El Salvador, ein kleines zentralamerikanisches Land, trug über Jahrzehnte hinweg die Lasten extremer sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit. Eine schmale Plantagenelite kontrollierte den größten Teil des fruchtbaren Landes, während die Mehrheit der Bevölkerung in Armut lebte und kaum Möglichkeiten zur politischen Teilhabe hatte. Politischer Aktivismus wurde regelmäßig mit Repression beantwortet, und selbst moderate Reformversuche blieben von den herrschenden Kräften blockiert.
In diesem Klima wuchs die Unzufriedenheit. Mitte der 1960er Jahre gewann die politische Linke eine Wahl mit einem Programm für Landreform und soziale Gerechtigkeit, doch das Militär erkannte das Ergebnis nicht an und verhinderte jede Umsetzung. Diese systematische Ausgrenzung trieb einen wachsenden Teil der Bevölkerung in den 1970er Jahren in die Radikalisierung. Proteste und Streiks häuften sich, und die Militärregierung schlug sie mit zunehmender Brutalität nieder.
Am 15. Oktober 1979 stürzte eine Militärjunta unter Colonel Jaime Abdul Gutiérrez Avendano den amtierenden Präsidenten Carlos Humberto Romero. Die neue Revolutionsjunta kündigte Reformen und den Kampf gegen Korruption an, doch ihre Machtergreifung fiel mit einer weiteren Eskalation der Gewalt zusammen. In diesem Umfeld formierten sich verschiedene linke Guerillagruppen — darunter das Bloque Popular Revolucionario, das ERP und die FPL — bestehend aus Marxisten, Gewerkschaftern, Reformisten und Christen. Getrieben vom Vorbild der sandinistischen Revolution in Nicaragua schlossen sich im Jahr 1980 fünf der wichtigsten Gruppen zur Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional, kurz FMLN, zusammen.
Die erste Phase des Konflikts war von erschütternder Brutalität geprägt. Im Januar 1980 stürmte die Nationalgarde eine friedliche Demonstration von Bauern- und Oppositionsorganisationen in San Salvador; nach Augenzeugenberichten kamen dabei zwischen 22 und 50 Menschen ums Leben. Regierungsnahe Todesschwadronen verbreiteten Terror in der Zivilbevölkerung, und ländliche Gebiete wurden durch Vertreibungen und Umsiedelungen entvölkert.
Den wohl erschütterndsten Einzelakt dieser frühen Phase stellte die Ermordung von Erzbischof Óscar Romero dar. Romero war eine der wenigen führenden Stimmen, die sich öffentlich gegen die Gewaltexzesse aussprachen, und hatte kurz zuvor in einem Brief an US-Präsident Jimmy Carter die amerikanische Militärhilfe an die Regierung El Salvadors verurteilt. Am 24. März 1980 wurde er während einer Messe von einem Scharfschützen der Todesschwadronen erschossen. Diese Tat spaltete die Gesellschaft noch tiefer und wurde weltweit mit Entsetzen aufgenommen. Später, im Dezember desselben Jahres, wurden vier US-amerikanische Ordensschwestern — Ita Ford, Maura Clarke, Dorothy Kazel und Jean Donovan — von Angehörigen der Nationalgarde ermordet, was zu internationaler Empörung führte.
Der Bürgerkrieg war von Beginn an eingebettet in die globale Logik des Kalten Krieges. Die Vereinigten Staaten unterstützten die salvadorianische Regierung mit Militärhilfe und Beratern, während die FMLN von Kuba unter Fidel Castro sowie von der Sowjetunion logistisch und finanziell gefördert wurde. Washington setzte die Hilfe nach den Morden an den Ordensschwestern vorübergehend aus, nahm sie jedoch bald wieder auf, da El Salvador als Frontstaat im Kampf gegen den Kommunismus galt.
Im Verlauf der 1980er Jahre weitete sich der Konflikt aus. Die FMLN verübte gezielte Angriffe auf Militärstützpunkte und kritische Infrastruktur, während das Militär mit Bombardierungen ländlicher Gebiete und systematischer Gegenaufstandsbekämpfung reagierte. Die dabei eingesetzten Taktiken richteten sich häufig nicht gegen Kombattanten, sondern gegen die Zivilbevölkerung — weshalb der Konflikt zu den sogenannten „schmutzigen Kriegen" der Kalten-Kriegs-Ära gezählt wird. Tausende Menschen wurden von Todesschwadronen ermordet, darunter zahlreiche unbeteiligte Zivilisten.
Besonders berüchtigt wurde das Massaker von El Mozote im Dezember 1981, bei dem Angehörige der Eliteeinheit Atlacatl-Bataillon hunderte von Zivilisten töteten. Die genaue Opferzahl wurde lange bestritten, doch spätere Untersuchungen bestätigten das Ausmaß des Verbrechens. Solche Ereignisse zeigten das Muster eines Krieges, in dem die Zivilbevölkerung zum wichtigsten Schlachtfeld wurde.
Das Ende des Kalten Krieges veränderte die Dynamik des Konflikts grundlegend. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor die FMLN ihre wichtigste externe Unterstützung, während auch die USA kein vitales strategisches Interesse mehr in der Region sahen. Beide Seiten — erschöpft nach mehr als einem Jahrzehnt des Blutvergießens — sahen sich zunehmend zu Verhandlungen bereit.
Am 16. Januar 1992 wurden in Mexiko-Stadt die Chapultepec-Friedensabkommen unterzeichnet. Das Abkommen beendete offiziell zwölf Jahre Bürgerkrieg, in denen nach Schätzungen rund 75.000 Menschen ihr Leben verloren hatten und eine Million Menschen zu Flüchtlingen geworden waren. Die FMLN wurde entwaffnet und in eine politische Partei umgewandelt — ein Schritt, der die Integration der ehemaligen Guerillabewegung in das demokratische Leben El Salvadors ermöglichte.
Das Erbe des Krieges war tief und vielschichtig. Die Wahrheitskommission der Vereinten Nationen, die ihren Bericht 1993 vorlegte, machte staatliche Kräfte und Todesschwadronen für den überwältigenden Teil der Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Viele Täter wurden nie strafrechtlich verfolgt, da kurz nach dem Abkommen eine Amnestie verabschiedet wurde. Óscar Romero, der ermordete Erzbischof, wurde 2015 von Papst Franziskus seliggesprochen — ein spätes Symbol der moralischen Anerkennung für jene, die im Widerstand gegen staatliche Gewalt ihr Leben ließen.
