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Joseph Vaz

Indischer Ordenspriester, Missionar in Indien und Sri Lanka, Seliger

6 min01/01/2024
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Joseph Vaz wurde am 21. April 1651 in Benaulim im Taluk von Salcete in Indien geboren und sollte zu einem der bedeutendsten Missionare in der Geschichte Sri Lankas werden. Die katholische Kirche verehrt ihn als Heiligen und nennt ihn den Apostel von Ceylon – ein Ehrentitel, der die außerordentliche Bedeutung seines Wirkens auf dieser Insel widerspiegelt, wo er unter widrigsten Umständen den fast erloschenen christlichen Glauben wieder zum Leben erweckte.

Er war das dritte von sechs Kindern der indischen Eheleute Christoph Vaz aus Sancoale und Maria de Miranda aus Benaulim. Seine Familie entstammte ursprünglich der brahmanischen Kaste, hatte jedoch den christlichen Glauben angenommen und dabei den portugiesischen Familiennamen Vaz übernommen. Die Verschmelzung von indischer Herkunft, brahmanischem Standesbewusstsein und europäisch geprägtem Katholizismus prägte die intellektuelle und spirituelle Welt, in die Joseph Vaz hineinwuchs. Er erlernte Portugiesisch in Sancoale und Latein in Benaulim, bevor sein Vater ihn nach Goa schickte. Dort absolvierte er seine Studien am Jesuitenkolleg St. Paul und am Dominikanerkolleg St. Thomas von Aquin.

1675 wurde er zum Diakon geweiht, und bereits ein Jahr später, 1676, empfing er aus den Händen von Erzbischof António Brandão von Goa die Priesterweihe. Als Priester wurde er schnell als begnadeter Prediger und einfühlsamer Beichtvater bekannt. Seine tiefe Marienverehrung führte dazu, dass er sich gerne als Knecht der Jungfrau Maria bezeichnete – eine Demutsgeste, die seinen spirituellen Charakter treffend beschreibt. Als er bei der bischöflichen Behörde um eine Entsendung in die Mission bat, wurde er stattdessen mit einer weit undankbareren Aufgabe betraut: der Tätigkeit als Generalvikar in Süd-Kanara mit der Hauptstadt Mangalore.

Diese Region war ein Brennpunkt kirchenpolitischer Rivalitäten. Einerseits beanspruchte das historische Erzbistum Goa die Jurisdiktion über das Gebiet, andererseits hatte der Papst dort einen Apostolischen Vikar namens Thomas de Castro eingesetzt und die Territorien später dem Apostolischen Vikariat von Malabar beziehungsweise Verapoly angegliedert. Der Hintergrund war die veränderte Machtsituation an der indischen Westküste: Die portugiesischen Kolonialherren waren von den Holländern verdrängt worden, und die Holländer duldeten keine portugiesabhängigen Bischöfe in ihren Gebieten. Diese Überlappung der Zuständigkeiten führte zu ständigen innerkierchlichen Spannungen, bei denen einzelne Gemeinden binnen weniger Jahre mehrfach die Jurisdiktion wechseln konnten.

1681 traf Vaz in Bangalore mit dem Apostolischen Vikar Thomas de Castro zusammen. Jener erläuterte ihm ausführlich die kanonische Lage und überzeugte Vaz von der päpstlichen Bestätigung seines Amtes. In einer für seine spätere Heiligkeit charakteristischen Geste unterwarf sich Vaz dem Apostolischen Vikar – vorbehaltlich einer endgültigen Entscheidung aus Rom – und übernahm das gleiche Amt, das ihm auch in Goa übertragen worden war. Damit vertrat er gleichsam beide konkurrierenden Jurisdiktionen und konnte ungestört missionieren. Als der goanesische Erzbischof Manuel de Sousa e Menezes von dieser Einigung erfuhr, war er jedoch höchst unzufrieden und rügte Vaz nachdrücklich.

1684 kehrte Vaz auf eigenen Wunsch nach Goa zurück. Trotz seines vergleichsweise kurzen Aufenthalts in Süd-Indien hatte er sich einen außerordentlichen Ruf erworben: als frommer, friedliebender Missionspriester, der mehrere Kirchen gegründet beziehungsweise neu erbaut oder umgebaut hatte. Zurück in Goa gründete er 1685 die Oratorianer-Kongregation in Indien, nach dem Vorbild des heiligen Philipp Neri, als Gemeinschaft einheimischer Priester, die in apostolischer Arbeit leben sollten.

Die entscheidende Wendung seines Lebens vollzog sich jedoch mit dem Entschluss, als Missionar nach Ceylon zu gehen, das heute Sri Lanka heißt. Die Insel hatte seit Jahrzehnten unter holländischer Herrschaft gestanden, und die Holländer hatten den Katholizismus systematisch unterdrückt. Priester waren verboten, Kirchen zerstört worden, und die einheimische christliche Gemeinschaft lebte ihren Glauben im Geheimen. Vaz gelangte 1687 verkleidet als Bettler auf die Insel und begann im tiefsten Verborgenen zu wirken. Er reiste von Dorf zu Dorf, spendete die Sakramente, tröstete die Gläubigen und hielt die Gemeinden am Leben – ein Leben voller Gefahr, da ihn die holländischen Behörden jederzeit verhaften konnten.

1697 wurde er schließlich verhaftet und gefangen gehalten, bis der singhalesische König Vimaladharmasuriya II. von Kandy ihn freiließ – einer Überlieferung zufolge, nachdem Vaz durch ein Wunder eine verheerende Dürre beendet hatte. Unter dem königlichen Schutz von Kandy konnte er seine Missionsarbeit nun offener betreiben. Er gründete Gemeinden, bildete einheimische Katecheten aus und verwandelte den Norden und Osten der Insel spirituell. Am 16. Januar 1711 starb Joseph Vaz in Kandy. Papst Franziskus sprach ihn 2015 während eines historischen Besuchs in Sri Lanka heilig – die erste Heiligsprechung auf der Insel, die das Lebenswerk des Apostels von Ceylon würdig krönte.

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