guerras

Koreakrieg

Militärische Auseinandersetzung in Ostasien von 1950 bis 1953

6 min01/01/2024
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Der Koreakrieg gehört zu den folgenreichsten und gleichzeitig am häufigsten übersehenen militärischen Konflikten des 20. Jahrhunderts. In Südkorea wird er schlicht nach seinem Ausbruchsdatum bezeichnet: 6·25, also der 25. Juni – eine Namensgebung ähnlich jener des Anschlags vom 11. September 2001 in New York City. Offiziell beendet wurde er nie durch einen Friedensvertrag; technisch gesehen befinden sich Nord- und Südkorea bis heute im Kriegszustand.

Um den Konflikt zu verstehen, muss man seine Vorgeschichte kennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Koreanische Halbinsel entlang des 38. Breitengrads geteilt: Der Norden stand unter sowjetischem Einfluss und wurde zu einer kommunistischen Volksrepublik, der Süden unter amerikanischer Schutzherrschaft zu einer Republik westlicher Prägung. Beide Staaten erhoben Anspruch auf die gesamte Halbinsel und strebten nach Wiedervereinigung unter ihrer eigenen Führung. Die Grenze war von Beginn an umstritten, und es kam regelmäßig zu kleineren Scharmützeln.

Am 25. Juni 1950, kurz nach vier Uhr morgens, überschritt die nordkoreanische Volksarmee ohne Kriegserklärung den 38. Breitengrad. Der Überraschungsangriff war erdrückend: Die nordkoreanischen Truppen waren der südkoreanischen Armee militärisch weit überlegen. Binnen drei Tagen hatten sie Seoul eingenommen – am 28. Juni 1950. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen reagierte mit den Resolutionen 82 und 83; Resolution 83 vom 27. Juni empfahl den UN-Mitgliedsstaaten, Südkorea die notwendige militärische Hilfe zu leisten. Die Sowjetunion, die damals den Sicherheitsrat aus Protest boykottierte, konnte kein Veto einlegen.

Eine Koalition aus 16 Ländern, angeführt von den USA unter General Douglas MacArthur, stellte Truppen zur Verfügung. Dennoch waren die ersten Wochen katastrophal für die Verteidiger. Die nordkoreanische Armee überrannte die Mitte und den Südwesten der Halbinsel und trieb die UN-Truppen bis an den Nakdong-Fluss im Süden zurück. Nur ein kleiner Brückenkopf rund um die Hafenstadt Busan konnte gehalten werden.

Die Wende kam am 15. September 1950 mit einer kühnen amphibischen Landungsoperation bei Incheon, direkt in der Nähe Seouls. Diese Flankenattacke, die von MacArthur selbst geplant worden war, durchschnitt die Versorgungslinien der nordkoreanischen Truppen und wandte das Blatt innerhalb kürzester Zeit. Die UN-Koalition drängte die nordkoreanischen Kräfte rasch zurück, nahm am 10. Oktober 1950 Pjöngjang ein und stieß bis zum Amnok-Fluss vor, der die Grenze zur Volksrepublik China bildet.

Genau dieser Vormarsch bis an die chinesische Grenze löste die nächste dramatische Eskalation aus. Mitte November 1950 griff die chinesische Volksfreiwilligenarmee in großer Zahl auf der Seite Nordkoreas in den Krieg ein. Die UN-Truppen wurden erneut zurückgeworfen, und am 4. Januar 1951 wechselte Seoul zum dritten Mal die Hände – diesmal in die Hände der chinesisch-nordkoreanischen Kräfte. Erst am 15. März 1951 konnte Seoul von den südkoreanischen und UN-Truppen zurückerobert werden.

Ab diesem Zeitpunkt erstarrte die Front etwa entlang des 38. Breitengrads zu einem verlustreichen Stellungskrieg. Beide Seiten gruben sich ein, und der Krieg ähnelte in seiner statischen Brutalität zeitweise dem Ersten Weltkrieg. Erste Waffenstillstandsverhandlungen begannen am 23. Juni 1951, zogen sich jedoch über zwei weitere Jahre hin. Hauptstreitpunkte waren die Frage der Kriegsgefangenen und der Verlauf der Demarkationslinie.

Am 27. Juli 1953 um 22 Uhr wurde das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, das den Krieg faktisch beendete und den Status quo weitgehend wiederherstellte. Die Bilanz war verheerend: Bis dahin waren rund 940.000 Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten getötet worden. Nahezu die gesamte Industrie der Halbinsel lag in Trümmern. Millionen Menschen waren aus ihrer Heimat vertrieben worden, und die Teilung Koreas hatte sich noch tiefer in das kollektive Bewusstsein beider Länder eingegraben.

Der Koreakrieg gilt als einer der charakteristischsten Stellvertreterkriege des Kalten Krieges, neben dem Vietnamkrieg von 1955 bis 1975 und dem Krieg in Afghanistan von 1979 bis 1989. Insbesondere in Deutschland löste der Konflikt unmittelbare Befürchtungen aus, er könne sich zu einem Dritten Weltkrieg ausweiten. Die chinesischen Truppen blieben bis 1958 in Nordkorea stationiert, amerikanische Truppen sind bis heute in Südkorea präsent.

Das tragische Erbe des Koreakrieges liegt vor allem in der nicht erfolgten Wiedervereinigung. Alle späteren Bemühungen um eine Annäherung oder Wiedervereinigung scheiterten; die militärische Auseinandersetzung hatte die Teilung der Halbinsel nicht gelöst, sondern verfestigt. Bis heute wurde kein förmlicher Friedensvertrag abgeschlossen, und die Demilitarisierte Zone zwischen den beiden Koreas gilt als eine der am stärksten befestigten Grenzen der Welt.

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