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Henry Wager Halleck

General der US-Armee

5 min01/01/2024
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Henry Wager Halleck gehört zu jenen Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte, die trotz herausragender intellektueller Leistungen im Schatten der großen Feldherren ihres Zeitalters stehen. Am 16. Januar 1815 in Westernville im Bundesstaat New York geboren, entstammte er einer Familie mit Verbindungen zu den Gründervätern der Nation, denn durch Heirat war er mit dem legendären Staatsgründer Alexander Hamilton verwandt.

Seine Ausbildung verlief auf einem anspruchsvollen Weg. Nach dem Besuch der Hudson Academy und des Union College absolvierte er 1839 die renommierte US-Militärakademie in West Point, wo er anschließend zwei Jahre als wissenschaftlicher Assistent für Pionierwesen verblieb. Diese frühe akademische Prägung sollte sein gesamtes weiteres Leben bestimmen.

Im Jahr 1844 reiste Halleck nach Europa, um das französische Militär aus nächster Nähe zu studieren. Die Eindrücke dieser Reise flossen unmittelbar in sein Hauptwerk ein: „Elements of Military Art and Science", eine umfassende taktische Abhandlung, die unter seinen Kameraden sogleich auf großes Wohlwollen stieß. Jahrzehnte später, als der Bürgerkrieg ausbrach, sollte dieses Buch zu den wichtigsten Lektüren für Offiziere beider Seiten gehören. Der Spitzname „Old Brains", den ihm seine Zeitgenossen gaben, war ursprünglich als Anerkennung seiner Gelehrsamkeit gemeint, auch wenn er später einen abwertenden Unterton annahm.

Während des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges diente Halleck in Kalifornien, einem Einsatz, der sein Leben nachhaltig verändern sollte. Nach seiner Beförderung und weiteren Verdiensten nahm er 1854 seinen Abschied als Berufsoffizier und startete in San Francisco eine glänzende zivile Karriere. Als Jurist und Verleger wurde er überaus erfolgreich, beteiligte sich maßgeblich an der Ausarbeitung der kalifornischen Verfassung und baute sich ein beeindruckendes Netzwerk geschäftlicher Interessen auf.

In Kalifornien entfaltete Halleck eine bemerkenswerte Vielseitigkeit. Er leitete die Almaden Quicksilver Company in San José, stand der Atlantic and Pacific Railroad als Präsident vor, betätigte sich als Bauunternehmer in Monterey und besaß das Rancho Nicasio im Marin County, ein Landgut von rund 120 Quadratkilometern. Trotz dieser Vielzahl unternehmerischer Aktivitäten blieb er der Militärwissenschaft verbunden und gewann das Vertrauen des hochgeachteten Generals Winfield Scott. Im Jahr 1860 bekleidete er bereits den Rang eines Generalmajors in der Miliz Kaliforniens.

Als der Sezessionskrieg ausbrach, kehrte Halleck in den aktiven Dienst zurück. Am 19. August 1861 ernannte ihn Präsident Abraham Lincoln zum Generalmajor des regulären Heeres. Er übernahm das Kommando über die Wehrbereiche Missouri und Mississippi und wurde damit zum Oberbefehlshaber aller Militäroperationen auf dem westlichen Kriegsschauplatz. In dieser Funktion konnte er eine Reihe bedeutender Erfolge verbuchen, darunter die Siege bei Fort Henry, Fort Donelson, Shiloh und Corinth, die den Nordstaaten wichtige strategische Vorteile verschafften.

Diese Erfolge im Westen verschafften Halleck den größten Karriereschritt seines Lebens. Präsident Lincoln war mit dem bisherigen Oberbefehlshaber George McClellan zunehmend unzufrieden, da dieser trotz überlegener Kräfte kaum offensive Entschlossenheit zeigte. Lincoln wandte sich daher an Halleck, befahl ihm, so schnell wie möglich in die Hauptstadt zu kommen, und ernannte ihn am 11. Juli 1862 zum Commanding General of the United States Army – zum Oberbefehlshaber des gesamten Unionsheeres.

Die Übergabe der Dienstgeschäfte verzögerte sich, sodass Halleck das Amt erst am 23. Juli 1862 offiziell antreten konnte. Seine Zeit als oberster militärischer Befehlshaber war von Ambivalenz geprägt. Einerseits koordinierte er erfolgreich die verschiedenen Armeen und Kriegsschauplätze, leitete die strategischen Weisungen Lincolns effizient weiter und sorgte für eine geordnete Verwaltung des rasch anwachsenden Unionsheeres. Andererseits zeigte er im direkten operativen Führen zu wenig Aggressivität, was Lincoln zu dem bekannten Urteil veranlasste, Halleck sei in Wirklichkeit „wenig mehr als ein sehr guter Sekretär".

Am 12. März 1864 veränderte sich die Führungsstruktur des Unionsheeres grundlegend. Ulysses S. Grant, der einst unter Halleck gedient hatte, wurde zum Generalleutnant befördert und übernahm den Oberbefehl. Halleck wechselte in die Rolle des Generalstabschefs, dessen Aufgabe vor allem in der Verwaltung der mittlerweile riesigen Unionsarmeen lag. In dieser Funktion arbeitete er solide und zuverlässig, ohne die Lorbeeren zu ernten, die anderen zuteil wurden.

Nach dem Ende des Krieges, der mit der Kapitulation General Robert E. Lees in Appomattox Court House im Jahr 1865 besiegelt wurde, übernahm Halleck zunächst einen Kommandeursposten am James River, danach leitete er den Wehrbereich Pazifik. Als er am 9. Januar 1872 in Louisville, Kentucky, im Alter von nur 56 Jahren starb, befehligte er die Militärdivision Süd. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Green-Wood Cemetery in Brooklyn, New York.

Sein Andenken lebt in San Francisco fort, wo ihm eine Straße und eine Statue im Golden Gate Park gewidmet sind. Halleck war zweifellos ein begabter Stratege, Organisator und Militärtheoretiker, dessen Bedeutung als Verwaltungsoffizier und intellektueller Impulsgeber für das amerikanische Militär des 19. Jahrhunderts oft unterschätzt wird.

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