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Sudan

Staat in Nordostafrika

6 min01/01/2024
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Der Sudan ist ein Land, dessen Geschichte sich wie eine endlose Abfolge von Konflikten, Machtübergaben und gescheiterten Neuanfängen liest. Was einst der größte Flächenstaat Afrikas war, ist heute ein zerrissenes Gebilde, das an den Rändern seines eigenen Untergangs steht. Die Geschichte des modernen Sudan beginnt formal am 1. Januar 1956, als das Land seine Unabhängigkeit von der bisherigen Kolonialmacht Vereinigtes Königreich erlangte, genauer gesagt vom Anglo-Ägyptischen Sudan.

Geographisch ist der Sudan ein Gigant. Mit einer Fläche von 1.861.484 Quadratkilometern macht das Staatsgebiet mehr als sechs Prozent des gesamten afrikanischen Kontinents aus und ist etwa fünfmal so groß wie Deutschland. Unter den afrikanischen Staaten überragen ihn flächenmäßig nur Algerien und die Demokratische Republik Kongo. Das Land liegt im nordöstlichen Afrika und grenzt auf einer Staatsgrenzengesamtlänge von 6.819 Kilometern an sieben Nachbarstaaten: Ägypten im Norden auf 1.276 Kilometern entlang des 22. Breitengrades, Eritrea im Osten auf 682 Kilometern, Äthiopien im Südosten auf 744 Kilometern, den Südsudan im Süden auf 2.158 Kilometern, die Zentralafrikanische Republik im Südwesten auf 174 Kilometern, den Tschad im Westen auf 1.403 Kilometern und Libyen im Nordwesten auf 382 Kilometern. Im Nordosten hat der Sudan auf 853 Kilometern Zugang zum Roten Meer.

Der Landesname ist eine Kürzung der mittelalterlichen arabischen Bezeichnung Bilad as-Sudan, was Land der Schwarzen bedeutet. Im historischen Kontext waren damit die christianisierten Reiche in Nubien gemeint. Grammatisch leitet sich das Wort von der weiblichen Form des arabischen Wortes für Schwarz ab. In der deutschen Sprache hat Sudan ein männliches Genus, also der Sudan. Der Ständige Ausschuss für geographische Namen sieht bei der Kurzform des Landesnamens keinen Artikel vor, im österreichischen und Schweizer Sprachgebrauch wird er jedoch mit Artikel verwendet.

Das Relief des Landes wird von der Beckenlandschaft des Nils und seinen Randgebirgen bestimmt. Im Nordosten erhebt sich das Bergland rund um das Rote Meer, während weite Teile des Landes von der Sahara und dem Sahel geprägt sind. Der Nil und seine Zuflüsse sind die Lebensadern des Sudan und haben die Zivilisationen entlang ihrer Ufer seit der Antike geformt. Im Westen liegt die geschundene Region Darfur, im Süden fruchtbarere Gebiete, die bis zur Unabhängigkeit des Südsudan zum Staatsgebiet gehörten.

In der Kolonialzeit unter britischer und ägyptischer Kontrolle geriet der Sudan in einen politischen Schwebezustand, aus dem er erst mit der Unabhängigkeit 1956 heraustreten konnte. Die folgenden Jahrzehnte waren von politischer Instabilität geprägt, bis im Jahr 1989 Omar al-Baschir durch einen Militärputsch an die Macht kam. Unter al-Baschir regierte der Sudan autoritär. Schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte wurden systematisch dokumentiert, darunter ethnische Säuberungen in Darfur, die den Diktator vor den Internationalen Strafgerichtshof brachten. Über dreißig Jahre hielt er die Macht in Händen.

Im Jahr 2011 entschieden die Bewohner des Südsudan in einem Referendum über ihre Unabhängigkeit und stimmten mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung. Damit verlor der Sudan nicht nur sein größtes Territorium, sondern auch einen erheblichen Teil seiner Erdölvorkommen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Sudan der größte afrikanische Flächenstaat gewesen, danach fiel er auf den dritten Platz zurück. Zuvor hatte über ein Fünftel der rund 45 Millionen Einwohner des Landes in der Hauptstadt Khartum gelebt.

Im Jahr 2019 wurde al-Baschir nach dreißig Jahren Herrschaft durch einen weiteren Militärputsch verhaftet und abgesetzt. Militärführung und zivile Opposition einigten sich auf eine Übergangsregierung, die das Land binnen fünf Jahren demokratisieren sollte. Doch dieser Neuanfang blieb ein Versprechen. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Machtverschiebungen und Konflikten, die schließlich in einem Bürgerkrieg mündeten. Die Hauptstadt Khartum wurde weitgehend zerstört und entvölkert, ein Schicksal, das die Tragödie des modernen Sudan in einem Bild zusammenfasst. Grenzkonflikte, wie der um das Abyei-Gebiet an der Grenze zum Südsudan oder der Streit um das Hala'ib-Dreieck an der Grenze zu Ägypten, blieben ungelöst. Die Geschichte des Sudan ist die Geschichte eines Landes, das immer wieder an den Anfang zurückgeworfen wird.

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