Sir Roderick David Stewart, bekannt als Rod Stewart, wurde am 10. Januar 1945 in Highgate, einem Arbeiterviertel im Norden Londons, als Sohn schottischer Zuwanderer geboren. Mit mehr als 250 Millionen verkauften Tonträgern weltweit gehört er zu den erfolgreichsten britischen Sängern überhaupt. Das Rolling-Stone-Magazin wählte ihn auf Rang 59 der 100 größten Sänger aller Zeiten; in den USA rangiert er in der Rangliste der männlichen Interpreten mit den meisten Albumverkäufen auf Platz 14.
In seiner Jugend träumte Stewart nicht von Musik, sondern vom Fußball — wie sein Vater war er von dem Sport begeistert. Mit 16 Jahren unterschrieb er einen Vorvertrag bei einem Klub, doch zu einer Profikarriere kam es nicht. Nach der Schule besuchte er die Londoner Kunstakademie, bedruckte Seidenstoffe und arbeitete eine Zeitlang als Totengräber — eine Episode, die in seiner späteren Biographie gerne als Beweis seines bodenständigen Ursprungs zitiert wird.
Den Einstieg in die Musikszene fand Stewart in den frühen 1960er Jahren. Er sang bei verschiedenen Bands, darunter Jimmy Powell and the Five Dimensions, Long John Baldrys Hoochie Coochie Men, The Soul Agents und Shotgun Express. Seine erste Single Good Morning Little Schoolgirl nahm er 1964 in London auf. Ab 1967 war er Mitglied der Jeff Beck Group, einer für damalige Verhältnisse außerordentlich einflussreichen Bluesrock-Formation. Ebenfalls 1967 sang er eine Demo-Version von In a Broken Dream von Python Lee Jackson; nach Stewarts ersten Soloerfolgen veröffentlichte die australische Gruppe das Lied 1972 mit seinen Gesangsparts, ohne ihn als Sänger zu nennen.
Im Jahr 1969 wurde Stewart Leadsänger der Small Faces — gemeinsam mit seinem Freund Ron Wood war er nach Streitigkeiten mit Jeff Beck zu der umformierten Gruppe gewechselt, die sich nun Faces nannte. Diese frühen Aufnahmen waren stark vom Blues geprägt. Im selben Jahr nahm er sein erstes Soloalbum auf, An Old Raincoat Won't Ever Let You Down, das in Nordamerika als The Rod Stewart Album erschien. Ein weiteres Soloalbum folgte 1970 unter dem Titel Gasoline Alley.
Den endgültigen Durchbruch als Solokünstler brachte 1971 sein drittes Album Every Picture Tells a Story. Das Album wurde in einer Umfrage des Rolling Stone auf Platz 171 der 500 besten Alben aller Zeiten gewählt. Sowohl die Single Maggie May als auch das Album erreichten gleichzeitig Platz eins in Großbritannien und den USA — ein doppelter Triumph, den nur wenige Künstler je erreicht haben. Ron Wood unterstützte Stewart beim Songwriting für diese frühen Soloalben, während die Faces zunehmend zur Begleittruppe degradiert wurden, wie der Kritiker Wieland Harms es formulierte.
Stewarts Markenzeichen waren seine unverwechselbare, rauchig-sanfte Stimme sowie seine struppige Frisur, die zu einem popkulturellen Erkennungszeichen wurde. Er selbst hatte dazu eine pragmatische Haltung: Musik sei ein Produkt, das verkauft werden müsse, und dafür zähle das Image. Der von Gavin Sutherland 1972 geschriebene Titel Sailing, der sich 1975 sagenhafte 17 Wochen in den deutschen Charts hielt, verhalf Stewart auch in der Bundesrepublik Deutschland und in der Schweiz zum Durchbruch. Im Jahr 1976 hatte er mit The Killing of Georgie (Part I and II) einen Charterfolg, den er selbst geschrieben hatte — eines der ersten Lieder im Mainstream-Pop, das Homosexualität thematisierte, basierend auf dem Leben eines schwulen Freundes, der ermordet worden war.
1983 wurde Baby Jane in Deutschland zur Nummer eins und erhielt eine Goldene Schallplatte. Im Jahr 1990 bescherte die von Trevor Horn produzierte Coverversion von Downtown Train dem Verfasser Tom Waits Tantiemen-Einnahmen, die dieser mit seinem Original bei Weitem nicht erzielt hatte. Stewart nutzte auch Tom Traubert's Blues (Waltzing Matilda) von Waits und machte daraus einen Welthit. Diese Fähigkeit, fremdes Material in etwas zutiefst Eigenes zu verwandeln, ist eine der Konstanten seines musikalischen Schaffens. Im Juni 2022 veröffentlichte er auf seinem YouTube-Kanal ein Musikvideo zu dem Song Touchline, einer Hommage an seinen Vater und die Zeit, als Stewart selbst aktiver Fußballspieler war — eine Rückkehr zu den Wurzeln, die zeigt, dass der Junge aus Highgate seinen Ursprüngen treu geblieben ist.

