Wenige Zeitungen der Welt haben die Geschichte des Journalismus so nachhaltig geprägt wie The Times aus London. Gegründet am 1. Januar 1785 vom Buchdrucker John Walter unter dem Namen The Daily Universal Register, nahm sie am 1. Januar 1788 ihren heutigen Namen an und begann damit eine Karriere als eine der einflussreichsten und beständigsten Tageszeitungen der Welt. Ihr Weg von einem kleinen Londoner Blatt zum Symbol des britischen Qualitätsjournalismus ist eine Geschichte von Visionen, technischen Revolutionen und nicht zuletzt von hartnäckigen Machtkämpfen.
John Walter war der erste Herausgeber, doch das Ansehen des Blattes blieb zunächst bescheiden. Der entscheidende Wandel vollzog sich, als Walters Sohn, John Walter der Jüngere, im Jahr 1803 die Leitung übernahm. Bis zu seinem Tod 1847 widmete er sein Leben der Times und verfolgte dabei ein ehrgeiziges Ziel: die Zeitung sollte von Regierung und Parteien unabhängig sein. Dieses Prinzip setzte er konsequent durch, auch wenn es ihm erhebliche Widerstände einbrachte. Da ihm zeitweise die Nutzung der Regierungspaketschiffe für seine Korrespondenz untersagt war, organisierte er kurzerhand einen eigenen Dienst mit Fahrzeugen, Brief- und Eilboten.
Einen Meilenstein in der Geschichte des Druckwesens setzte die Times am 29. November 1814. An diesem Tag wurde sie erstmals mit einer dampfbetriebenen Schnellpresse gedruckt, die von den deutschen Erfindern Friedrich Koenig und Andreas Friedrich Bauer entwickelt worden war. Es war das erste Mal, dass eine Zeitung weltweit mit dieser Technologie hergestellt wurde. Die Maschine erlaubte die Produktion von 1.100 Exemplaren pro Stunde und läutete damit das Zeitalter der Massenpresse ein. Kein anderes Ereignis in der frühen Geschichte des modernen Journalismus hatte eine vergleichbare Auswirkung auf die Verbreitung von Informationen.
Um die Jahrhundertwende hatte die Times bereits ein Netz für die internationale Nachrichtenübermittlung aufgebaut. Der Funkpionier Eugen Nesper beschreibt den Empfangsvorgang des Jahres 1904, bei dem eine Redaktion in England die aktuellen Kernnachrichten der Times an deutsche Empfänger übermittelte. Trotz dieser technischen Innovationen war die Times nicht unverwundbar. Mit dem Aufkommen der sogenannten Pennyzeitungen, darunter The Daily Telegraph, Morning Star und The Standard, geriet sie unter Druck. Diese Blätter gewannen nicht nur einen größeren Leserkreis, sondern zwangen die Times auch dazu, den Preis auf drei Pence zu senken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Auflage auf etwa 75.000 Exemplare geschätzt, seit 1877 erschien sie auch in einer Wochen- und in einer zweitägigen Ausgabe.
Eine der bemerkenswertesten Eigenheiten der Times war die Gestaltung ihrer Titelseite, die bis in die 1970er Jahre hindurch nicht den großen Nachrichten des Tages, sondern kleinen privaten Anzeigen gewidmet war, als handele es sich nicht um eine der bedeutendsten Zeitungen der Welt, sondern um ein persönliches Forum oder einen öffentlichen Briefkasten.
Im Jahr 1966 kaufte die Thomson-Gruppe die Times von Lord Astor of Hever und der Gründerfamilie Walter. Eine schwere Krise erlebte die Zeitung zwischen dem 1. Dezember 1978 und dem 12. November 1979, als ihr Erscheinen für fast ein Jahr aufgrund eines Arbeitskampfes eingestellt werden musste. Der Auslöser war ein Streit um die geplante Stellenstreichung im Zuge der Modernisierung der Druckerei. Die Thomson-Gruppe sah sich schließlich gezwungen, sowohl die Times als auch ihre Schwesterzeitung The Sunday Times zu verkaufen, da die Konflikte mit den britischen Gewerkschaften und anhaltende Ertragsschwächen keine andere Wahl ließen.
Am 13. Februar 1981 erwarb Rupert Murdoch die Times und die Sunday Times für sein Medienkonglomerat News Corporation. Seitdem ist das Blatt Teil von Times Newspapers, einer Tochtergesellschaft von News UK, die ihrerseits vollständig zu News Corp gehört. The Times und The Sunday Times, die 1821 gegründet wurde und mit der Times keine gemeinsame Redaktion teilt, hatten erst seit 1966 gemeinsame Eigentümer, obwohl beide unabhängig voneinander gegründet worden waren. In den 1980er Jahren verließen mehrere prominente Journalisten das Blatt aus Protest gegen den neuen Eigentümer.
Das Erbe der Times geht weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus. Sie war die erste Zeitung, die diesen Namen trug, und wurde Vorbild für viele andere Zeitungen weltweit, die denselben Titel übernahmen: The Times of India, gegründet 1838 als The Bombay Times, The Straits Times in Singapur 1845, die New York Times 1851 und The Irish Times 1859. In Ländern, in denen diese Titel populär sind, wird das Londoner Original oft als The London Times oder The Times of London bezeichnet, um Verwechslungen zu vermeiden. Zwei Jahrhunderte nach ihrer Gründung ist The Times noch immer eine der bestimmenden Stimmen des britischen Journalismus.

