Kaum ein Konflikt des frühen 19. Jahrhunderts hinterließ auf der Iberischen Halbinsel tiefere Spuren als der Krieg, den Napoleons Frankreich gegen Spanien, Portugal und deren britischen Verbündeten führte. Dieser Feldzug, der von 1807 bis 1814 andauerte, wird je nach nationaler Perspektive unterschiedlich benannt: Spanien spricht von der Guerra de la Independencia Española, Portugal vom Guerra Peninsular, und das Vereinigte Königreich bezeichnet ihn als Peninsular War. Er war weit mehr als ein regionaler Aufstand gegen französische Besatzung; er stellte einen zentralen Abschnitt der napoleonischen Kriege dar und sollte letztlich Napoleons Nimbus der Unbesiegbarkeit entscheidend beschädigen.
Die Wurzeln des Konflikts reichen bis in das Jahr 1800 zurück, als Napoleon Bonaparte Spanien mit dem Vertrag von San Ildefonso in sein Bündnissystem zwang. Dieses Bündnis reaktivierte den Konflikt Spaniens mit dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland. Spanien stand fortan unter erheblichem französischen Einfluss, und Manuel de Godoy avancierte zum faktisch mächtigsten Mann des Landes, während Pedro Ceballos Guerra formal das Amt des Ministerpräsidenten innehatte. Anfang 1801 wurde Godoy zum Generalissimus und Admiral von Spanien und „Indien", also Spanisch-Amerika, ernannt und verkörperte damit die enge Verflechtung mit Frankreich.
Eine kurze Atempause brachte der Friede von Amiens im März 1802, der zwischen Großbritannien und Frankreich ausgehandelt worden war und Spanien dringend benötigte Erholung verschaffte. Doch dieser Waffenstillstand erwies sich als trügerisch. Im Dezember 1804 erklärte Godoy dem Vereinigten Königreich erneut den Krieg, was zur verheerenden Seeschlacht von Trafalgar am 21. Oktober 1805 führte. Die vereinigte französisch-spanische Flotte erlitt dort eine vernichtende Niederlage gegen die britische Marine unter Admiral Nelson. Godoys Gegner machten ihn persönlich für die schweren Verluste an Menschen und Material verantwortlich und forderten ein Ende des Bündnisses mit Frankreich. Daraufhin rief Godoy im Oktober 1806 sogar offen zum Krieg gegen Frankreich auf, musste diese Politik aber bereits Anfang 1807 aufgeben und spanische Truppen für Napoleons Feldzüge bereitstellen. Insgesamt 15.000 spanische Soldaten kämpften fortan in der napoleonischen Armee in Norddeutschland und Ostpreußen gegen Preußen und Russland im Vierten Koalitionskrieg.
Parallel dazu war Napoleon bestrebt, seine Kontinentalsperre vom 21. November 1806 vollständig durchzusetzen. Diese Wirtschaftsblockade sollte Großbritannien in die Knie zwingen, indem der gesamte europäische Handel mit den britischen Inseln unterbunden wurde. Portugal weigerte sich beharrlich, die Sperre einzuhalten, sodass Napoleon entschlossen war, das Land gewaltsam zur Kooperation zu zwingen. Am 27. Oktober 1807 schlossen Frankreich und Spanien den geheimen Vertrag von Fontainebleau, der die Eroberung und anschließende Aufteilung Portugals vorsah. Als Gegenleistung gewährte Spanien den französischen Truppen freien Durchmarsch durch sein Territorium.
General Jean Andoche Junot erhielt den Befehl, Portugal zu besetzen. In einem bemerkenswert rabiaten Eilmarsch trieb er seine Truppen von Salamanca in Richtung Lissabon. Bereits am 17. Oktober 1807 hatte Napoleon an Junot die Order gegeben, er habe bis zum 1. Dezember in Lissabon zu sein, als Freund oder als Feind. Innerhalb von nur elf Tagen legten die Franzosen in Gewaltmärschen die Strecke von Salamanca bis Abrantes zurück, kurz vor Lissabon. Am 30. November rückte Junot mit lediglich 1.500 Soldaten kampflos in die portugiesische Hauptstadt ein. Am Tag zuvor war die königliche Familie mit Königin Maria I. und Prinzregent João VI. sowie dem gesamten Hofstaat auf dem Seeweg nach Brasilien abgereist und hatte damit die Monarchie vorläufig in die südamerikanische Kolonie verlagert.
