imperios

Abd ar-Rahman III.

Emir und Kalif von Córdoba (912–961)

5 min01/01/2024
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In der bewegten Geschichte der islamischen Welt auf der Iberischen Halbinsel ragt kein Name so klar hervor wie jener von Abd ar-Rahman III., dem Herrscher, der aus einem zerstrittenen Emirat ein glanzvoll regierendes Kalifat formte. Geboren im Jahr 889 und gestorben am 15. Oktober 961 in Córdoba, verkörperte er eine der faszinierendsten Herrscherpersönlichkeiten des frühmittelalterlichen Europa. Sein Leben war eine Geschichte von Durchsetzungswillen, militärischer Konsequenz und politischer Weitblick.

Abd ar-Rahman III. war ein Großneffe des Emirs al-Mundhir und trat im Jahr 912 die Nachfolge seines Großvaters Abdallah an — des Mannes, der zuvor Abd ar-Rahmans eigenen Vater hatte hinrichten lassen. Diese familiäre Tragödie warf kein hinderndes Schattenspiel auf seinen Herrschaftsantritt; stattdessen übernahm der junge Emir das Emirat von Córdoba mit einer Entschlossenheit, die ihn rasch als außergewöhnlichen Staatsmann auszeichnen sollte.

Das Reich, das er erbte, befand sich in einem Zustand innerer Zerrüttung. Überall schwelten Aufstände, lokale Machthaber verweigerten die Gefolgschaft, und arabisch-berberische Fraktionen behaupteten sich in selbstverwalteten Enklaven. Abd ar-Rahman begann methodisch mit der Wiederherstellung der umayyadischen Kontrolle. Bereits 913 unterwarf er Sevilla und demonstrierte damit früh seinen militärischen Willen. Besonders heikel war die Lage mit dem Aufständischen Umar ibn Hafsun, einem bekehrten Christen, der jahrzehntelang von der Bergfestung Bobastro aus den Emiren getrotzt hatte. Im Jahr 915 unterwarf sich Umar ibn Hafsun gegen Zusicherung von Straffreiheit der Herrschaft Abd ar-Rahmans und blieb bis zu seinem Tod 918 loyal. Intern stärkte dies die Position des Emirs erheblich, da die darauffolgenden Machtkämpfe innerhalb des Hafsun-Clans dessen militärisches Gewicht weiter schwächten.

Parallel zur Konsolidierung im Innern baute Abd ar-Rahman seine außenpolitische Handlungsfähigkeit aus. Schon 914 ließ er die Flotte aufrüsten, und 917 reagierte er erstmals auf Hilfsgesuche berberischer Fürsten im Maghreb, die gegen den Vormarsch der Fatimiden Unterstützung suchten. Der Ausbruch eines Bürgerkriegs im christlichen Königreich León im Jahr 925 schwächte indessen die muslimischen Aufständischen in den Grenzmarken, die von León unterstützt worden waren, und erleichterte Abd ar-Rahmans weiteres Vorgehen. Im Jahr 928 mussten die letzten Hafsuniden in Bobastro kapitulieren; Abd ar-Rahman ließ die Festung schleifen. Im selben Jahr unterwarf er die Marwaniden von Mérida, und mit der Einnahme von Toledo war die innere Befriedung des Reiches im Wesentlichen abgeschlossen.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht vollzog Abd ar-Rahman III. am 16. Januar 929 einen Schritt, der die Geschichte der islamischen Welt nachhaltig prägen sollte: Er nahm den Titel eines Kalifen an und begründete damit das Kalifat von Córdoba. Dieser Entschluss war nicht allein dem Ehrgeiz geschuldet, sondern hatte konkrete politische Motive. Die schiitischen Fatimiden im nordafrikanischen Maghreb beanspruchten ebenfalls das Kalifat für sich, und der sunnitische Abbasidenkalif in Bagdad war zu einer Schachfigur ohne Macht verkommen. In einem deutlichen öffentlichen Statement ließ Abd ar-Rahman erklären, jeder andere, der den Titel "Befehlshaber der Gläubigen" für sich beanspruche, sei ein Betrüger — eine direkte Kampfansage an den fatimidischen Kalifen al-Mahdi sowie den abbasidischen Kalifen al-Muqtadir.

Die Ausrufung des Kalifats hatte unmittelbare wirtschaftliche Konsequenzen. In der 928 in Córdoba errichteten Münzstätte durfte nun neben Silbermünzen auch Gold geprägt werden — ein Privileg des Kalifs. Die daraufhin eingeführten Goldmünzen (Dinar) verbesserten die wirtschaftliche Grundlage des Reiches entscheidend und stärkten das internationale Ansehen von Córdoba.

In den folgenden Jahren richtete Abd ar-Rahman seine Energie auf die Kontrolle der Grenzmarken und die Expansion in Nordafrika. In den Jahren 928 bis 930 wurde die "untere Mark" unter die direkte Kontrolle Córdobas gebracht. Nach der Unterwerfung von Mérida, Santarém, Beja und Badajoz musste anschließend die strategisch wichtige "mittlere Mark" zurückerobert werden. An der nordafrikanischen Front besetzte er 931 die Küstenstädte Ceuta und Tanger; Melilla war bereits 927 eingenommen worden. Durch Bündnisse mit Berberstämmen wie den Banu Ifran oder den Magrawa und den Salihiden gelang es ihm, eine weitere fatimidische Expansion in Marokko einzudämmen.

Gegen die christlichen Reiche im Norden der Halbinsel konnte Abd ar-Rahman III. in den meisten Kämpfen erfolgreich bestehen. León und Navarra wurden 920 besiegt. Im August 939 jedoch erlitt der Kalif in der Schlacht von Simancas eine empfindliche Niederlage gegen das Königreich León. Er selbst wurde verwundet und entkam nur knapp der Gefangenschaft. Es war der letzte Feldzug, den er persönlich anführte. Fortan überließ er den Grenzfürsten die militärische Verantwortung für die Sicherung der Marken. Dennoch konnte das Umayyadenkalifat 951 seine Oberherrschaft über León, Kastilien und Barcelona durchsetzen, was zu erheblichen Tributzahlungen der christlichen Herrscher führte.

Die internationale Bedeutung des Kalifats von Córdoba manifestierte sich auch in der Diplomatie. Byzanz schloss 946 ein Bündnis mit den Umayyaden gegen die gemeinsamen fatimidischen Feinde. Auch Otto der Große sandte eine Gesandtschaft nach Córdoba — ein untrügliches Zeichen dafür, dass Abd ar-Rahman III. als einer der mächtigsten Herrscher seiner Zeit wahrgenommen wurde.

Bis zu seinem Tod am 15. Oktober 961 hatte Abd ar-Rahman III. al-Andalus zu einem Zentrum der Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft gemacht. Córdoba war zu einer der größten und glanzvollsten Städte Europas geworden. Sein Wirken legte das Fundament für das goldene Zeitalter der islamischen Kultur auf der Iberischen Halbinsel, das noch Generationen nach ihm ausstrahlen sollte.

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