterhielt er ein sogenanntes Mind-Matter Unification Project, das sich der Erforschung von Geist-Materie-Wechselwirkungen widmete. Seine Unterstützung für Forschungsgebiete wie Parapsychologie, Kalte Fusion und Homöopathie machte ihn innerhalb der Physikergemeinde zunehmend umstritten und führte zu öffentlichen Debatten über die Grenzen wissenschaftlicher Offenheit. Diese späte Phase seines Lebenswerkes spiegelt eine seltene intellektuelle Risikobereitschaft wider, die nicht alle Kollegen zu teilen bereit waren.

