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Kreuzzug

Von der Kirche geforderte Kriege gegen Muslime vom 11. bis zum 13. Jahrhundert, um Macht über das Heilige Land zu erlangen

6 min01/01/2024
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Kein Ereignis des Mittelalters hat die Beziehungen zwischen christlicher und islamischer Welt nachhaltiger geprägt als die Kreuzzüge. Zwischen dem Ende des 11. Jahrhunderts und dem späten 13. Jahrhundert unternahm die lateinische Christenheit eine Reihe von Kriegszügen in den Nahen Osten, die offiziell vom Papst gebilligt und religiös legitimiert wurden. Sie entspringen einem komplexen Geflecht aus Frömmigkeit, Machtinteressen und wirtschaftlichem Kalkül.

Der Boden für die Kreuzzüge wurde durch die islamische Expansion vorbereitet, die seit dem 7. Jahrhundert rasant vorangeschritten war. Arabisch-muslimische Eroberer hatten weite christliche Gebiete im Nahen Osten, in Nordafrika und auf der Iberischen Halbinsel unter ihre Kontrolle gebracht. Jerusalem war seit 638 in muslimischer Hand. Zwar hatten die meisten christlichen Pilger weiterhin Zugang zu den Heiligen Stätten, doch Übergriffe auf Pilger, wie sie der Chronist al-Azimi aus Aleppo beschreibt, hatten die Situation verschlechtert. Im Jahr 846 hatten die Aghlabiden sogar Rom geplündert und die Basilika St. Peter verwüstet.

Ein unmittelbarer Anstoß für den Ersten Kreuzzug kam vom byzantinischen Kaiser Alexios I. Komnenos, der den Westen um militärische Hilfe gegen die vordringenden Seldschuken bat. Am 27. November 1095 rief Papst Urban II. auf der Synode von Clermont die Christen auf, die Muslime aus dem Heiligen Land zu vertreiben und die heiligen Stätten für die Christenheit zurückzugewinnen. Der Aufruf löste eine Welle der Begeisterung aus, die quer durch alle Schichten der mittelalterlichen Gesellschaft ging.

Im Sommer 1096 brachen verschiedene Heere auf. Das Volkskreuzzug-Heer unter Peter von Amiens, schlecht organisiert und undiszipliniert, wurde in Kleinasien nahezu vernichtet. Das eigentliche Kreuzfahrerheer der Fürsten zog hingegen geordneter. Nach jahrelangen Belagerungen, blutigen Kämpfen und unvorstellbaren Strapazen fiel Jerusalem am 15. Juli 1099 in die Hände der Kreuzfahrer. Die Einnahme ging mit einem Massaker an der muslimischen und jüdischen Bevölkerung einher, das noch Jahrhunderte lang in der kollektiven Erinnerung des Nahen Ostens fortwirken sollte.

In der Levante wurden insgesamt vier Kreuzfahrerstaaten gegründet: das Königreich Jerusalem, die Grafschaft Edessa, das Fürstentum Antiochia und die Grafschaft Tripolis. Diese kleinen christlichen Herrschaften waren von muslimischen Mächten umgeben und ständig bedroht. Um sie zu verteidigen, wurden weitere Kreuzzüge ausgerufen, die jedoch meist wenig erfolgreich waren.

Das Königreich Jerusalem erlitt im Jahr 1187 bei der Schlacht von Hattin eine vernichtende Niederlage gegen Sultan Saladin. Jerusalem ging verloren. Der Dritte Kreuzzug, an dem König Richard I. von England und Philipp II. von Frankreich teilnahmen, konnte die Stadt nicht zurückerobern, erzielte aber immerhin einen Zugang für christliche Pilger. Im weiteren Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts unternahm die Christenheit mehrere weitere Kreuzzüge, die zunehmend von politischen Interessen überlagert wurden.

Der Begriff Kreuzzug wurde im Laufe der Zeit auf weitere militärische Unternehmungen ausgedehnt. Päpste riefen zu Feldzügen gegen Ketzer wie die Albigenser und Hussiten auf, gegen nicht christianisierte Völker wie die Wenden, Finnen, Balten und Esten sowie vereinzelt sogar gegen christliche politische Gegner. Das Wort selbst leitet sich von dem Kreuzzeichen ab, das Teilnehmer an ihrer Kleidung befestigten, wenn sie den Kreuzfahrereid ablegten.

Im Jahr 1291 fiel Akkon, die letzte bedeutende Kreuzfahrerfestung in Outremer, an die Mamluken. Damit endete die Epoche der christlichen Herrschaft im Heiligen Land. Die zeitgenössischen Teilnehmer bezeichneten sich oft als peregrini, also als Pilger, und betonten damit das religiöse Motiv einer bewaffneten Pilgerfahrt. Die modernen Begriffe croisade im Französischen und Kreuzzug im Deutschen sind jüngeren Datums.

Das Erbe der Kreuzzüge ist vielschichtig und bis heute spürbar. Sie förderten den Austausch zwischen Orient und Okzident, beschleunigten den Warenaustausch und brachten Wissen und Güter aus dem Nahen Osten nach Europa. Gleichzeitig hinterließen sie tiefe Wunden in den Beziehungen zwischen Christentum und Islam. Städte, Handelswege und Ritterorden wie die Templer und Johanniter prägten das mittelalterliche Europa nachhaltig. Die Kreuzzüge bleiben eines der umstrittensten Kapitel der Weltgeschichte.

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