In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts versuchte das britische Empire, im südlichen Afrika ein politisches Experiment zu wagen: einen föderalen Staat zu schaffen, der zwischen weißer Minderheitsherrschaft und wachsendem afrikanischen Nationalismus einen tragfähigen Mittelweg finden sollte. Das Ergebnis war die Föderation von Rhodesien und Njassaland, ein Gebilde, das von 1953 bis 1963 existierte und an seinen inneren Widersprüchen scheiterte.
Das Territorium der Föderation war gewaltig. Es umfasste die frühere britische Kolonie Südrhodesien sowie die Protektorate Nordrhodesien und Njassaland und erstreckte sich über insgesamt mehr als 1,2 Millionen Quadratkilometer. Der inoffizielle Name Zentralafrikanische Föderation geht auf Pläne aus den 1880er Jahren zurück, die nie verwirklicht wurden: ein britisches Zentralafrika, das neben den Rhodesien und Njassaland auch Teile des heutigen Kongo hätte umfassen sollen. Diese historischen Ambitionen hinterließen ihre Spuren in der politischen Vorstellung, die das 20. Jahrhundert beerbte.
Die demografische Realität des Gebietes war eindeutig. Im Jahr 1927 standen in Südrhodesien 38.200 Weiße einer schwarzen Bevölkerung von 922.000 Menschen gegenüber. In Nordrhodesien waren es 4.000 Weiße gegenüber einer Million Schwarzen, in Njassaland 1.700 gegenüber 1.350.000. Bis 1946 hatte sich die weiße Bevölkerung zwar vergrößert, aber an den grundlegenden Verhältnissen hatte sich wenig geändert: Südrhodesien zählte 80.500 Weiße und 1.640.000 Schwarze, Nordrhodesien 20.000 und 1.600.000, Njassaland 2.300 Weiße und 2.340.000 Schwarze.
Am 8. November 1950 begannen die ersten formellen Verhandlungen über einen gemeinsamen Bundesstaat. Die Gespräche erwiesen sich als außerordentlich schwierig. Südrhodesien und die nördlichen Gebiete hatten sehr verschiedene politische Traditionen, und zahlreiche Streitpunkte schienen kaum überwindbar. Eine Schlüsselrolle spielte dabei Sir Andrew Cohen, stellvertretender Unterstaatssekretär des britischen Colonial Office. Cohen, jüdischer Herkunft und noch unter dem unmittelbaren Eindruck des Holocaust, war ein überzeugter Antirassist. Er befürchtete, dass Südrhodesien ohne eine föderale Einbindung in den Einflussbereich des rassistisch regierten Südafrika geraten könnte. Ohne seinen beharrlichen Einsatz wäre es nach Einschätzung von Zeitgenossen kaum zu einer Einigung gekommen.
Die Föderation wurde schließlich am 1. August 1953 ausgerufen. Das britische Ziel war es, eine Staatsform zu etablieren, die einen Mittelweg beschreiten sollte zwischen Gebieten, die bereits unter schwarzer Selbstverwaltung standen, und jenen, die weiterhin unter weißer Kontrolle verblieben. Das Parlament der Föderatio, die Federal Assembly, setzte sich aus teils gewählten, teils ernannten Mitgliedern zusammen. Die Verfassung sah fünf Regierungszweige vor: einen föderalen, drei territoriale und einen britischen.
An der Spitze der Regierung stand zunächst Sir Godfrey Martin Huggins als Premierminister, der dafür sein Amt als Premierminister Südrhodesiens aufgab. Diesen Posten übernahm Sir Garfield Todd. Von 1956 bis zur Auflösung der Föderation regierte Sir Roy Welensky als Premierminister. Trotz der komplizierten Regierungsstruktur entwickelte sich die Wirtschaft in den ersten Jahren positiv. Nach dem ersten Jahr hatte das Bruttoinlandsprodukt bereits 350 Millionen Pfund erreicht, nach zwei Jahren war es auf 450 Millionen Pfund angewachsen.
1955 wurde, entgegen dem Rat von Wirtschaftsexperten, die Errichtung der Kariba-Talsperre beschlossen, ein Projekt mit einem Volumen von 78 Millionen Pfund. Die Staumauer schuf den damals weltgrößten künstlichen See, den Karibasee. Alternativen, die deutlich günstiger und wirtschaftlich profitabler gewesen wären, etwa ein Damm am Shire-Fluss in Njassaland, wurden verworfen. Kritiker warfen den Verantwortlichen vor, dass von einem solchen Projekt vor allem die schwarze Bevölkerung Njassalands profitiert hätte, was politisch unerwünscht gewesen sei. Njassaland selbst verfügte über keine nennenswerten Rohstoffvorkommen, während Nordrhodesien reiche Kupferlager besaß, die einen beträchtlichen Teil des wirtschaftlichen Reichtums der Föderation ausmachten.
Auf außenpolitischem Terrain unterstützte Premierminister Welensky während der Kongokrise den Separatismus der kongolesischen Provinz Katanga, ein Schritt, der die Beziehungen zu anderen afrikanischen Staaten belastete. Im Innern wuchs der Widerstand gegen die Föderalstruktur. Die schwarze Bevölkerungsmehrheit und ihre nationalistischen Bewegungen verlangten mehr politischen Einfluss, als die weiße Minderheit bereit war zuzugestehen. Dieser fundamentale Konflikt ließ sich nicht durch Kompromissformeln lösen.
1962 stimmten sowohl das britische Parlament als auch die Bundesversammlung der Abtrennung Njassalands zu. Dennoch bat der südrhodesische Premierminister Edgar Whitehead die Briten zunächst um Verschwiegenheit. Das Ende der Föderation war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Ende 1963 wurde das Gebilde formell aufgelöst. Njassaland wurde zu Malawi, Nordrhodesien zu Sambia, und Südrhodesien blieb unter dem Namen Rhodesien in britischer Obhut, bevor es nach einem langen Kampf schließlich als Zimbabwe unabhängig wurde. Die Idee eines rassenübergreifenden Mittelweges war gescheitert, und die Geschichte des südlichen Afrikas nahm ihren eigenen, turbulenten Lauf.