James Augustine Aloysius Joyce erblickte am 2. Februar 1882 im Dubliner Vorort Rathgar das Licht der Welt, als erstes Kind von John Stanislaus Joyce und Mary Jane Murray. Seine Familie entstammte einer einst wohlhabenden Schicht, die jedoch durch den Alkoholismus und die finanzielle Leichtfertigkeit des Vaters stetig in die Armut glitt. Von seinen zwölf Geschwistern starben zwei an Typhus, was die Fragilität des Familienlebens früh vor Augen führte.
Die Kindheit war von scharfen Kontrasten geprägt. Der Vater hatte einst eine kleine Saline und ein Kalkwerk besessen, war jedoch 1887 als Steuereintreiber bei der Dublin Corporation eingestellt worden, was der Familie den Umzug in das aufstrebende Bray ermöglichte. Doch zur selben Zeit begann auch der Verfall: Ein Hundebiss hinterließ beim jungen James eine lebenslange Hundephobie, und eine tiefreligiöse Tante prägte ihm eine Furcht vor Gewittern ein, die er als Zeichen des Zornes Gottes deutete. Bereits mit neun Jahren verfasste Joyce das Gedicht „Et Tu Healy" über den Tod Charles Stewart Parnells — sein Vater ließ es drucken, und Joyce sandte später eine Kopie an die Vatikanische Bibliothek.
Der schulische Weg führte ihn 1888 zunächst ans Clongowes Wood College, ein jesuitisches Internat in County Kildare. Als der Vater das Schulgeld nicht mehr aufbringen konnte, musste Joyce 1892 die Schule verlassen. Nach einer kurzen Phase des Heimunterrichts und dem Besuch der O'Connell School der Christian Brothers erhielt er 1893 einen Platz am Belvedere College in Dublin, ebenfalls unter jesuitischer Leitung. Die Jesuiten erhofften sich, dass er dem Orden beitreten würde; Joyce jedoch wandte sich ab seinem 16. Lebensjahr dem Katholizismus ab, wenngleich die Philosophie des Thomas von Aquin sein Denken zeitlebens durchzog.
1898 begann Joyce das Studium der modernen Sprachen, besonders Englisch, Französisch und Italienisch, am University College Dublin. Dort wurde er in literarischen und Theaterkreisen aktiv und verfasste erste Artikel. Sein 1900 veröffentlichter Essay „Ibsen's New Drama" erregte so viel Aufmerksamkeit, dass Henrik Ibsen ihm persönlich ein Dankesschreiben schickte. Viele seiner Kommilitonen wurden später Vorbilder für Figuren in seinen Werken.
Nach dem Studium zog Joyce nach Paris, wo er Medizin studieren wollte. Die hohen Studiengebühren machten diesen Plan zunichte; er lebte karg von Englischunterricht und gelegentlichen Zeitungshonoraren. Im April 1903 rief ihn die Erkrankung seiner Mutter nach Dublin zurück, wo sie schließlich starb. Diese Heimkehr sollte die letzte längere Bleibe in der Heimatstadt sein: 1904 verließ Joyce Dublin endgültig, zusammen mit Nora Barnacle, die seine lebenslange Gefährtin werden sollte.
Es folgten Jahre in Triest, wo Joyce als Englischlehrer arbeitete, kurze Aufenthalte in Rom und schließlich die Übersiedlung nach Zürich zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Trotz chronischer Geldnot und einer zunehmenden Augenkrankheit, die ihn fast erblinden ließ, schrieb er unablässig. 1914 erschien „Dubliners", ein Zyklus von Kurzgeschichten, der das stagnierende Leben in der irischen Hauptstadt mit chirurgischer Präzision sezierte. Im selben Jahr begann die Veröffentlichung des Romans „A Portrait of the Artist as a Young Man" in einer Zeitschrift.
Sein Hauptwerk jedoch, der Roman „Ulysses", erschien 1922 und erschütterte die literarische Welt. Das Buch, das einen einzigen Tag im Leben des Leopold Bloom in Dublin schildert, stellte alle gängigen Erzählkonventionen auf den Kopf. Joyce entwickelte die Technik des Bewusstseinsstroms zu einem Kunstinstrument höchster Präzision, das die innere Welt der Figuren in ihrer ganzen Ungeordnetheit abbildete. Das Buch wurde zunächst in mehreren Ländern verboten, was paradoxerweise seinen Ruhm noch steigerte.
Das Spätwerk „Finnegans Wake", an dem Joyce sechzehn Jahre arbeitete, erschien 1939 und stellte die Grenzen der Sprache selbst in Frage. Das Buch ist in einer erfundenen Vielsprachigkeit geschrieben, die Wörter aus Dutzenden Sprachen miteinander verschmilzt und den linearen Sinn zugunsten eines polyphones Klanggewebes auflöst. Viele Leser und Kritiker empfanden es als unlesbar, andere sahen darin die konsequenteste Umsetzung des Modernismus überhaupt.
James Joyce lebte seine letzten Jahre abwechselnd in Paris und Zürich. Am 13. Januar 1941 starb er in Zürich an den Folgen einer Magenoperation. Er gilt bis heute als einer der wichtigsten Vertreter der literarischen Moderne, dessen konsequente Entwicklung des Bewusstseinsstroms und dessen Umgang mit Sprache Generationen von Schriftstellern beeinflusst haben. Sein Werk hat Dublin literarisch unsterblich gemacht, auch wenn er der Stadt selbst ein Leben lang den Rücken kehrte.



