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Iwan IV. (Russland)

Zar von Russland

6 min01/01/2024
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Iwan IV. Wassiljewitsch, in der Geschichte als der Schreckliche bekannt, obwohl die russische Bezeichnung Grosny eher furchteinflößend oder streng bedeutet, war eine der faszinierendsten und erschreckendsten Herrschergestalten der russischen Geschichte. Er wurde am 25. August 1530 in Kolomenskoje geboren und starb am 18. März 1584 nach julianischem Kalender, dem 28. März nach gregorianischem Kalender, in Moskau. Als erster Großfürst von Moskau, der sich förmlich zum Zaren von Russland krönen ließ, verkörperte er den Übergang von einem mittelalterlichen Fürstentum zum frühneuzeitlichen Zarenreich.

Iwan entstammte dem alten russischen Fürstengeschlecht der Rurikiden und war das lange ersehnte Kind seines Vaters Wassili III. Dessen erste Ehe mit Solomonija Saburowa war über viele Jahre kinderlos geblieben. Erst als Saburowa ins Kloster geschickt und Wassili III. die zweite Ehe mit Helena Glinskaja schloss, wurde 1530 der Thronfolger Iwan geboren; der Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits 51 Jahre alt. Als Dankbezeugung ließ Wassili III. in den Jahren 1528 bis 1532 die Christi-Himmelfahrt-Kirche in seiner Residenz Kolomenskoje errichten. Iwan wurde nach seinem Großvater Iwan III. dem Großen benannt und am 4. September 1530 im Kloster der Dreifaltigkeit und des Heiligen Sergius getauft, etwa 78 Kilometer nordnordöstlich von Moskau.

Die frühe Kindheit des Zukünftigen Zaren war von Verlusten und Gefahren geprägt. Am 3. Dezember 1533 verlor der kaum dreijährige Iwan seinen Vater. Bis zu ihrem eigenen Tod im Jahr 1538 übernahm seine Mutter Helena Glinskaja die Regentschaft. In dieser Zeit agierte sie mit harter Hand gegen potenzielle Rivalen: Iwans Onkel, Fürst Juri von Dmitrow, wurde sofort eingekerkert; Michail Glinski, ihr Onkel, der zeitweise die tatsächliche Regierung führte, wurde im August 1534 verhaftet und im Kerker des Kremls ermordet. Als gefährlicher Prätendent galt auch Fürst Andrei von Stariza, der im Dezember 1537 ebenfalls in den Kerker geworfen wurde.

Am 4. April 1538 starb die noch junge Großfürstin Helena, vermutlich durch Gift. Der achte Iwan wurde zur Vollwaise. Was folgte, war eine Periode brutaler Machtspiele zwischen den führenden Bojarenfamilien. Vor allem die Schuiski und die Belski rangen um die Kontrolle des Hofes und die Vormundschaft über den minderjährigen Iwan. Dieser wurde lieblos behandelt, von der Außenwelt im Terem-Palast des Kremls abgeschottet, und sein Leben befand sich in ständiger Gefahr. Ein letzter Vertrauter, Fürst Obolenski, verschwand ebenfalls im Kerker. Im Juli 1540 gelang es Fürst Iwan Belski, sich im Bojarenrat durchzusetzen und dem Reich für zwei Jahre Stabilität zu geben, doch bereits am 2. Januar 1542 erlangten die Schuiskis durch eine Palastrevolte erneut die Oberhand.

Diese traumatische Kindheitserfahrung, ständige Angst, Lieblosigkeit und das Erleben von Willkür und Grausamkeit, prägte Iwans misstrauischen, rachsüchtigen und grausamen Charakter auf unauslöschliche Weise. Im Jahr 1547 ließ er sich als erster russischer Herrscher offiziell zum Zaren krönen und übernahm damit einen Titel, der eine bewusste Anknüpfung an das Erbe des oströmischen Kaiserreichs und der Herrschaft über die gesamte Rus darstellte.

In den ersten Jahren seiner Herrschaft bewies Iwan bemerkenswerte Reformkraft. Er stärkte die Zentralgewalt durch tiefgreifende Reformen der Verwaltung, des Rechtswesens und des Heeres, wobei er den niederen Dienstadel auf Kosten der einflussreichen Bojaren förderte. Ein neues Gesetzbuch, der Sudebnik von 1550, schuf ein gerechteres Rechtssystem. Unter seiner Herrschaft expandierte das Zarentum Russland erheblich: Die tatarischen Khanate Kasan, Astrachan und Sibir wurden zerschlagen, womit Russland weit nach Osten und Süden vordrang und den Grundstein für seine spätere eurasische Ausdehnung legte.

Der Livländische Krieg, den Iwan ab 1558 gegen Livland, Polen-Litauen, Schweden und Dänemark führte, stellte ihn vor weit härtere Gegner und endete letztlich erfolglos. Parallel dazu wandelte sich Iwan zunehmend zum Tyrannen. Die Opritschnina, eine persönliche Leibgarde und politische Terrorinstitution, die er 1565 einführte, entfesselte eine Herrschaft des Schreckens gegen vermeintliche Verräter und Feinde unter den Bojaren. Tausende wurden hingerichtet, ganze Städte verheert. Im Jahr 1581 tötete Iwan im Jähzorn seinen eigenen Sohn und Thronfolger Iwan Iwanowitsch, ein Akt, der ihn tief erschütterte und eine Erbfolgekrise auslöste.

Iwan IV. starb am 18. März 1584 in Moskau. Er hinterließ ein Russland, das einerseits erheblich vergrößert und zentralisiert war, andererseits durch den langen Krieg und den internen Terror geschwächt und traumatisiert. Seine Herrschaft gilt als Schlüsselereignis in der russischen Geschichte, als Wendepunkt zwischen dem mittelalterlichen Fürstentum und dem aufstrebenden Zarenreich, zwischen reformerischer Erneuerung und brutaler Willkürherrschaft. Der Beiname der Schreckliche, so ungenau er etymologisch auch sein mag, hat etwas treffend Bleibendes.

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