biografias

Lyonel Feininger

Deutsch-amerikanischer Künstler (1871–1956)

6 min01/01/2024
Anúncio

Lyonel Feininger ist eine der faszinierendsten Grenzgängerfiguren der Kunst des 20. Jahrhunderts – ein Maler, der seinen Weg zur Malerei erst spät fand, dafür aber mit umso größerer Konsequenz und einem unverwechselbaren Stil beschritt. Als deutsch-amerikanischer Künstler, der zwischen zwei Kulturen und zwei Welten lebte, schuf er ein Werk, das bis heute zu den Höhepunkten der Klassischen Moderne gezählt wird.

Carl Léonell Feininger – so sein ursprünglicher Name – wurde am 17. Juli 1871 in New York als Sohn zweier angesehener deutsch-amerikanischer Musiker geboren. Sein Vater Karl Friedrich, später Charles Feininger genannt, war Konzertgeiger, seine Mutter Elizabeth Cecilia Lutz Pianistin und Sängerin. Die musikalische Atmosphäre des Elternhauses prägte den jungen Lyonel tief, und die Rhythmik und Klanglichkeit der Musik sollten später auch in seinen Bildern spürbar werden.

Im Jahr 1887, mit sechzehn Jahren, reiste er erstmals nach Deutschland, um seine Eltern auf deren Konzertreise zu begleiten. Mit ihrer Erlaubnis besuchte er die Kunstgewerbeschule Hamburg, bevor er am 1. Oktober 1888 die Aufnahmeprüfung der Berliner Königlichen Akademie der Künste bestand. Berlin sollte zu seinem künstlerischen Heimatort werden, auch wenn er die Stadt immer wieder verließ, um neue Eindrücke zu sammeln. Er war ein passionierter Radler und bevorzugte Räder der Marke Cleveland Cycles, was ihm die Freiheit gab, die Landschaften Deutschlands auf eigene Faust zu erkunden.

1892 unterbrach er seine Berliner Ausbildung für ein Studium an der Pariser Académie Colarossi, die vom italienischen Bildhauer Filippo Colarossi gegründet worden war. Nach sieben Monaten in Paris kehrte er 1893 nach Berlin zurück, wo er als freier Illustrator und Karikaturist für renommierte Zeitschriften tätig wurde, darunter Harpers Young People, Humoristische Blätter, Ulk und die Lustigen Blätter. Es war zunächst ein kommerzieller Weg, der ihn aber zeichnerisch und kompositorisch schulte wie kaum ein anderes Handwerk.

Im Juli 1906 traf Feininger in Paris auf Robert Delaunay und Henri Matisse – Begegnungen, die seine Entwicklung als Maler nachhaltig beeinflussten. In Paris kam auch sein Sohn Andreas zur Welt. Mit der Chicago Sunday Tribune schloss er einen Vertrag über zwei Comic-Serien, The Kin-der-Kids und Wee Willie Winkie's World, die heute zu den Klassikern des Genres gezählt werden, obwohl beide früh wieder eingestellt wurden. 1908 heiratete Feininger die Künstlerin Julia Berg in Berlin. Das Paar bekam zwei weitere Söhne, Laurence und Theodore Lux.

Feininger kam erst mit 36 Jahren wirklich zur Malerei – ein ungewöhnlich später Beginn für einen Künstler, der so Bedeutendes schaffen sollte. Doch seine langen Jahre als Karikaturist hatten ihm ein sicheres Gespür für Komposition und das Wesentliche einer Form gegeben. Er unterzog seine Arbeiten einer harten selbstkritischen Prüfung und entwickelte, ausgehend von seinen Karikaturen, zügig einen sehr markanten Malstil, in dem Objekte abstrahiert und gestalterisch überhöht wurden. Licht, Farbe und kubistische Zerlegung der Form wurden zu seinen bevorzugten Mitteln.

Ab 1909 war er Mitglied der Berliner Secession. 1911 wurden sechs seiner Gemälde im Pariser Salon des Artistes Indépendants am Pont d'Alma ausgestellt – erste bedeutende Begegnungen mit dem Kubismus, der seine weitere Entwicklung mitprägen sollte. 1912 lernte er die Künstlergruppe Brücke kennen und stellte seine ersten architektonischen Kompositionen her. 1913 nahm er auf Einladung von Franz Marc am Ersten Deutschen Herbstsalon teil, gemeinsam mit Künstlern des Blauen Reiters.

Berühmt wurden seine Bilder der kleinstädtischen Idylle, entstanden 1905 in Ribnitz und Damgarten, sowie seine Gemälde von Kirchen und Dorfkernen im thüringischen Umland von Weimar, wohin er zwischen 1906 und 1937 immer wieder reiste. Die Bilder sind meist nach den jeweiligen Ortschaften benannt und durchnummeriert – Gelmeroda, Niedergrunstedt, Possendorf, Mellingen, Vollersroda und viele andere – und zeigen eine Welt, die er durch sein prismatisches Licht in etwas Zeitloses verwandelte.

1919 begann seine Arbeit am Bauhaus in Weimar, der einflussreichsten Kunstschule des 20. Jahrhunderts. Hier wirkte er als Meister und gehörte zu den prägenden Figuren dieser Institution, die Kunst, Handwerk und Design zu verbinden suchte. Die Kraft und der Ausdruck seines Stils beeinflussten zahlreiche zeitgenössische Künstler. Lyonel Feininger starb am 13. Januar 1956 in New York, der Stadt, in der er hundert Jahre zuvor geboren worden war – ein Leben, das nahezu ein gesamtes Jahrhundert der Kunst umspannte.

Anúncio
Anúncio

Lies diese und über 800 weitere Geschichten in der World in Stories App — kostenlos

Video-Geschichten, Shorts, Mysterien und „Was geschah heute“. Kostenlos laden, ohne Kreditkarte.

App kostenlos laden

iPhone, iPad & Android • PT, EN, ES, DE, FR

Related Stories