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Koalitionskriege

Von 1792 bis 1815 dauernder Konflikt zwischen Frankreich und den europäischen Mächten

5 min01/01/2024
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Als die Kanonen der Französischen Revolution zu donnern begannen, erschütterten ihre Echos ganz Europa. Die Koalitionskriege, die von 1792 bis 1815 fast ohne Unterbrechung tobten, zerstörten die alte Ordnung des Kontinents und schufen eine neue, deren Umrisse noch Jahrzehnte zu erkennen sein sollten. Sie entstanden aus der Radikalität der Pariser Revolution und fanden erst mit der endgültigen Niederlage Napoleons Bonapartes ihr Ende.

Die Ursache der ersten Koalition liegt im Schrecken, den die Ereignisse in Frankreich bei den europäischen Monarchien auslösten. Die Pillnitzer Deklaration von 1791, in der Österreich und Preußen zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen das revolutionäre Frankreich aufriefen, markierte den Beginn der organisierten Gegnerschaft. Frankreich seinerseits erklärte am 20. April 1792 den Krieg, und damit begann eine Ära ununterbrochener europäischer Konflikte.

Der ersten Koalition schlossen sich nacheinander weitere Mächte an: Sardinien-Piemont, nach der Hinrichtung König Ludwigs XVI. auch Großbritannien, Spanien und das Königreich Neapel. Die Niederlande erhielten 1793 ebenfalls eine französische Kriegserklärung. Frankreich antwortete auf die gewaltige Bedrohung mit der Levée en masse, einem Massenaufgebot aller wehrfähigen Männer, und mit neuen taktischen Methoden, die aus dem revolutionären Umbruch des Heeres entstanden.

Die revolutionäre Kriegsführung erwies sich als äußerst wirksam. Frankreich verstand es, seine Gegner nach und nach aus dem Bündnis herauszulösen. Im Mai 1795 schloss sich die Batavische Republik, die aus dem besetzten Holland entstanden war, Frankreich an. Im Frühjahr 1795 schlossen Preußen und Spanien mit Frankreich den Frieden von Basel. 1796 zwang der junge General Napoleon Bonaparte Sardinien-Piemont im Italienfeldzug zum Frieden. Am 17. Oktober 1797 besiegelte der Frieden von Campo Formio das Ende des Ersten Koalitionskrieges. Österreich war militärisch geschlagen, das linke Rheinufer fiel an Frankreich. Nur Großbritannien blieb weiterhin im Kriegszustand mit der Republik.

Die zweite Koalition, bestehend aus Großbritannien, Österreich, Russland, dem Osmanischen Reich, Portugal, Neapel und dem Kirchenstaat, scheiterte ebenfalls. Napoleon, seit seiner Rückkehr aus Ägypten im Jahr 1799 Herr Frankreichs, festigte seine Macht und trieb Frankreichs Expansion weiter voran. Preußen unter Friedrich Wilhelm III. blieb in diesem Konflikt bewusst neutral, ein Zeichen für die gespaltene Haltung der deutschen Fürstentümer.

Nach dem Ende der Revolutionskriege folgten die Napoleonischen Kriege im engeren Sinne, in denen Bonaparte, nunmehr Kaiser der Franzosen, seine Herrschaft über weite Teile Europas ausdehnte. Der Russlandfeldzug von 1812 wurde zum Wendepunkt. Napoleon marschierte mit einer riesigen Armee in Russland ein, doch die Weite des Landes, die verbrannte Erde der sich zurückziehenden russischen Truppen und der verheerende russische Winter vernichteten seinen Großen Heer. Von Hunderttausenden kehrten nur wenige zurück.

Diese Katastrophe entfachte die Befreiungskriege der Jahre 1813 bis 1815. Preußen, Russland, Österreich und schließlich fast ganz Europa erhoben sich gegen napoleonische Herrschaft. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 erlitt Napoleon eine entscheidende Niederlage. Paris wurde besetzt, Napoleon abdankte und wurde auf die Insel Elba verbannt.

Doch im Februar 1815 kehrte Napoleon zurück nach Frankreich. Die Phase, die als Herrschaft der Hundert Tage in die Geschichte einging, fand mit der Niederlage bei Waterloo am 18. Juni 1815 ein abruptes Ende. Die siebte Koalition, angeführt von Großbritannien und Preußen, bezwang Napoleon endgültig. Er wurde als Kriegsgefangener auf die Atlantikinsel St. Helena gebracht, wo er 1821 starb.

Die Koalitionskriege hatten Europa von Grund auf verändert. Sie hatten das Zeitalter der Kabinettskriege beendet, in dem kleine Berufsheere die Konflikte unter Königen austrugen. An ihre Stelle traten Volkskriege, bei denen ganze Nationen mobilisiert wurden. Die Ideen der Revolution, Freiheit, Gleichheit und Nationalismus, hatten sich trotz des Scheiterns Napoleons tief in die europäischen Gesellschaften eingegraben.

Der Wiener Kongress von 1814 und 1815 versuchte, die alte Ordnung wiederherzustellen, doch die Kräfte, die die Koalitionskriege entfesselt hatten, ließen sich nicht mehr einsperren. Nationalismus und liberale Bewegungen sollten das 19. Jahrhundert prägen und die politische Landkarte Europas noch mehrfach umgestalten. Die Koalitionskriege gelten als eine der formenden Epochen der modernen europäischen Geschichte.

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