Die Halbinsel zwischen den Pyrenäen und dem Mittelmeer war im 17. Jahrhundert ein Schauplatz, an dem alte Privilegien und neue imperiale Ansprüche aufeinanderstießen. Der Aufstand der Schnitter, auf Katalanisch Guerra dels Segadors, erfasste einen Großteil Kataloniens in den Jahren zwischen 1640 und 1659 und wurde zu einem der traumatischsten Ereignisse in der Geschichte dieser Region. Sein Nachhall prägt das katalanische Selbstverständnis bis in die Gegenwart, und die aus diesen Ereignissen hervorgegangene Hymne Els Segadors ist noch heute die Nationalhymne Kataloniens.
Die Vorgeschichte reicht in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück, als die spanische Krone unter König Philipp IV. und seinem allmächtigen Günstling, dem Grafen-Herzog von Olivares, eine tiefgreifende Umgestaltung des Habsburgerreiches anstrebte. Das Kernstück dieses Plans war die sogenannte Waffenunion, die Unión de Armas, ein Projekt, das alle Teile der spanischen Monarchie zur gleichmäßigen Beteiligung an militärischen Lasten und Kosten verpflichten sollte. Für Katalonien bedeutete dies, eigene Truppen für das spanische Heer zu stellen, was die katalanischen Cortes, also die Ständeversammlung des Fürstentums, kategorisch ablehnten. Die Auseinandersetzungen um diese Forderung belasteten das Verhältnis zwischen der katalanischen Selbstverwaltung und der Madrider Regierung seit über einem Jahrzehnt.
Als 1635 der Krieg zwischen Frankreich und Spanien ausbrach, ein Konflikt, der bis 1659 andauern sollte, verlegte die Krone umfangreiche Truppenkontingente nach Katalonien, um die Pyrenäengrenze zu sichern. Diese Soldaten wurden nach dem damals üblichen System der Einquartierung in den Häusern der Zivilbevölkerung untergebracht, was die Spannungen auf einen Siedepunkt brachte. Berichte über Übergriffe, Plünderungen und Misshandlungen durch die Soldaten häuften sich, und die Stimmung der katalanischen Landbevölkerung wandte sich zunehmend gegen die Herrschaft des Königs.
Das Fass zum Überlaufen brachte der gewaltsame Tod eines Schnitters im Frühjahr 1640. Am Fronleichnamstag desselben Jahres, einem Datum, das in der katalanischen Erinnerung als Blut-Fronleichnam, auf Katalanisch Corpus de Sang, fortlebt, brach in Barcelona ein offener Aufstand aus. Zornige Massen aus der Stadt und vom Land griffen den königlichen Vizekönig, den Grafen von Santa Colomna, an und töteten ihn. Dieser Vorfall markierte den Beginn eines bewaffneten Konflikts, der weit über einen lokalen Tumult hinausweisen sollte.
Die soziale Empörung fand in Pau Claris einen brillanten politischen Kopf, der die Energie des Aufruhrs auf ein klares staatliches Ziel zu lenken wusste. Als Präsident der Diputació del General de Catalunya, der katalanischen Generalität, rief Claris im Januar 1641 eine Katalanische Republik aus, die allerdings nur wenige Tage Bestand hatte. Er erkannte, dass Katalonien allein gegen die Macht Madrids keine dauerhafte Verteidigung aufrechterhalten konnte, und wandte sich an Frankreich. In der Schlacht von Montjuïc am 26. Januar 1641 errangen die Katalanen und ihre französischen Verbündeten einen wichtigen Sieg gegen die Truppen Philipps IV., der die kastilischen Streitkräfte vorübergehend zum Rückzug zwang.
Kurze Zeit nach diesem Triumph starb Pau Claris unter nicht restlos geklärten Umständen. Die Diputació wählte daraufhin Ludwig XIII. von Frankreich zum Grafen von Barcelona und damit zum Herrscher Kataloniens, womit das Fürstentum die Anbindung an die französische Krone vollzog. Der Krieg entwickelte sich fortan zu einem langen, zermürbenden Ringen zwischen Spanien und Frankreich auf katalanischem Boden, in dem die Bevölkerung unter den Leiden beider Besatzungsmächte zu leiden hatte.
Der Konflikt überdauerte das Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1648 und zog sich bis in die späten 1650er Jahre hin. Gleichzeitig bestanden zeitweilig zwei rivalisierende Herrschaftsstrukturen: eine unter spanischer Kontrolle in Barcelona und eine unter französischer Kontrolle in Perpignan. Im Jahr 1652 gab die französische Regierung ihren Anspruch auf ganz Katalonien auf und behielt lediglich das Roussillon nördlich der Pyrenäen. Damit war der Weg zum Frieden geebnet.
Der Pyrenäenfriede von 1659 besiegelte die Teilung Kataloniens zwischen Frankreich und Spanien. Frankreich erhielt das Roussillon sowie die nördliche Hälfte der Cerdanya, Gebiete, die kulturell und sprachlich katalanisch geprägt waren und bis heute zu Frankreich gehören. Diese Grenzziehung, die quer durch eine alte historische Region verlief, wurde im katalanischen Gedächtnis als schwerer Verlust bewahrt.
Das Erbe des Aufstands der Schnitter ist widersprüchlich und vielschichtig. Einerseits scheiterte das Ziel einer dauerhaften katalanischen Unabhängigkeit oder einer verlässlichen Verbindung mit Frankreich. Andererseits schrieb sich der Widerstand gegen die Zentralgewalt als konstitutives Element in das katalanische Selbstverständnis ein. Die Nationalhymne Els Segadors, eine historische Romanze, die in den Ereignissen von 1640 wurzelt, verkörpert dieses Erbe in bewegenden Versen. Kaum ein anderer historischer Konflikt des frühneuzeitlichen Spaniens hat so dauerhaft die politische Kultur einer Region geprägt wie der Krieg der Schnitter.

