Albrecht II. gehört zu den weniger bekannten, aber durchaus bedeutsamen Herrschern des Heiligen Römischen Reiches. Als Habsburger trug er gleichzeitig mehrere Kronen und stand am Beginn einer dynastischen Kontinuität, die das Schicksal Mitteleuropas über Jahrhunderte bestimmen sollte. Geboren am 16. August 1397 in Wien als Sohn des Herzogs Albrecht IV. von Österreich und der Johanna Sophie von Bayern-Straubing, war er schon früh mit den Unsicherheiten der adeligen Herrschaft konfrontiert.
Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1404 übernahmen drei Großonkel die Vormundschaft über den jungen Albrecht. Zuerst verwaltete Wilhelm der Artige bis 1406 die Erblande, danach Herzog Leopold der Dicke und schließlich Ernst der Eiserne von Steiermark. Diese Regentschaft war von fortwährenden Streitigkeiten geprägt, und selbst als Albrecht das Erwachsenenalter erreicht hatte, weigerten sich seine Vormünder, die Regierungsgewalt an ihn abzugeben. Erst 1411 griffen die österreichischen Stände ein: Sie entführten den jungen Fürsten und erklärten ihn bei einem Landtag zu Eggenburg zum rechtmäßigen Landesfürsten. Dieses ungewöhnliche Eingreifen der Stände verdeutlicht, wie zerrissen die Herrschaftsverhältnisse in den habsburgischen Erblanden in dieser Zeit waren.
Die Erzieher Albrechts, Berthold von Wehingen, der spätere Fürstbischof von Freising, und Reinprecht II. von Walsee, prägten seinen Charakter und bereiteten ihn auf seine künftige Rolle vor. Eine der entscheidenden Weichenstellungen seines Lebens erfolgte am 28. September 1421, als er sich in Preßburg mit dem römisch-deutschen König Sigismund auf die Bedingungen seiner Heirat mit dessen minderjähriger Tochter Elisabeth von Luxemburg einigte. Diese Ehe war politisches Kalkül: Sie verband Albrecht eng mit dem mächtigsten Herrscher seiner Zeit.
Der Hussitenkrieg in Böhmen war das beherrschende militärische Ereignis dieser Epoche. Am 17. März 1420 ordnete eine Päpstliche Bulle den Kreuzzug gegen die hussitischen Ketzer in Böhmen an. Im Juni desselben Jahres vereinigten sich Albrechts Truppen bei Beraun mit denen König Sigismunds. Für die Belehnung mit Mähren, die am 4. Oktober 1423 erfolgte, musste Albrecht fast alleine die Last des Hussitenkrieges in der Region tragen. Er versuchte, der Ausbreitung der hussitischen Bewegung nicht nur militärisch, sondern auch durch die kirchentreue Melker Klosterreform zu begegnen. Auch andere als häretisch geltende Gruppen sowie die Juden ließ er verfolgen. Die großangelegte Vertreibung und Ermordung der Wiener Juden 1420/1421 sowie die Zerstörung der Or-Sarua-Synagoge auf dem Judenplatz gingen auf seine Initiative zurück, ein dunkles Kapitel seiner Herrschaft.
Militärisch verlief der Feldzug von 1423 wechselhaft. Albrecht eröffnete ihn mit der Belagerung von Lundenburg. Die böhmischen Heere unter Jan Žižka und Andreas Prokop rückten zum Entsatz heran, und Albrecht musste die Belagerung abbrechen. Er zog sich über Marchegg nach Preßburg zurück, verstärkte seine Kräfte mit ungarischen Truppen und schlug den Hussiten daraufhin bei Kremsier eine bedeutende Niederlage. Im Jahr 1424 gelang es ihm, alle gegnerischen Stützpunkte in Mähren zu erobern. Doch vor Pribislav gebot ihm der Feind unter Žižka Halt. Während eingeleiteter Friedensverhandlungen starb Žižka, abgespaltene Taboriten fielen unter Andreas Prokop in Österreich ein.
Am 25. Juli 1425 schlossen König Sigismund und Albrecht in Waitzen ein gegenseitiges Beistandsbündnis mit dem Markgrafen Friedrich von Meißen, der dafür die Kurwürde von Sachsen erhielt. Die Böhmen unter Andreas Prokop drangen erneut in Mähren ein, eroberten Trebitsch und zerstörten am 12. November das Stift Klosterbruck bei Znaim. Die Gebiete nördlich der Donau wurden zwischen November 1425 und 1431/1432 von marodierenden Kampfverbänden heimgesucht. Im März 1427 verheerten die Gegner das Stift Zwettl, ein Jahr später belagerten sie Brünn, das sich aber erfolgreich verteidigen konnte. Die königlichen Truppen erlitten 1431 in der Schlacht bei Taus eine schwere Niederlage gegen die Hussiten.
Als Sigismund 1437 ohne männliche Erben starb, erbte Albrecht gleich vier Kronen. Als Albrecht II. wurde er römisch-deutscher König und regierte zudem als König von Ungarn, Kroatien und Böhmen. Damit übernahm er die dynastische Hinterlassenschaft seines Schwiegervaters und stand vor der gewaltigen Aufgabe, diese Reiche zu stabilisieren. Die Zeit, die ihm blieb, war kurz: Auf einem Feldzug gegen die Osmanen, die tief in ungarisches Territorium vorgedrungen waren, erkrankte Albrecht an der Ruhr. Er starb am 27. Oktober 1439 in Neszmély. Sein Sohn Ladislaus Posthumus wurde erst nach seinem Tod geboren.
Albrecht II. war der letzte römisch-deutsche Herrscher, der nicht die Kaiserwürde innehatte. Das Wichtigste seines Erbes war dynastischer Natur: Die Königswürde des Heiligen Römischen Reiches sollte fortan, mit nur wenigen Jahren Unterbrechung, bis zum Ende des Reiches 1806 bei den Habsburgern und schließlich dem Haus Habsburg-Lothringen verbleiben. Er begründete damit eine der längsten dynastischen Kontinuitäten der europäischen Geschichte.
