Paul Henreid – bürgerlich Paul Georg Julius Hernried – wurde am 10. Januar 1908 in Triest geboren, damals Teil der Donaumonarchie Österreich-Ungarn. Er wuchs in einem Umfeld auf, das von Kunst und gesellschaftlicher Stellung geprägt war. Sein Vater Karl Hirsch, leitender Direktor der Deutschen Agrarbank für Österreich, hatte 1904 aus der Israelitischen Kultusgemeinde ausgetreten und dabei seinen Nachnamen von Hirsch in Hernried geändert.
Henreid erhielt seine Schauspielausbildung am Konservatorium Wien und am dortigen Max-Reinhardt-Seminar. Sein Theaterdebüt gab er als Schüler in Goethes Faust an eben diesem Ort. Es folgten Engagements in Wien, London und New York – eine Bühnenkarriere, die ihn auf drei Kontinenten führte. Zu Beginn der 1930er Jahre entdeckte ihn Regisseur Otto Preminger für den Film, und Henreid absolvierte erste Auftritte im österreichischen Kino.
In den Wirren des aufkommenden Nationalsozialismus versuchte Henreid 1934, einer Einladung der UFA nach Berlin zu folgen und beantragte die Aufnahme in die NS-Reichsfilmkammer. Die Reichsstelle für Sippenforschung stellte jedoch fest, dass er ein „jüdischer Mischling" ersten Grades sei. Sein Antrag auf Sondergenehmigung wurde von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels persönlich am 20. Dezember 1937 abgelehnt. Diese Ablehnung zwang Henreid in eine andere Richtung.
1935 erhielt er ein Engagement in London, wo er die folgenden Jahre hauptsächlich arbeitete. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs drohte ihm durch die britischen Behörden eine Abschiebung als Angehöriger eines Feindeslandes. Es war sein Schauspielkollege Conrad Veidt, der sich erfolgreich für ihn einsetzte und seine Deportation verhinderte. 1940 emigrierte Henreid in die Vereinigten Staaten, wo er bald die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt und fortan unter dem Namen Paul Henreid auftrat.
In Hollywood erhielt er zunächst kleinere, dann stetig wachsende Rollen. Eine klare Linie zog er dabei von Anfang an: Auftritte als Nazi-Scherge lehnte er kategorisch ab. Stattdessen spielte er häufig Gegner und Opfer des Nationalsozialismus – eine Haltung, die sowohl seiner eigenen Biografie entsprach als auch dem politischen Klima im kriegsführenden Amerika.
Im Jahr 1942 fiel Henreid zwei Rollen zu, die sein Bild in der Filmgeschichte dauerhaft prägten. Im Filmdrama Reise aus der Vergangenheit spielte er neben Bette Davis den unglücklich verheirateten Jerry Durrance. Eine Szene daraus wurde zur Ikone: Er zündet zwei Zigaretten gleichzeitig an, hält beide kurz im Mund und gibt dann Davis eine davon – eine Geste von Intimität und Eleganz, die von späteren Generationen unzählige Male kopiert wurde.
Noch größere Bekanntheit erlangte er im selben Jahr durch Michael Curtiz' Filmklassiker Casablanca. Henreid verkörperte darin den tschechoslowakischen Widerstandskämpfer Victor László, Ehemann von Ilsa Lund (gespielt von Ingrid Bergman). Die dramatische Zuspitzung des Films gipfelt darin, dass Ilsa trotz ihrer Liebe zu Rick Blaine (Humphrey Bogart) an der Seite ihres Mannes Viktor das Flugzeug besteigt, um dem Nazi-Terror zu entkommen. Henreids Figur – edel, aufrecht, dem Widerstand gewidmet – wurde zur Verkörperung des moralischen Gewissens des Films.
Henreid konnte sich in Hollywood als Hauptdarsteller etablieren und spielte oftmals elegante Aristokraten und sensible Künstlernaturen. So schlüpfte er 1947 in die Rolle des Pianisten Robert Schumann im Film Clara Schumanns große Liebe an der Seite von Katharine Hepburn. Auch als Regisseur machte er sich einen Namen und führte bei einer Reihe von Filmproduktionen Regie.
Paul Henreid starb am 29. März 1992 in Santa Monica, Kalifornien. Er wurde 84 Jahre alt. Sein Werk als Schauspieler und Regisseur umspannt mehrere Jahrzehnte Hollywoodgeschichte, doch unauslöschlich bleibt er mit dem Bild des Victor László verbunden – einem Mann, der selbst im Kino noch für die Freiheit kämpfte, während Henreid in der Wirklichkeit aus Europa vor eben jenen Kräften geflohen war, die er auf der Leinwand darstellte.


