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Gallien

Historisches Gebiet

7 min01/01/2024
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Gallien — lateinisch Gallia — war für die Römer mehr als nur ein geographischer Begriff. Es bezeichnete einen weiten Raum jenseits der Alpen, der überwiegend von keltischen Volksgruppen bewohnt wurde, die die Römer Gallier nannten. Neben den Galliern erwähnte Caesar auch Belger und Aquitanier als Bewohner dieses Gebietes. In modernen geographischen Begriffen entspricht dieses Gebiet im Wesentlichen dem heutigen Frankreich, Belgien, Teilen Westdeutschlands, einem nordwestlichen Drittel der Schweiz sowie Norditalien — begrenzt im Osten durch den Rhein, im Süden durch die Alpen und das Mittelmeer, im Westen durch die Pyrenäen und den Atlantik sowie im Norden durch den Ärmelkanal und die Nordsee.

Vor der keltischen Besiedlung sind auf diesem Gebiet mehrere Kulturen archäologisch belegt. Seit etwa dem 7. bis 6. Jahrhundert vor Christus wurden die Regionen von keltischen Volksgruppen besiedelt, die das Gallische, eine keltische Sprache, in diesem Raum einführten. Die nichtkeltischen Stämme der Iberer nördlich der Pyrenäen sowie die Ligurer am Mittelmeer blieben dabei zunächst eigenständig. Um das Jahr 600 vor Christus gründeten ionische Griechen an der Mündung der Rhône die Stadt Massilia, das heutige Marseille, die sich zu einem bedeutenden Handelszentrum der Region entwickelte.

Die Poebene in Norditalien, besiedelt von den keltischen Stämmen der Cenomanen, Insubrer und Boier, geriet im Jahr 203 vor Christus unter römische Herrschaft. Die Römer nannten dieses Gebiet Gallia cisalpina — Gallien diesseits der Alpen. Seine Einwohner erhielten von Caesar schließlich das römische Bürgerrecht, womit die Gallia cisalpina ihre keltische Prägung verlor und zu einem Teil Italiens wurde. Zur Unterscheidung bezeichnete man das Gebiet jenseits der Alpen als Gallia transalpina, später dann als Gallia Narbonensis.

Ab 125 vor Christus begann Rom mit der Eroberung der Mittelmeerküste und des Rhônetals. Im Jahr 122 vor Christus gründeten die Römer die Stadt Aquae Sextiae, das heutige Aix-en-Provence. Bereits ein Jahr später, 121 vor Christus, richteten sie die Provinz Gallia Narbonensis ein, etwa die heutige Provence und das heutige Languedoc, mit dem 118 vor Christus gegründeten Verwaltungszentrum Narbo — dem heutigen Narbonne.

Eine ernste Bedrohung stellte der Einfall der germanischen Kimbern und Teutonen dar, der 113 vor Christus begann. Im Jahr 105 vor Christus schlugen diese Stämme zwei römische Heere an der Rhône bei Arausio, was in Rom zu Panik führte. Erst dem Feldherrn Gaius Marius gelang es, die Gefahr zu bannen: 102 vor Christus besiegte er die Teutonen bei Aquae Sextiae, und ein Jahr später, 101 vor Christus, siegte er in Norditalien nahe dem Ort Vercellae auch über die Kimbern.

Die entscheidende Wende kam mit Gaius Iulius Caesar. In den Jahren 58 bis 51 vor Christus eroberte er in einer Reihe teils äußerst blutiger Feldzüge ganz Gallien bis zum Rhein. Dieser Krieg war aus innenpolitischen Gründen initiiert — Caesar brauchte militärische Lorbeeren und Reichtümer, um seinen Aufstieg in Rom zu finanzieren. Seinen Verlauf schilderte er in dem bis heute gelesenen Werk De bello gallico. Der letzte große gallische Aufstand unter dem charismatischen Anführer Vercingetorix im Jahr 52 vor Christus wurde in der berühmten Belagerungsschlacht von Alesia niedergeschlagen. Vercingetorix ergab sich Caesar persönlich und wurde Jahre später in Rom hingerichtet. Nach modernen Schätzungen verloren viele Millionen Gallier in diesen Kriegen ihr Leben oder ihre Freiheit.

Das chemische Element Gallium, das 1875 entdeckt wurde, trägt übrigens seinen Namen nach Gallien — als dem angenommenen Vorläufer Frankreichs. Die Idee, nur das Gebiet zwischen Pyrenäen und Rhein als Gallien zu bezeichnen — obwohl auch rechts des Rheins und südlich der Pyrenäen Kelten siedelten —, geht gemeinhin auf Caesar zurück. In westdeutschen Städten wie Trier, dem alten Civitas Treverorum, und Worms, dem alten Civitas Vangionum, spiegelt sich noch heute die gallisch-römische Vergangenheit wider.

Nach der Eroberung setzte eine tiefe Romanisierung ein. Gallische Sprachen wichen dem Lateinischen, gallische Götter verschmolzen mit römischen, und aus den gallischen Oppida — befestigten Städten — entstanden blühende römische Municipien. Die Infrastruktur des Römerreiches, Straßen, Aquädukte und Amphitheater, formte die Landschaft neu. Gleichzeitig blieben gallische Einflüsse in Kunst, Handwerk und lokalen Traditionen lebendig, sodass die gallisch-römische Mischkultur zu einem der prägendsten Phänomene der antiken Welt wurde.

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