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Isabella von Brasilien

Kronprinzessin von Brasilien

4 min01/01/2024
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Im brasilianischen Volksgedächtnis wird sie schlicht „A Redentora" genannt – die Erlöserin. Isabella Cristina Leopoldina Augusta Micaela Gabriela Rafaela Gonzaga d'Orléans-Braganza, Tochter von Kaiser Pedro II. und Kronprinzessin des Kaiserreichs Brasilien, hinterließ an einem einzigen Tag mehr als alle ihre kaiserlichen Repräsentationspflichten: Am 13. Mai 1888 unterzeichnete sie das Gesetz, das die Sklaverei in Brasilien abschaffte und damit das Schicksal von rund einer Million Menschen veränderte.

Isabella wurde am 29. Juli 1846 im Paço de São Cristóvão, einem Kaiserpalast in Rio de Janeiro, geboren. Als Tochter von Teresa Maria Cristina von Neapel-Sizilien und Pedro II. wuchs sie in einer der bedeutendsten Monarchien des amerikanischen Kontinents auf. Am 15. Oktober 1864 heiratete sie in Rio de Janeiro Gaston d'Orléans, den Comte d'Eu, einen Sohn des Louis Charles d'Orléans, Duc de Nemours, und seiner Gemahlin Prinzessin Viktoria von Sachsen-Coburg-Saalfeld-Koháry. Aus dieser Verbindung gingen vier Kinder hervor: Luísa Vitória, die am 28. Juli 1874 tot zur Welt kam; Pedro de Alcântara, geboren 1875; Luís, geboren 1878; und Antônio Gastão, geboren 1881.

Als Kronprinzessin übernahm Isabella mehrfach die Regentschaft des Kaiserreichs, wenn ihr Vater sich zu Kurreisen oder diplomatischen Besuchen ins Ausland begab. Zwischen dem 25. Mai 1871 und dem 31. März 1872 war sie zum ersten Mal Regentin, dann erneut vom 26. März bis zum 28. September 1876 und schließlich – in ihrer bedeutendsten Regentschaftsperiode – vom 30. Juni 1887 bis zum 22. August 1888. Während dieser letzten Regentschaft schrieb sie Geschichte.

Die Abschaffung der Sklaverei war kein spontaner Entschluss. Im Brasilien der 1880er Jahre hatte die Abolitionistenbewegung erheblich an Kraft gewonnen. Aktivisten wie Joaquim Nabuco, der bereits 1878 die Brasilianische Gesellschaft gegen Sklaverei mitbegründet hatte, hatten die öffentliche Meinung beeinflusst. Liberale Politiker, oft von freimaurerischen Idealen geprägt, drängten auf ein Ende des Systems. Bereits 1871 hatte das Lei do Ventre Livre die Freiheit aller von Sklavinnen geborenen Kinder festgeschrieben; 1885 waren alle Sklaven über 60 Jahre durch das Lei dos Sexagenários entlassen worden. Die vollständige Abschaffung war nur noch eine Frage der Zeit.

Am 12. Mai 1888 nahm der brasilianische Senat das Gesetz mit der Nummer 3353 an. Am folgenden Tag, dem 13. Mai 1888, unterzeichnete Isabella das Dokument, das als Lei Áurea – das Goldene Gesetz – in die Geschichte eingehen sollte. Der Text bestand aus nur zwei Artikeln: Der erste erklärte die Sklaverei in Brasilien für erloschen, der zweite hob alle entgegenstehenden Bestimmungen auf. Die Unterzeichnung wurde vom Kaiserpalast aus mit großer Anteilnahme der Bevölkerung in Rio de Janeiro verkündet. Isabella erhielt dafür im Volksmund den Titel A Redentora und wurde von Papst Leo XIII. mit einer Goldenen Rose ausgezeichnet. Brasilien war damit das letzte westliche Land, das die Sklaverei offiziell abschaffte.

Die politischen Folgen der Unterzeichnung waren jedoch weitreichend und für das Kaiserhaus letztlich verheerend. Die mächtigen Großgrundbesitzer, deren Plantagen auf Sklavenarbeit basierten, sahen sich ohne Entschädigung ihrer Arbeitskräfte beraubt. Ihre Unterstützung für das Kaiserreich verwandelte sich in offene Feindseligkeit. In Verbindung mit einer wachsenden republikanischen Bewegung und dem zunehmenden Einfluss des Militärs ergab sich eine Koalition der Kräfte, die dem Kaiserreich den Boden entzog.

Am 15. November 1889, kaum anderthalb Jahre nach der Lei Áurea, putschte das Militär unter Marschall Manuel Deodoro da Fonseca. Die Republik wurde ausgerufen. Die kaiserliche Familie, darunter Isabella und ihr Gemahl, floh nach Frankreich. Sie ließen sich auf dem Château d'Eu in der Normandie nieder, das dem Haus Orléans gehörte. In den folgenden Jahrzehnten lebte Isabella im Exil, blieb der Hoffnung auf eine Restauration der Monarchie verhaftet, die sich jedoch nie erfüllte.

Der Erste Weltkrieg traf die Familie hart. Isabellas jüngster Sohn Antônio, der als Pilot der Royal Air Force diente, kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ihr Sohn Luís, der bei der British Army gekämpft hatte, starb 1920 an den Folgen seiner Kriegsverletzungen. Isabella selbst starb am 14. November 1921 im Alter von 75 Jahren auf demselben Schloss, auf dem sie die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbracht hatte.

Bis heute ist Isabella von Brasilien eine umstrittene Figur in der nationalen Erinnerung. In den Augen vieler Brasilianer, besonders in der afrobrasilianischen Gemeinschaft, bleibt sie die Erlöserin, die Millionen Menschen die Freiheit schenkte. Andere betonen die begrenzten Auswirkungen des Gesetzes, da es keine wirtschaftliche Unterstützung oder Landreform für die Befreiten vorsah. Eines steht fest: Mit ihrer Unterschrift unter die Lei Áurea vollbrachte Isabella einen Akt, der Brasilien unwiderruflich veränderte und ihr einen Platz in der Geschichte des Landes sicherte.

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