tragedias

Noto-Erdbeben 2024

Erdbeben in Japan am 1. Januar 2024

5 min01/01/2024
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Am Nachmittag des 1. Januar 2024 erlebte Japan einen der schlimmsten Starts in ein neues Jahr seiner jüngeren Geschichte. Um 16:10 Uhr Ortszeit erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,5 Mw die Noto-Halbinsel in der Präfektur Ishikawa, etwa sieben Kilometer nordnordwestlich vor der Küste von Suzu gelegen. Das Beben, das in der japanischen Amtssprache als „Noto-Halbinsel-Erdbeben des Jahres Reiwa 6" bezeichnet wurde, löste einen Tsunami aus, erschütterte weite Teile des Landes und hinterließ eine Spur der Zerstörung, die Monate andauern sollte.

Der United States Geological Survey bestimmte die Momentenmagnitude auf 7,5 Mw und die Herdtiefe auf zehn Kilometer. Das Beben entstand entlang der konvergenten Grenze zwischen der Ochotsk-Platte und der Amurplatte, wobei der Herdmechanismus einer flachen Aufschiebung entsprach. Vier Minuten vor dem Hauptbeben ereignete sich ein Vorbeben der Stärke 5,5; neun Minuten danach folgte ein kräftiges Nachbeben der Stärke 6,2. In den Stunden und Tagen nach dem Hauptbeben wurden rund 150 Nachbeben registriert, von denen mindestens sieben eine Stärke von 5,0 oder mehr aufwiesen.

Die Ausmaße der tektonischen Verschiebungen waren beeindruckend und erschreckend zugleich. Nach einem vom USGS veröffentlichten Finite-fault-Modell erstreckte sich der Bruch des Bebens über etwa 200 Kilometer, von der südöstlichen Noto-Halbinsel bis zur Insel Sado. Die größte Verschiebung wurde mit 3,67 Metern unter der Halbinsel selbst gemessen. Eine weitere Verschiebungszone zwischen der Halbinsel und der Insel Sado verursachte Verschiebungen von bis zu 1,86 Metern. Nach Angaben der japanischen Vermessungsbehörde Kokudo Chiriin bewegten sich Teile des Landes um bis zu 1,3 Meter nach Westen, wobei die stärkste Krustenverformung in der Stadt Wajima beobachtet wurde. In Anamizu verschob sich der Boden um einen Meter nach Westen.

Die Japanische Meteorologische Agentur (JMA) registrierte eine Intensität von 7 auf ihrer Shindo-Skala – die höchste mögliche Stufe und das erste Mal seit 2016, dass ein Beben dieser Intensität in Japan gemessen wurde. Die höchste Intensität trat in Shika auf. Die Präfekturstädte Nanao, Wajima, Suzu und Anamizu verzeichneten Intensitäten von 6+, während Nagaoka in der Präfektur Niigata sowie Nakanoto und Noto die Stufe 6- erreichten. Das Beben war bis nach Tokio und in die gesamte Kanto-Region spürbar, ebenso in der Präfektur Aomori im Norden von Honshu und in Kyushu im Süden.

Unmittelbar nach dem Hauptbeben wurde für weite Teile der japanischen Westküste, von Hokkaido bis Nagasaki, eine Tsunami-Warnung ausgesprochen. In den Präfekturen Ishikawa, Niigata, Toyama und Yamagata wurden Evakuierungen angeordnet – die erste große Tsunami-Warnung seit dem verheerenden Tohoku-Erdbeben des Jahres 2011. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk NHK warnte vor möglichen Tsunamiwellen von bis zu fünf Metern Höhe, obwohl die tatsächlich eintreffenden Wellen kleiner ausfielen. Das Pacific Tsunami Warning Center erklärte, gefährliche Wellen seien in einem Umkreis von 300 Kilometern um das Epizentrum möglich.

Die ersten Wellen erreichten die Küste gegen 16:21 Uhr. Wajima wurde von Wellen mit einer Höhe von mehr als 1,2 Metern getroffen. Kanazawa registrierte einen Tsunami von 90 Zentimetern, die Präfektur Toyama und Sakata Wellen von 80 Zentimetern. In Nanao und Tsuruga wurden Wellen von 50 Zentimetern gemessen, in Kashiwazaki, Toyooka, Tobishima und auf der Insel Sado Wellen von 40 Zentimetern. Auf Hokkaido meldete Setana Wellen von bis zu 60 Zentimetern, während die Insel Okushiri von 50 Zentimeter hohen Wellen heimgesucht wurde.

Von den Evakuierungsanordnungen waren insgesamt rund 51.000 Menschen betroffen. Allein 1.000 Personen wurden auf dem Gelände des Luftwaffenstützpunktes der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in Wajima untergebracht. Die Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und der Küstenlandschaft der Noto-Halbinsel waren gravierend. Ganze Stadtteile wurden durch Erdbeben und Feuersbrünste zerstört, Straßen brachen ein und Erdrutsche schnitten Gemeinden von der Außenwelt ab. Das Beben machte deutlich, wie unerbittlich die Erdkräfte an jenem Neujahrsnachmittag zuschlugem und wie verletzlich selbst ein hoch entwickeltes Land wie Japan gegenüber den Naturgewalten bleibt.

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