imperios

Franz II. (Sizilien)

König beider Sizilien

4 min01/01/2024
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Francesco II., geboren am 16. Januar 1836 in Neapel, war das letzte Mitglied des Hauses Bourbon-Sizilien, das den Thron beider Sizilien innehatte. Als Sohn von König Ferdinand II. und dessen erster Gemahlin Maria Christina von Savoyen trug er seit Kindheitstagen den Spitznamen Bombino, also der kleine Bomber. Der Spitzname war eine Anspielung auf den Volksmund-Namen seines Vaters, der als Re Bomba, der Bombenkönig, bekannt war, nachdem er 1849 zur Unterdrückung eines Aufstandes das Bombardement der Stadt Messina angeordnet hatte. Damit war der Sohn von Geburt an mit dem Erbe der väterlichen Brutalität verbunden, ohne selbst diesen Charakter zu besitzen.

Am 3. Februar 1859 heiratete Francesco in Bari Herzogin Marie in Bayern, geboren 1841 und gestorben 1925, eine Tochter von Max Joseph in Bayern und seiner Gemahlin Ludovika. Die Braut war die jüngere Schwester der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich und die ältere Schwester von Mathilde in Bayern, die 1861 die Ehefrau von Francescos Halbbruder Ludwig werden sollte. Die dynastischen Verflechtungen waren eng, aber das persönliche Eheglück ließ zunächst auf sich warten.

Francesco litt unter einer angeborenen Phimose, die er vor der Hochzeit nicht hatte operativ korrigieren lassen, weshalb die Ehe anfänglich nicht vollzogen werden konnte. Zeitgenossen beschrieben ihn mit den Worten: Der junge König war guten Willens, aber unerfahren. Diese Unerfahrenheit und Unentschlossenheit zeigte sich auch in der Politik. Zwischen seinen Ratgebern hin- und herschwankend, ging er die dringend nötigen Reformen zur Überwindung der Armut seiner Untertanen nicht an.

Ab Mai 1860 unternahm der Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi seinen berühmten Zug der Tausend und landete auf Sizilien, um die Insel von der Herrschaft der Bourbonen zu befreien. Garibaldi war eine mythische Figur des Risorgimento, der italienischen Einigungsbewegung, und seine Expedition entwickelte eine unwiderstehliche Eigendynamik. In der Folge wurde Francesco im Jahr 1861 im Zuge der italienischen Einigung als König beider Sizilien abgesetzt.

Francesco und Marie suchten zunächst Zuflucht auf der Festung Gaeta. Der fromme König nahm dabei bezeichnenderweise nur 66 Reliquiare und die Asche der Heiligen Iasonia mit, da er anfangs glaubte, die Lage würde sich innerhalb weniger Tage wieder beruhigen. Doch nur wenige Königstreue verteidigten die Festung. Am 13. Februar 1861 unterzeichnete der junge König die Kapitulation.

Im Exil in Rom verfiel Francesco zunehmend dem Mystizismus und kümmerte sich wenig um die Aktivitäten seiner Frau Marie. Diese hatte heimlich ein außereheliches Kind zur Welt gebracht und beschloss, ihrem Gatten alles zu gestehen. Francesco reagierte überraschend: Er verzieh ihr nicht nur, sondern ließ sich auch endlich operieren, sodass die Ehe vollzogen werden konnte. Das neue gemeinsame Leben wurde im Dezember 1869 durch die Geburt der Tochter Maria Christina besiegelt, die jedoch bereits nach wenigen Monaten verstarb.

Zeitweise wohnte Francesco am Starnberger See im Schloss Garatshausen, das seine Frau Marie 1870 von ihrem Bruder Herzog Ludwig erworben hatte. Die Winter verbrachte er in Arco in Tirol, unweit des Gardasees. Dort starb Francesco II. am 27. Dezember 1894 im Alter von 58 Jahren und wurde zunächst dort beigesetzt. Königin Marie überlebte ihren Mann um dreißig Jahre. Nach ihrem Tod 1925 wurden sowohl ihre sterblichen Überreste aus München als auch die Francescos aus Arco nach Rom überführt und in der Chiesa dello Spirito Santo dei Napoletani in der Via Giulia beigesetzt, wo auch die kleine Tochter Maria Christina ruhte. 1984 erfolgte eine erneute Umbettung: Die Überreste wurden in die Grablege der sizilianischen Bourbonen in der Basilika Santa Chiara in Neapel überführt. Das Schicksal Francescos II. steht symbolisch für den Untergang eines alten Europas und den unaufhaltsamen Siegeszug des Nationalstaatsgedankens.

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