Henri-Eugène-Philippe-Emmanuel d'Orléans, duc d'Aumale, war eine der faszinierendsten und widersprüchlichsten Gestalten des Frankreich des 19. Jahrhunderts. Am 16. Januar 1822 im Palais Royal in Paris als fünfter Sohn des späteren Bürgerkönigs Louis-Philippe und der Maria Amalia von Neapel-Sizilien geboren, vereinte er in seiner Person die Eigenschaften eines tapferen Militärs, eines leidenschaftlichen Kunstsammlers und eines feinsinnigen Historikers, während sein Leben von politischen Stürmen und erzwungenem Exil geprägt wurde. Er starb am 7. Mai 1897 in Giardinello bei Palermo auf dem sizilianischen Landgut der Orléans.
Seine Ausbildung am Collège Henri IV bereitete ihn auf eine glänzende militärische Karriere vor. Mit 17 Jahren trat er in die Armee ein und wurde 1839 zum Capitaine ernannt. Im Jahr 1840 begleitete er seinen Bruder, den Herzog von Orléans, als Ordonnanzoffizier nach Algerien, einem damals für Frankreich äußerst turbulenten Territorium. Die nordafrikanischen Feldzüge verlangten alles von ihm, und er bewährte sich glänzend: Er wurde rasch zum Lieutenant colonel befördert. Eine Krankheit zwang ihn im Juli 1841 zur Rückkehr nach Frankreich, doch kaum genesen, bewies er seinen Mut unter anderen Umständen: Am 3. September jenes Jahres entging er beim Einzug an der Spitze seines Regiments nur knapp einem Attentat des Extremisten François Quenisset.
Im Jahr 1842 wurde dem Herzog das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen, und im Oktober desselben Jahres rückte er zum Général de division auf. Erneut nach Algerien entsandt, übernahm er das Kommando der Subdivision von Medea. Sein größter militärischer Triumph erfolgte am 16. Mai 1843, als er die berühmte Smala Abd el-Kaders – das wandernde Heerlager und Hauptquartier des algerischen Widerstandsführers mit Tausenden von Menschen und unermesslichen Schätzen – in einem kühnen Überraschungsangriff gefangen nahm. Diese Leistung machte ihn über Nacht berühmt. Als Belohnung wurde er zum Lieutenant-général und Oberbefehlshaber der Provinz Constantine ernannt und leitete 1844 die Expedition nach Biskra.
Am 27. September 1847 erreichte Aumale den Höhepunkt seiner nordafrikanischen Karriere, als er zum Generalgouverneur von Algerien ernannt wurde – als Nachfolger des legendären Marschalls Bugeaud. Bei Kolonisten und Armee gleichermaßen beliebt, galt er allgemein als der begabteste der Söhne Louis-Philippes und seit dem frühen Tod seines ältesten Bruders, des Herzogs von Orléans, auch als der am meisten geliebte.
Die Februarrevolution von 1848 beendete diese vielversprechende Karriere abrupt. Aumale übergab sein Amt dem General Cavaignac, verabschiedete sich mit einer Ansprache von der Armee und ging ins Exil nach England. Dort ließ er sich im Claremont House in Sussex, dem Exilsitz seiner Eltern, und im York House in Twickenham bei London nieder. Die Jahrzehnte des Exils waren keine Zeit der Untätigkeit: Er widmete sich intensiv historischen und literarischen Studien.
Als der Deutsch-Französische Krieg 1870 ausbrach, bot Aumale zunächst der kaiserlichen, dann der provisorischen Regierung seine militärischen Dienste an – beide lehnten ab. Dennoch kehrte er auf dem politischen Weg zurück: Am 8. Februar 1871 wurde er für das Département Oise in die Nationalversammlung gewählt. Obwohl er sich für die konstitutionelle Monarchie als beste Regierungsform aussprach, erklärte er sich bereit, sich auch einer Republik zu unterwerfen. Seine Wahl wurde für gültig erklärt, und im Dezember 1871 nahm er seinen Sitz in der Versammlung ein, wo er sich dem rechten Zentrum anschloss, ohne sich allerdings besonders aktiv einzubringen.
Im selben Jahr nahm ihn die Académie française als Nachfolger des Grafen Montalembert in ihre Reihen auf, eine Anerkennung seiner literarischen Verdienste. Im Jahr 1873 führte er im Kriegsgericht den Vorsitz über Marschall Bazaine und wurde anschließend zum Kommandeur des 7. Korps in Besançon ernannt. Der endgültige Sieg der radikalen Republik vereitelte jedoch seinen Plan, Präsident einer konservativen Republik zu werden. Im Februar 1879 zum Generalinspekteur der Armee ernannt, wurde er 1883 aus dieser Stellung entfernt. 1886 verabschiedete die Republik ein Gesetz, das alle Oberhäupter ehemals regierender Familien aus Frankreich auswies, und Aumale wurde erneut ins Exil gezwungen.
Sein bleibendster Beitrag war kultureller Natur. Bereits in seinem Testament vom 3. Juni 1884 hatte er sein Schloss Chantilly mit seiner gewaltigen Kunstsammlung dem Institut de France vermacht. Diese Geste überwältigender Großzügigkeit veranlasste die Regierung schließlich, das Exilierungsdekret aufzuheben, sodass er nach Frankreich zurückkehren und die letzten Jahre seines Lebens in seiner Heimat verbringen konnte. Die Sammlung in Chantilly, das Musée Condé, gilt bis heute als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Frankreichs.

