Die Republik der Vereinigten Niederlande entstand als politisches Gebilde aus einem der bemerkenswertesten Aufstände der frühneuzeitlichen Geschichte: dem Niederländischen Aufstand gegen die Herrschaft der spanischen Habsburger. Was 1568 als Widerstand lokaler Adeliger und städtischer Bürger gegen Steuererhöhungen und religiöse Verfolgung begann, mündete 1581 in die formelle Lossagung von sieben nördlichen Provinzen und begründete eine Republik, die für fast zwei Jahrhunderte zu den führenden Handels- und Seemächten der Welt aufsteigen sollte.
Der historische Hintergrund liegt in der Erbschaft des Hauses Habsburg. Die gesamten burgundischen Niederlande, ein Territorium, das neben den heutigen Niederlanden auch große Teile des heutigen Belgiens und Luxemburgs umfasste, waren 1477 an die Habsburger gefallen. Zum überwiegenden Teil gehörten sie dem Heiligen Römischen Reich an. Unter Kaiser Karl V., der in diesen Landen aufgewachsen war, herrschte noch eine gewisse Balance zwischen zentraler Macht und lokalen Privilegien. Unter seinem Sohn Philipp II. von Spanien jedoch, der von 1556 an regierte und dem das Land fremd geblieben war, wuchsen die Spannungen rasch. Philipp betrieb eine aggressive Zentralisierungspolitik, die die angestammten Rechte der Städte und Provinzen beschnitt, und trat als streng katholischer Herrscher gegen die sich ausbreitende Reformation vor.
Der Widerstand entzündete sich zunächst an der Inquisition und den Soldaten des Herzogs von Alba, der ab 1567 mit eiserner Faust gegen Protestanten wie Katholiken vorging, die ihm zu wenig gehorsam erschienen. Hinrichtungen, Konfiszierungen und Willkürherrschaft trieben immer breitere Bevölkerungsschichten in die Opposition. Aus zunächst lokalen Unruhen wurde ein offener Krieg, der als Achtzigjähriger Krieg in die Geschichte eingegangen ist — eine Auseinandersetzung, die von 1568 bis 1648 dauern sollte.
Im Verlauf dieses Krieges kam es 1579 zur Bildung der Utrechter Union, einem Defensivbündnis verschiedener nördlicher Provinzen und Städte gegen Philipp II. Die sieben Provinzen, die sich darin zusammenschlossen, waren Holland, Zeeland, Groningen, Utrecht, Friesland, Geldern und Overijssel; auch Drenthe gehörte dazu, allerdings ohne Stimmrecht in den gemeinsamen Generalstaaten. Zwei Jahre später, 1581, vollzogen die verbündeten Provinzen im sogenannten Plakkaat van Verlatinghe den formellen Bruch: Sie erklärten Philipp II. für abgesetzt und sagten sich von seinem Herrschaftsanspruch los. Dies gilt als Geburtsstunde der Republik der Vereinigten Niederlande.
Der Staat, der sich nun konstituierte, war in seiner politischen Form ungewöhnlich für das Europa jener Zeit. Die Republik hatte keinen offiziellen Namen — meist wurde sie als Vereinigte Niederlande bezeichnet, auf Lateinisch Belgica Foederata. Im völkerrechtlichen Verkehr traten die Generalstaaten, das Staatenvertretungsgremium der Provinzen, als souveräner Akteur auf. Da die Provinz Holland die größte wirtschaftliche Macht besaß, wurden die Niederländer pars pro toto schlicht als Holländer bezeichnet — eine Vereinfachung, die sich bis in die Gegenwart gehalten hat. In Sprachen ohne eigenes Wort für Niederlande wurden sie als Sieben Vereinigte Provinzen bezeichnet; eine lateinische Selbstbezeichnung war Batavia, in Anlehnung an den antiken Stamm der Bataver.
Der Achtzigjährige Krieg war damit nicht beendet, sondern trat in eine neue Phase. Spanien anerkannte die Republik nicht und kämpfte weiter um die Rückgewinnung des verlorenen Territoriums. Doch die Niederländer behaupteten sich militärisch, und ihre maritime Stärke erlaubte ihnen, gleichzeitig ein weltumspannendes Handelsnetz aufzubauen. Über die Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC) und die Westindische Kompanie (WIC) dehnten die Niederlande ihren Einfluss auf Südostasien — das spätere Niederländisch-Indien —, auf Afrika mit der Kapkolonie und der Goldküste, auf Nordamerika mit Nieuw Nederland sowie auf Südamerika mit Niederländisch-Guayana aus.
Das 17. Jahrhundert wurde zum Goldenen Zeitalter der Republik: Amsterdam war der bedeutendste Handelsplatz Europas, die niederländische Flotte beherrschte die Meere, und in Kunst und Wissenschaft entstanden Werke, die die Weltkultur dauerhaft prägten. Rembrandt, Vermeer und Spinoza wirkten in diesem Klima. Der Westfälische Frieden von 1648 brachte schließlich die offizielle Anerkennung der niederländischen Unabhängigkeit durch Spanien.
Im 18. Jahrhundert verlor die Republik an Dynamik. Wirtschaftlicher Rückgang, interne politische Konflikte zwischen republikanischen Bürgerlichen und dem Haus Oranien sowie militärische Niederlagen gegen England und Frankreich zehrten an den Grundlagen des Staates. Als die Truppen der Französischen Revolution 1795 in die Niederlande einmarschierten, brach die alte Republik zusammen. Sie wurde durch die neue Batavische Republik ersetzt — ein direktes Kind des französischen Revolutionsexports. Damit endete nach mehr als zwei Jahrhunderten jene politische Form, die als eines der bekanntesten Beispiele für eine frühneuzeitliche Republik in die Geschichte eingegangen ist.