Die Besetzung Portugals war nur der Auftakt zu einer noch weiter reichenden Machtausdehnung. Zu Beginn des Jahres 1808 begannen französische Truppen, sukzessive strategisch wichtige Punkte in Spanien zu besetzen. Der spanische König Karl IV. erwog daraufhin, seinen Thron in ein sichereres Land zu verlegen, etwa nach Mexiko. Als diese Pläne in der Bevölkerung bekannt wurden, brach in Aranjuez ein Aufstand aus, der sich vor allem gegen Godoys Person und Regierung richtete. Karl IV. erfuhr zudem, dass sein Sohn Ferdinand Napoleon um Hilfe gegen Godoy gebeten hatte, und die königliche Familie floh nach Aranjuez. Am 17. März 1808 spitzte sich die Lage dramatisch zu.
Napoleon nutzte die innerspan ischen Machtkämpfe meisterhaft aus. Er lud die Mitglieder der Bourbonen-Familie nach Bayonne ein und ließ Karl IV. und Ferdinand VII. dort ihre Thronansprüche zugunsten seines Bruders Joseph Bonaparte aufgeben. Dieser wurde als José I. König von Spanien, was das spanische Volk als Verrat und Fremdherrschaft empfand. Am 2. Mai 1808 erhob sich Madrid gegen die französische Besatzung, ein Aufstand, der mit äußerster Brutalität niedergeschlagen wurde, aber den Funken entzündete, der sich rasch über die gesamte Halbinsel verbreitete.
Was folgte, war kein konventioneller Krieg mehr, sondern ein erbitterter Volkskrieg, der dem spanischen Wort „Guerrilla", dem kleinen Krieg, seinen heutigen weltweiten Begriff gab. Spanische Freischärler und reguläre Verbände, portugiesische Truppen und ein britisches Expeditionskorps unter dem späteren Herzog von Wellington bildeten eine höchst ungleiche, aber beharrliche Koalition. Wellington nutzte die zerklüftete Geografie der Halbinsel geschickt aus und zermürbte die französischen Heere durch strategischen Rückzug, befestigte Linien wie die Torres Vedras bei Lissabon und gezielte Gegenangriffe.
Der Krieg kostete alle Beteiligten enorme Opfer. Schätzungen zufolge kamen auf der Iberischen Halbinsel zwischen 1807 und 1814 mehrere Hunderttausend Menschen ums Leben, darunter Soldaten und Zivilisten. Die Grausamkeiten auf beiden Seiten wurden durch Francisco de Goyas Gemäldezyklus „Die Schrecken des Krieges" für die Nachwelt festgehalten. Der Krieg band erhebliche französische Kräfte, die Napoleon an anderen Fronten, insbesondere beim katastrophalen Russlandfeldzug 1812, dringend gebraucht hätte.
Mit dem Zusammenbruch des napoleonischen Kaiserreichs nach 1812 wurde auch die Lage auf der Halbinsel für die Franzosen unhaltbar. Joseph Bonaparte verließ Madrid endgültig, und Wellington drang tief nach Frankreich vor. Im Jahr 1814 endete der Krieg mit dem vollständigen Abzug der französischen Truppen und der Rückkehr Ferdinands VII. auf den spanischen Thron. Das Erbe dieses Krieges war jedoch zwiespältig: In Spanien hatten sich während der Besatzung liberale Ideen und die Verfassung von Cádiz von 1812 entwickelt, die ein neues Zeitalter politischer Auseinandersetzungen einläuteten, und in den spanischen Kolonien Amerikas hatte das Machtvakuum der napoleonischen Jahre die Unabhängigkeitsbewegungen entscheidend beflügelt.

