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Peter I. (Brasilien)

Kaiser von Brasilien

7 min01/01/2024
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Die Geschichte Brasiliens als unabhängige Nation beginnt mit einem Mann, der am 12. Oktober 1798 im Königspalast von Queluz bei Lissabon zur Welt kam: Pedro de Alcântara Francisco António João Carlos Xavier de Paula Miguel Rafael Joaquim José Gonzaga Pascoal Cipriano Serafim de Bragança e Bourbon, bekannt als Peter I. von Brasilien. Sein Leben war von Anfang an von dynastischen Spannungen, erzwungenen Reisen und einer Persönlichkeit geprägt, die gleichermaßen von Impulsivität und politischem Gespür bestimmt wurde.

Als zweites überlebendes Kind von Prinz Johann, dem späteren König Johann VI. von Portugal, und der spanischen Infantin Charlotte Joachime wuchs Peter in einer äußerst unglücklichen Ehe auf. Seine Mutter galt als ehrgeizig und eigenwillig, förderte spanische Interessen auf Kosten Portugals und war ihrem Ehemann angeblich untreu. Die Eltern lebten zunehmend getrennt: Johann im Nationalpalast von Mafra, Charlotte Joachime im Ramalhão-Palast. Die Kinder, darunter Peter, residierten mit ihrer Großmutter Maria I. im Queluz-Palast, weit entfernt von beiden Elternteilen. Diese frühen Erfahrungen von Instabilität und Kälte prägten Peters Charakter nachhaltig.

Als sein älterer Bruder Franz Antonius Pius 1801 starb, wurde Peter zum Thronfolger und Prinzen von Beira erklärt. Im November 1807, als er neun Jahre alt war, zwangen die heranrückenden Truppen Napoleons die königliche Familie zur Flucht. Bonaparte wollte Portugal für seine Weigerung bestrafen, sich der Kontinentalsperre gegen England anzuschließen. Die gesamte Hofhaltung einschließlich des kleinen Peter bestieg die Schiffe und machte sich auf die lange Überfahrt nach Brasilien. Während der beschwerlichen Reise las Peter Vergils Aeneis und nutzte jede Gelegenheit, sich mit der Schiffsbesatzung über Navigation zu unterhalten.

Im März 1808 erreichte die königliche Familie Rio de Janeiro, die Hauptstadt der reichsten portugiesischen Kolonie, die nun zur neuen Residenzstadt des Königreichs erklärt wurde. Brasilien hatte plötzlich nicht mehr die Rolle einer fernen Kolonie, sondern beherbergte den Hof selbst. Peter, der Portugal erst 1832 – nach 24-jähriger Abwesenheit – wieder betreten sollte, wuchs in dieser neuen Welt auf. Neben zwei festen Bezugspersonen, seiner Gouvernante Maria Genoveva do Rêgo e Matos und seinem Mentor Bruder António de Arrábida, erhielt er eine breit angelegte Ausbildung in Mathematik, Geschichte, Sprachen und den Militärwissenschaften.

Die Ausbildung Pio formte einen jungen Mann, der körperlich robust, intellektuell neugierig und politisch ehrgeizig war. Als sein Vater 1821 nach Portugal zurückgerufen wurde – die Lissaboner Cortes forderten die Rückkehr des Königs und eine neue Verfassung –, ließ er Peter als Regenten in Rio de Janeiro zurück. Die Cortes in Portugal verlangten jedoch bald auch Peters Rückkehr, offensichtlich mit dem Ziel, Brasilien wieder zu einer Kolonie zu degradieren. Peter verweigerte die Rückkehr.

Am 7. September 1822, an den Ufern des Flusses Ipiranga bei São Paulo, vollzog Peter den entscheidenden Schritt. Der Legende nach riss er beim Erhalt der Nachricht aus Lissabon, die endgültig seine Rückkehr forderte, die portugiesischen Abzeichen von seiner Uniform und rief aus: „Unabhängigkeit oder Tod!" – der sogenannte Grito do Ipiranga, der Schrei von Ipiranga. Am 12. Oktober 1822 wurde er als Dom Pedro I. zum ersten Kaiser des unabhängigen Kaisertums Brasilien ausgerufen.

Als Kaiser führte Peter I. Brasilien durch die turbulenten ersten Jahre der Unabhängigkeit. Er verabschiedete 1824 eine Verfassung, die Brasilien zu einer konstitutionellen Monarchie machte und dem Kaiser weitreichende Vollmachten einräumte. Gleichzeitig blieb sein Regierungsstil oft autoritär, was zunehmend auf Widerstand stieß. Außenpolitisch führte er einen kostspieligen Krieg um die Banda Oriental – das heutige Uruguay –, den er 1828 verlor. Im selben Jahr starb sein Vater Johann VI., und Peter erbte kurzzeitig die portugiesische Krone, die er jedoch im Mai 1826 bereits nach wenigen Monaten zugunsten seiner Tochter Maria abgetreten hatte.

Im Jahr 1831 eskalierte die Unzufriedenheit im Lande. Nach einer Niederlage seiner Truppen im Süden und wachsenden Protesten in Rio de Janeiro sah sich Peter I. gezwungen, am 7. April 1831 auf den brasilianischen Thron zu verzichten. Er übergab die Krone seinem fünfjährigen Sohn, dem späteren Pedro II., und kehrte nach Europa zurück. Dort kämpfte er für die Rechte seiner Tochter Maria gegen den Usurpator Miguel in Portugal und errang schließlich 1834 ihren Thron zurück. Noch im selben Jahr, am 24. September 1834, starb er an Tuberkulose in Queluz, an demselben Ort, an dem er 35 Jahre zuvor das Licht der Welt erblickt hatte.

Das Erbe Peters I. ist widersprüchlich. In Brasilien wird er als Gründervater verehrt, der den Mut hatte, die Unabhängigkeit auszurufen und das Land auf den Weg als souveräne Nation zu führen. Gleichzeitig war sein Regierungsstil impulsiv und zeitweise despotisch. In Portugal erinnert man sich an ihn als liberalen König, der seiner Tochter die Krone sicherte. Dieser Zwiespalt zwischen dem impulsiven Charakter und dem historischen Moment macht Peter I. zu einer der faszinierendsten und kompliziertesten Figuren der südamerikanischen Geschichte.

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