guerras

William Brydon

Assistenzsarzt in der britischen Armee

4 min01/01/2024
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Wenige historische Figuren verkörpern das Schicksal einer geschlagenen Armee so eindringlich wie William Brydon. Der britische Militärarzt, der am 10. Oktober 1811 in London als Sohn schottischer Eltern zur Welt kam, wurde durch einen einzigen dramatischen Januartag im Jahr 1842 zur Legende – als einsamer Reiter, der aus dem Nichts auftauchte und das Ende einer Armee anzeigte.

Brydon studierte Medizin am University College London sowie an der University of Edinburgh und trat anschließend als Assistenzarzt in den Dienst der British East India Company. Das Schicksal führte ihn in den Ersten Anglo-Afghanischen Krieg, einem Abenteuer, das für die britische Militärmacht in einer Katastrophe enden sollte. Die britische Besatzung Kabuls war von Anfang an von logistischen Mängeln, schlechter Führung und zunehmend feindseliger Bevölkerung begleitet worden.

Nach der Ermordung der beiden britischen Vertreter in Kabul befahl das britische Kommando den Rückzug. Am 6. Januar 1842 brach ein Tross von kolossalen Ausmaßen aus der Stadt auf: 4.500 Soldaten und rund 12.000 Zivilangestellte, darunter Frauen und Kinder. Ihr Ziel war Dschalalabad, die nächste britische Garnison, 90 Meilen – rund 140 Kilometer – entfernt. Der Weg führte über schneebedeckte Gebirgspässe, und die Kolonne setzte darauf, dass man ihnen eine sichere Passage gewähren würde.

Doch diese Hoffnung erwies sich als fatal. Unter dem Kommando des Generalmajors William George Keith Elphinstone marschierte der Tross in die Falle. Die Afghanen unter Akbar Khan verfolgten die Kolonne, griffen ununterbrochen an und dezimierten die Briten mit jedem Kilometer. Kälte, Hunger, Erschöpfung und feindliche Angriffe rafften die Menschen in erschreckender Geschwindigkeit dahin. Die einst stattliche Armee löste sich wie Schnee in der Sonne auf.

Das letzte Gefecht fand am 13. Januar 1842 in der Nähe von Gandamak statt, 56 Kilometer vor Dschalalabad. Hier leisteten die verbliebenen rund 65 Soldaten des 44th East Essex Regiment – darunter etwa 20 Offiziere – ihren letzten verzweifelten Widerstand. Die Afghanen versuchten zunächst, sie zur Aufgabe zu überreden. Als die Briten ablehnten, begann der Angriff. Sie wurden besiegt; nur sechs berittene Offiziere entkamen, von denen fünf auf dem weiteren Weg ums Leben kamen.

Am Nachmittag desselben Tages, des 13. Januar 1842, hielt in Dschalalabad ein erschöpfter Reiter auf einem sterbenden Pferd auf die Stadtmauern zu. Es war William Brydon. Er hatte auf dem Rückzug einen schweren Schwerthieb gegen seinen Schädel erhalten – und verdankte sein Überleben einem glücklichen Zufall: Er hatte gegen die beißende Kälte ein Exemplar des Blackwood's Magazins in seinen Hut gestopft, und genau diese Lage hatte die meiste Wucht des Hiebes absorbiert und damit sein Leben gerettet.

Brydon wurde weithin als der einzige Überlebende der gesamten Armee bekannt, was jedoch nicht der vollständigen historischen Wahrheit entspricht. Etwa 115 britische Offiziere, Soldaten, Frauen und Kinder wurden von den Afghanen gefangen genommen und als Geiseln festgehalten – sie überlebten und wurden später freigelassen, darunter die berühmte Lady Florentia Sale, die Frau des Befehlshabers von Dschalalabad. Generalmajor Elphinstone hingegen starb in der Gefangenschaft. Auch Brydon war nicht der einzige, der den Rückzug ohne Gefangenschaft überstand: Ein als „griechischer Händler" bekannter Mann namens Baness erreichte Dschalalabad zwei Tage nach Brydon, überlebte aber nur noch einen Tag. In den folgenden Wochen gelang es zudem einer kleinen Anzahl indischer Sepoys, Dschalalabad zu Fuß zu erreichen.

Brydons Leben nach diesem traumatischen Erlebnis war von weiteren militärischen Konflikten geprägt. Im Zweiten Anglo-Birmanischen Krieg von 1852 kämpfte er mit, als Rangun erobert wurde. 1857 war er als Regimentsarzt in Lucknow stationiert, wo er zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern die schwere Belagerung von Juni bis November 1857 überstand – dabei wurde er ernsthaft am Schenkel verwundet. Im November 1858 wurde ihm der Orden des Bath (CB) verliehen. Seine Frau veröffentlichte eine Denkschrift über die Belagerung. Brydon starb am 20. März 1873 in seinem Haus in Westfield nahe Nigg in Ross-Shire und ist zusammen mit seinem Schwager Donald MacIntyre VC auf dem Kirchhof von Rosemarkie begraben.

Die Nachwelt hat William Brydon auf vielfältige Weise gewürdigt. Der deutsche Dichter Theodor Fontane schrieb 1859 das Gedicht Das Trauerspiel von Afghanistan, das Brydons dramatische Ankunft in Dschalalabad schildert. Die britische Schlachtenmalerin Elizabeth Thompson Butler verewigte seine Erscheinung 1879 auf einem berühmten Gemälde: Es zeigt den erschöpften Arzt auf einem sterbenden Pferd, das bei seiner Ankunft in der Stadt tot zusammenbrach. Das Bild ist zu einem der eindringlichsten Zeugnisse militärischer Katastrophen geworden und trägt den Titel The Remnants of an Army.

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