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Rudolf-August Oetker

Deutscher Unternehmer

5 min01/01/2024
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Rudolf-August Oetker gehört zu jenen Unternehmerpersönlichkeiten, deren Lebensgeschichte die Brüche und Widersprüche des 20. Jahrhunderts in Deutschland wie in einem Brennglas bündelt. Sein Name steht für einen der bekanntesten deutschen Nahrungsmittelkonzerne, aber auch für eine Familiendynastie, die tief in die Strukturen des Nationalsozialismus eingebunden war und daraus Nutzen zog.

Er wurde am 20. September 1916 in Bielefeld geboren, als Sohn von Rudolf Oetker, der wenige Monate vor seiner Geburt, am 8. März 1916 bei Verdun fiel. Sein Großvater August Oetker hatte das Backpulverunternehmen gegründet, das seinen Namen bis heute trägt, und in seinem Testament ausdrücklich den Wunsch formuliert, das Unternehmen solle möglichst unverändert für seinen Enkel Rudolf-August erhalten bleiben. Diese Erbschaft war Bürde und Auftrag zugleich. Seine ältere Schwester Ursula Oetker begleitete ihn durch Kindheit und Jugend.

Der junge Rudolf-August wuchs in Bielefeld auf und besuchte das Ratsgymnasium. Als Mitglied eines Reitklubs, der 1933 in die Reiter-SA überführt wurde, wurde auch er SA-Mitglied, ein Schritt, der für viele junge Männer aus gutbürgerlichen Kreisen in jener Zeit kaum vermeidbar schien. 1936 absolvierte er den Arbeitsdienst, 1937 begann er eine Banklehre in Hamburg. Am 4. November 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Juli 1940 unter der Mitgliedsnummer 8.488.212 aufgenommen. Zum 23. Oktober 1942 trat er freiwillig der Waffen-SS bei, am 26. Oktober 1944 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert.

Noch im Jahr 1944, im Alter von nur 28 Jahren, übernahm Rudolf-August Oetker unter tragischen Umständen die Führung des Familienunternehmens Dr. August Oetker Nahrungsmittelfabrik. Sein Stiefvater Richard Kaselowsky, seine Mutter Ida Oetker und seine Halbschwestern Ilse und Ingeborg kamen bei einem alliierten Bombenangriff im Keller ihrer Villa Am Johannisberg 10 in Bielefeld ums Leben. Seine Ehefrau und sein damals neugeborener Sohn August Oetker überlebten, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt in Hameln aufhielten.

Das Kriegsende brachte für Rudolf-August Oetker keine sofortige Rückkehr zur Normalität. Er wurde im Internierungslager Staumühle bei Paderborn festgehalten. Als dort die für SS-Angehörige typische Tätowierung der Blutgruppe unter der linken Achselhöhle entdeckt wurde, misshandelte ihn das Wachpersonal schwer. Die gesundheitlichen Folgen hielten lange an, Oetker war noch Jahre nach dem Krieg auf einen Stock angewiesen. Im Juli 1947 wurde er vom Entnazifizierungs-Hauptausschuss für den Stadtkreis Bielefeld als unbelastet eingestuft, eine Entscheidung, die angesichts seiner dokumentierten Mitgliedschaften aus heutiger Sicht zumindest erklärungsbedürftig ist.

Was folgte, war eine bemerkenswerte wirtschaftliche Aufbauleistung. Rudolf-August Oetker führte das angeschlagene Familienunternehmen nicht nur zurück in die Gewinnzone, sondern baute es zu einem weit verzweigten Mischkonzern aus. Bier, Pizza und Sekt standen auf dem Programm, doch die eigentliche Haupteinnahmequelle wurde bald die Reederei Hamburg Süd. Darüber hinaus übernahm Oetker die Sektkellereien Henkell, Söhnlein und Deinhard, den Spirituosenhersteller Wodka Gorbatschow sowie die Brauereien Binding und Dortmunder Actien-Brauerei. Er kaufte das traditionsreiche Bankhaus Lampe und investierte in Luxushotels, die als Oetker Collection später unter dem Dach der Oetker Hotel Management vereint wurden. Das Familienimperium umspannte in seiner Hochzeit Dutzende von Unternehmen und war auf mehreren Kontinenten präsent.

Das Privatleben blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont. Im Jahr 1976 entführte Dieter Zlof in Freising seinen damals 25-jährigen Sohn Richard Oetker und erpresste ein Lösegeld von 21 Millionen Mark. Die Entführung erschütterte die Familie und die Öffentlichkeit gleichzeitig und machte die Verletzlichkeit auch des mächtigsten Unternehmers überdeutlich. Richard Oetker wurde nach der Zahlung des Lösegeldes freigelassen.

1981 zog sich Rudolf-August Oetker mit 65 Jahren aus dem Tagesgeschäft zurück und übertrug seinem Sohn August Oetker die Unternehmensleitung. Ende 2002 sicherte er durch die Übertragung wesentlicher Vermögensteile auf die nächste und übernächste Generation das Fortbestehen der Oetker-Gruppe als unabhängiges Familienunternehmen. Als Kunstmäzen und Kunstsammler hinterließ er ebenfalls Spuren: Ende 1999 gründete er die Rudolf-August Oetker-Stiftung zur Förderung von Kunst, Kultur, Denkmalschutz und Wissenschaft.

Nach seinem Tod am 16. Januar 2007 in Hamburg beauftragte die Familie Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, die Geschichte der Firma in der NS-Zeit wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die 2013 im Beck-Verlag erschienene Studie Dr. Oetker und der Nationalsozialismus kam zu einem klaren Befund: Familie und Firma Oetker seien Stützen der NS-Gesellschaft gewesen, hätten die Nähe des Regimes gesucht und von dessen Politik profitiert. Augusts Oetker öffentliches Bekenntnis gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit, sein Vater sei Nationalsozialist gewesen, steht am Ende einer langen und schmerzhaften Auseinandersetzung mit dieser Geschichte.

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