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Ron Tauranac

Australischer Ingenieur und Mitgründer von Brabham

4 min01/01/2024
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Ron Tauranac gehört zu jenen Persönlichkeiten des Motorsports, deren Name zwar selten in den großen Schlagzeilen auftaucht, deren Einfluss auf den Rennsport jedoch kaum zu überschätzen ist. Als Ingenieur, Konstrukteur und Unternehmer prägte er über Jahrzehnte hinweg die Formel 1 und den Nachwuchsrennsport, ohne dabei je selbst das Lenkrad in die Hand zu nehmen.

Am 13. Januar 1925 in New South Wales, Australien, geboren, wuchs Tauranac in einer Zeit auf, in der der Automobilsport noch ein Abenteuer von Tüftlern und Enthusiasten war. Bereits 1946 begann er gemeinsam mit seinem Bruder Lewis, Rennwagen zu bauen und in australischen Rennserien anzutreten. Diese frühen Jahre waren prägend: Tauranac lernte nicht nur das Handwerk des Fahrzeugbaus von der Pike auf, sondern knüpfte auch entscheidende persönliche Kontakte. Einer davon sollte sein Leben grundlegend verändern: Jack Brabham, ein junger, ehrgeiziger Rennfahrer aus Australien, wurde in dieser Zeit zu einem engen Bekannten.

Brabham wagte den großen Sprung nach Europa und machte sich innerhalb weniger Jahre einen Namen in der Formel 1. Als er 1960 seinen australischen Landsmann Ron Tauranac einlud, mit ihm in England an Rennwagen zu arbeiten, zögerte dieser nicht lange. Gemeinsam arbeiteten sie zunächst an Triumph Heralds mit Climax-Motoren, bevor sie 1961 den entscheidenden Schritt wagten: die Gründung von Motor Racing Developments Ltd., die unter dem Namen Brabham bekannt werden sollte.

Die ersten Fahrzeuge des neuen Unternehmens waren für die Formel Junior bestimmt, eine Nachwuchsklasse, die damals in Europa boomte. Tauranac übernahm die konstruktive Arbeit, während Brabham als Fahrer und Botschafter des Teams fungierte. Der Verkauf von Rennautos an private Teams und Fahrer entwickelte sich schnell zu einem wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodell, das dem kleinen Unternehmen eine solide Grundlage verschaffte.

Brabham hatte das Team Cooper verlassen, mit dem er zweimal die Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen hatte, und investierte nun seine gesamte Energie in das eigene Projekt. Tauranac konstruierte Fahrzeuge für verschiedene Rennklassen, und die Qualität seiner Arbeit sprach sich in der Fachwelt herum. Der Höhepunkt dieser Zusammenarbeit kam 1966, als Jack Brabham in einem Fahrzeug seines eigenen Teams erneut die Formel-1-Weltmeisterschaft errang – ein bis dahin einmaliges Ereignis in der Geschichte des Sports.

Nach der Saison 1970 trat Brabham vom aktiven Rennsport zurück und verkaufte seine Anteile an seinen langjährigen Partner. Tauranac übernahm das Team, doch er fühlte sich nach Jahren intensiver Arbeit ausgebrannt. Ende 1971 verkaufte er den Rennstall weiter an den damals noch relativ unbekannten Geschäftsmann Bernie Ecclestone, der Brabham von 1972 bis 1987 führen sollte. Damit endete ein Kapitel, das den Motorsport nachhaltig beeinflusst hatte.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Heimat kehrte Tauranac 1972 nach England zurück. Er nahm eine Stelle beim Rennwagenhersteller Trojan Limited an und konstruierte dort zwei Formel-5000-Fahrzeuge, den Trojan T101 und den T102. Aus letzterem entwickelte er den T103, mit dem Trojan 1974 unter dem Teamnamen Trojan Tauranac Racing vorübergehend in der Formel 1 antrat. Als sich im Spätsommer 1974 jedoch abzeichnete, dass dem Team die finanziellen Mittel ausgehen würden, trennte sich Tauranac von Trojan und schlug einen neuen Weg ein.

In Woking gründete er sein eigenes Konstruktionsbüro unter dem Namen Ralt. Dieses Unternehmen sollte zu einem der einflussreichsten Hersteller von Nachwuchsrennwagen werden. Ralt baute Fahrzeuge für diverse Formelklassen und lieferte damit Generationen von Talenten die Plattform, auf der sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten. Kurzzeitig kehrte Tauranac für ein Projekt im Auftrag von Theodore Racing auch in die Formel 1 zurück und hatte mit Honda in der Formel 2 beachtliche Erfolge.

1988 verkaufte Tauranac seine Firma Ralt an den Rennwagenhersteller March. Damit schloss sich ein weiteres Kapitel seiner langen Karriere. Doch dem Motorsport blieb er treu: Er beriet unter anderem das Arrows-Team und beobachtete mit wachem Blick die Entwicklung eines Sports, den er über Jahrzehnte mitgeprägt hatte.

Im Jahr 2002 wurde Ron Tauranac für seine Verdienste um den Motorsport zum Officer des Order of Australia ernannt. Die Auszeichnung würdigte ausdrücklich seine Arbeit bei der Entwicklung, Konstruktion und Produktion von Formel-1-Rennwagen, die jungen Fahrern die Möglichkeit gaben, auf höchstem Niveau zu konkurrieren, sowie die Weitergabe seines Wissens zur Förderung des Sports.

Ron Tauranac verstarb am 17. Juli 2020 in Queensland, Australien, im Alter von 95 Jahren. Sein Leben war ein Beweis dafür, dass hinter jedem großen Fahrernamen oft ein noch größerer Ingenieur steht, dessen Arbeit im Verborgenen die Geschichte schreibt.

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