Joseph Bonaparte, geboren am 7. Januar 1768 in Corte auf Korsika als Giuseppe Buonaparte, war der älteste Bruder Napoleons und eine der faszinierendsten Figuren des napoleonischen Zeitalters. Er starb am 28. Juli 1844 in Florenz als letzter Überlebender der unmittelbaren Bonaparte-Familie, Zeuge einer Epoche, die Europa von Grund auf verändert hatte.
Er kam als Sohn des Notars und Landbesitzers Carlo Buonaparte und der Laetitia Ramolino in Corte zur Welt, das damals die Hauptstadt der Republik Korsika war. Die Familie lebte im Haus von Laetitias Onkel Arrighi di Casanova. Das Geburtsjahr 1768 war für Korsika politisch aufgeladen: Die Republik Genua hatte die Insel im selben Jahr an das Königreich Frankreich verkauft, doch ein Aufstand unter Pasquale Paoli tobte gegen die französische Herrschaft. Carlo Buonaparte nahm in diplomatischer Funktion und zuletzt als Capitano einer Partisanenkompanie an diesem Widerstand teil, bevor er nach der Niederschlagung des Aufstands amnestiert wurde. 1771 erlangte er sogar die Anerkennung des französischen Adelsstandes durch Ludwig XV.
Dank eines königlichen Stipendiums für verarmte französische Adlige konnten Joseph und sein jüngerer Bruder Napoléon im Jahr 1779 gemeinsam ein Internat in Autun besuchen. Dieser Schritt eröffnete ihnen Bildungswege, die der korsischen Provinz verschlossen geblieben wären. Joseph, ursprünglich für eine kirchliche Laufbahn vorgesehen, entschied sich letztlich wie sein Vater für das Jurastudium an der Universität Pisa. Nach dem Tod des Vaters kehrte er nach Korsika zurück und arbeitete als Rechtsanwalt.
Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution eröffneten sich politische Karrierechancen. Joseph wurde zum Vorsitzenden des Distriktrates von Ajaccio gewählt, während Napoleon die Nationalgarde als Leutnant befehligte. Beide Brüder gerieten jedoch in Konflikt mit Pasquale Paoli, der nach seiner Rückkehr aus dem englischen Exil die Bonaparte-Familie als Verräter betrachtete. Da Paoli die Mehrheit der Inselbevölkerung hinter sich hatte, musste Joseph nach Marseille fliehen, begleitet von der Mutter und den jüngsten Geschwistern. Am 1. August 1794 heiratete er dort Julie Clary.
Ab 1796 begleitete Joseph seinen Bruder beim Italienfeldzug und war an den Verhandlungen mit dem Königreich Sardinien beteiligt, die zum Waffenstillstand von Cherasco führten. Danach nahm er an der Rückeroberung des von den Briten besetzten Korsika teil. Die diplomatische Karriere setzte sich fort: 1797 wurde er nach Parma und nach Rom entsandt, danach wurde er als Vertreter Korsikas Mitglied im Rat der Fünfhundert.
Nach dem Staatsstreich vom 18. Brumaire 1799 trat Joseph in den Staatsrat und das Corps Législatif ein. Im Jahr 1800 war er federführend bei der Ausarbeitung des Vertrags von Mortefontaine, eines Handelsvertrags zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten. 1801 leitete er die Delegation bei den Verhandlungen zum Frieden von Lunéville, und 1802 verhandelte er mit dem britischen Lord Cornwallis über den Frieden von Amiens, eine der bedeutendsten diplomatischen Vereinbarungen der napoleonischen Zeit.
Nach Napoleons Erhebung zum Konsul auf Lebenszeit entbrannte ein Nachfolgekonflikt. Joseph beanspruchte Berücksichtigung, während Napoleon eher auf Ludwigs Sohn setzte. Nach der Proklamation des Kaiserreichs 1804 verschärfte sich dieser Streit, obwohl Joseph zum Großwürdenträger des Kaiserreichs ernannt wurde und während Napoleons Feldzug in Deutschland 1805 als eine Art Regent fungierte.
1806 entsandte Napoleon ihn nach Neapel, um die Bourbonen zu vertreiben und das Königreich im Sinne des französischen Kaiserreichs umzugestalten. Als Joseph I. regierte er das Königreich Neapel von 1806 bis 1808 und leitete moderate Reformen ein. 1808 übertrug ihm Napoleon eine noch größere Aufgabe und ernannte ihn zum König von Spanien, wo er ebenfalls als José I. regierte, bis die Entwicklungen auf dem iberischen Halbinsel 1813 ein Ende seiner Herrschaft erzwangen. Nach dem Sturz Napoleons nahm er den Titel Comte de Survilliers an und verbrachte seine späteren Jahre teils in den Vereinigten Staaten, teils in Europa.

