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Artur Ivens Ferraz

Portugiesischer General, Politiker und Ministerpräsident

4 min01/01/2024
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Artur Ivens Ferraz gehört zu den markanten, wenn auch wenig bekannten Gestalten der portugiesischen Militär- und Politikgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In einer Ära, in der Portugal zwischen Republik, Militärdiktatur und dem aufkeimenden Estado Novo schwankte, stand Ferraz an verschiedenen Schalthebeln der Macht, ohne je in den Vordergrund der historischen Erinnerung zu treten.

Er wurde am 1. Dezember 1870 in Lissabon geboren. Seine Herkunft war von Beginn an mit Abenteuern und weiter Welt verbunden: Er war der Neffe des bekannten Afrikaforschers Roberto Ivens, einer der Hauptfiguren der portugiesischen Erkundung Afrikas im 19. Jahrhundert. Ferraz besuchte die Polytechnische Schule und schloss anschließend die Kadettenschule ab, wo er zum Offizier der Artillerie ausgebildet wurde, einem damals besonders angesehenen Waffengattung innerhalb des Militärs.

Die frühen Jahrzehnte seiner Karriere verbrachte er damit, militärisches Können und akademische Qualifikation zu verbinden. Nach dem Besuch der Generalstabsakademie wurde er selbst Professor an der Kadettenschule, was seinen theoretischen Anspruch an das Militärhandwerk unterstrich. Im Jahr 1904 leitete er bei einem gemeinsamen Manöver mit der britischen Armee das portugiesische Kontingent, ein Zeichen des Vertrauens, das ihm die Führung in internationalen Zusammenhängen einbrachte. Die enge Zusammenarbeit mit den Briten sollte ein Leitfaden seiner weiteren Karriere werden.

Im Ersten Weltkrieg bewährte sich Ferraz als Kommandeur der portugiesischen Truppen des Expeditionskorps in Frankreich, die an der Seite der britischen Streitkräfte kämpften. Portugal hatte im Frühjahr 1916 formell auf Seiten der Alliierten in den Krieg eingetreten, und der Einsatz des Expeditionskorps an der Westfront war Ausdruck des Willens, den alten Bündnispartner Großbritannien militärisch zu unterstützen. Ferraz leitete diesen Einsatz mit Sachverstand und Disziplin. Nach dem Krieg wechselte er in die diplomatische Sphäre und war zwischen 1919 und 1922 Militärattaché an der portugiesischen Botschaft in London. In dieser Funktion vertrat er sein Land auch bei den Abrüstungskonferenzen des Völkerbundes, was ihm Einblick in die neue internationale Ordnung der Zwischenkriegszeit gab.

1922 folgte eine weitere Station in den portugiesischen Überseegebieten: Ferraz wurde Kabinettschef des Hohen Kommissars in Mosambik. Von Mai bis November 1926 war er selbst amtierender Gouverneur der Kolonie, was ihm ein tiefes Verständnis für die koloniale Verwaltungspraxis einbrachte. Von 1927 bis 1928 kommandierte er die Zentrale Offiziersschule, und nach seiner Rückkehr aus Mosambik folgte eine rasche Abfolge von Ministerämtern. Am 26. August 1927 wurde er Minister für Handel und Kommunikation im Kabinett des Präsidenten António Oscar de Fragoso Carmona, am 5. Januar 1928 Kolonialminister, und am 16. Februar desselben Jahres Finanzminister.

Am 8. Juli 1929 erreichte Ferraz den Gipfel seiner politischen Laufbahn: Er wurde als Nachfolger von José Vicente de Freitas zum Vorsitzenden des Ministeriums und damit zum Ministerpräsidenten Portugals ernannt. In dieser Rolle übernahm er zeitweise gleich mehrere Ressorts, darunter Erziehung von November bis Dezember 1929, Auswärtiges im Jahr 1929 und Innere Verwaltung vom 8. Juli 1929 bis zum 21. Januar 1930, sowie die Ministerien für Kolonien und Finanzen. Es war eine Zeit intensiver Konsolidierung der Militärdiktatur, in der Ferraz als verlässliche Stütze des Systems galt. Am 21. Januar 1930 wurde er von Domingos da Costa e Oliveira abgelöst.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Ministerpräsidenten übernahm er die Funktion des Generaladministrators der Armee sowie die Präsidentschaft der Liga der Frontkämpfer. Von 1931 bis zu seinem Tod war er Chef des Generalstabes, in welcher Funktion er auch die Militärzeitschriften Revista de Artilharia und Revista Militar herausgab. Ferraz starb am 16. Januar 1933 in Lissabon, dem Ort seiner Geburt. Seine Memoiren, A ascensão de Salazar: Memórias de seis meses de governo do general Ivens Ferraz, wurden erst 1988 posthum veröffentlicht und liefern einen wertvollen Einblick in die turbulente Zeit des portugiesischen Übergangs vom Militärregime zur salazaristischen Diktatur.

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