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Kostis Palamas

Griechischer Autor

6 min01/01/2024
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Kostís Palamás, am 13. Januar 1859 in der Hafenstadt Patras als zweiter von drei Brüdern geboren, wuchs in einem von literarischer Tradition durchdrungenen Familienumfeld auf. Seine Eltern stammten aus Mesolongi, jenem Ort, der durch Lord Byrons Tod und den griechischen Freiheitskampf in der Romantik unsterblich geworden war. Die intellektuelle Linie der Familie reichte weit zurück: Sein Urgroßvater Panagiotis Palamas hatte zwischen 1722 und 1803 in Mesolongi die Palamische Schule gegründet, sein Großvater Ioannis Palamas lehrte an der Akademie des Patriarchats in Konstantinopel. Diese gelehrte Herkunft sollte Kostís prägen — auch wenn er nur wenige Jahre genießen konnte, was ein intaktes Familienleben bedeutete.

Mit sechs Jahren verlor Palamás beide Eltern und zog fortan bei Verwandten in Mesolongi ein, gemeinsam mit seinen beiden Brüdern. Mesolongi, diese von Lagune und Geschichte umgebene Stadt, bot einen melancholischen Rahmen für eine Kindheit ohne Eltern. Dennoch zeigte sich früh das schriftstellerische Talent: Bereits mit neun Jahren verfasste er sein erstes Gedicht, das er später selbstironisch als ein „Gedicht zum Lachen" charakterisierte. 1875 ließ sich Palamás in Athen nieder, um dort Jura zu studieren — aber wie so viele Dichter seines Schlages wandte er sich bald von der Jurisprudenz ab und der Literatur zu.

Ab 1875 veröffentlichte er Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften. 1876 reichte er seine Gedichtsammlung Ερώτων Έπη (Epen der Liebschaften) bei einem Wettbewerb ein — auf Katharevousa, der altertümlichen Hochsprache, die damals in der Athener Literatur vorherrschte. Die Gedichte wurden als „leblose Reimereien" abgelehnt, doch wich Palamás nicht zurück. 1878 erschien sein Gedicht Mesolongi als erste eigenständige Veröffentlichung. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Nikos Kambas und Georgios Drosinis arbeitete er seit 1898 für die politisch-satirischen Zeitschriften Rambagas und Mι χάνεσαι. Die drei jungen Männer teilten die Überzeugung, dass die Zeit für eine sprachliche und ästhetische Erneuerung der neugriechischen Literatur gekommen war.

Die literarische Bewegung, die aus dieser Gemeinschaft hervorging, ist als Neue Athener Schule in die Literaturgeschichte eingegangen. Sie stand im Gegensatz zur alten romantischen Athener Schule, die an der Katharevousa festhielt und für die Gruppe um Palamás veraltet und leblos wirkte. Die Herausforderung war enorm: Die eingesessenen Dichter verspotteten Palamás und seine Mitstreiter als kindische Emporkömmlinge, als Unruhestifter, die das literarische Erbe Griechenlands gefährdeten. Doch Palamás hielt durch.

1886 erschien mit den Liedern meiner Heimat (Τραγούδια της Πατρίδος μου) die erste Gedichtsammlung in der Volkssprache, der Dimotiki — ein programmatischer Akt, der zugleich Stilmuster der neuen Athener Schule war. Die Volkssprache, die im täglichen Leben der Griechen lebte, aber in der Literatur als minderwertig galt, wurde durch Palamás' Werk rehabilitiert und geadelt. 1887 heiratete er Maria Valvi; das Paar hatte drei Kinder. 1889 erschien die Hymne an Athene (Ύμνος εις την Αθηνάν), der ihm noch im selben Jahr den Preis beim Philadelphischen Dichterwettbewerb einbrachte — eine Auszeichnung, die er auch 1890 erneut erhielt.

Der Schmerz des persönlichen Verlustes durchzog Palamás' Leben und Werk. 1898 starb sein Sohn Alkis im Alter von nur vier Jahren. Das Trauergedicht Das Grab (Ο τάφος) entstand als Versuch, diesen Verlust in Sprache zu fassen — es gehört zu den berührendsten Werken der neugriechischen Lyrik. In den folgenden Jahren entstand eine Reihe bedeutender Gedichtsammlungen: Unbewegtes Leben (Ασάλευτη Ζωή, 1904), Die zwölf Gesänge des Zigeuners (ο Δωδεκάλογος του Γύφτου, 1907) und Die Flöte des Königs (Η Φλογέρα του Βασιλιά, 1910). Diese Werke verbanden nationales Pathos, mythologische Tiefe und sprachliche Virtuosität auf eine Weise, die in der Literatur Griechenlands bis dahin unbekannt war.

1896 hatte Palamás den Text der Olympischen Hymne verfasst, die der Komponist Spyros Samaras vertonte. Diese Hymne — geschrieben für die ersten modernen Olympischen Spiele in Athen — erklingt bis heute bei Olympischen Eröffnungsfeiern und ist damit wohl das am weitesten verbreitete Werk, das Palamás' Namen trägt, auch wenn vielen Zuhörern der Autor unbekannt bleibt. Ein Jahr nach dieser Auftragsarbeit erhielt er ein Ehrenamt an der Universität Athen, das er bis 1928 bekleidete. 1918 wurde ihm der Nationalpreis der Literatur und der Künste verliehen, 1926 wurde er Mitglied der Akademie von Athen, deren Präsident er 1930 wurde.

Die letzten Jahre seines Lebens überschatteten Krieg und Besatzung. Griechenland erlebte während des Zweiten Weltkrieges die Okkupation durch die Achsenmächte. Palamás, inzwischen in hohem Alter und geschwächt, starb am 27. Februar 1943 in Athen. Sein Tod wurde zu einem Akt des nationalen Widerstands: Trotz der deutschen Besatzung versammelten sich Tausende bei seiner Beisetzung, und der Dichter Angelos Sikelianos sprach von einer Nation, die ihren größten Sohn begrub. Kostís Palamás gilt bis heute als der wichtigste Vertreter der Generation von 1880, als jener Dichter, der der neugriechischen Sprache ihre literarische Würde zurückgab.

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