Wenige Künstler verkörpern die Bandbreite zwischen Komik und Tragik, zwischen Leinwand und Bühne, so vollständig wie Michael Crawford. Der britische Schauspieler und Sänger, der 2002 auf Platz 17 der 100 größten Briten aller Zeiten gewählt wurde, schuf eine Karriere, die Generationen prägte und in der Rolle des Phantoms der Oper ihren unvergesslichen Höhepunkt fand.
Michael Crawford wurde am 19. Januar 1942 in Salisbury in Wiltshire, England, als Michael Patrick Dumble-Smith geboren. Schon als Kind zeigte sich seine außergewöhnliche Begabung: Mit sieben Jahren begann er seine Karriere als Schauspieler. Diese frühe Berufung sollte ihn ein Leben lang begleiten und ihn zu einer der prägendsten Figuren des britischen Entertainments machen.
In den 1960er-Jahren etablierte sich Crawford zunächst als Filmschauspieler. Besonders seine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Regisseur Richard Lester hinterließ bleibende Eindrücke. In Der gewisse Kniff aus dem Jahr 1964, mit der Musik von John Barry, bewies Crawford sein Talent für zeitgeistige, britische Komödie. 1966 wirkte er im Filmmusical Toll trieben es die alten Römer mit, einer Adaption des Broadway-Klassikers A Funny Thing Happened on the Way to the Forum. Ein Jahr darauf spielte er in der Antikriegssatire Wie ich den Krieg gewann, die 1967 entstand und unter anderem John Lennon als Nebendarsteller vereinte – eine Besetzung, die den subversiven Geist der späten Sechzigerjahre widerspiegelt.
Der Durchbruch beim breiten Fernsehpublikum gelang Crawford 1973 mit der BBC-Sitcom Some Mothers Do 'Ave 'Em, in der er die Rolle des tollpatschigen und liebenswert inkompetenten Frank Spencer verkörperte. Die Serie wurde ein Riesenerfolg, und Crawfords komödiantisches Timing sowie seine Bereitschaft zu körperlichen Einlagen – er führte viele Stuntszenen selbst aus – machten ihn zu einem Publikumsliebling.
Doch der Wendepunkt seiner Karriere kam auf der Bühne. In der Originalproduktion des Musicals Das Phantom der Oper, das 1986 im Londoner West End seine Uraufführung feierte, übernahm Crawford die Titelrolle. Die Produktion von Andrew Lloyd Webber wurde zum größten Erfolg der Musicalgeschichte, und Crawfords Darstellung des entstellten Musikgenies war ein zentraler Faktor dabei. Sein Auftritt, der eine Kombination aus stimmlicher Kraft, dramatischer Tiefe und physischer Präsenz darstellte, setzte Maßstäbe. Für diese Leistung erhielt er 1986 den Laurence Olivier Award und 1988 den Tony Award, die wichtigste Auszeichnung des amerikanischen Theaters.
Crawfords Interpretation von The Music of the Night – Die Musik der Nacht – gilt bis heute als Referenzaufführung. Noch dreißig Jahre nach seinen Auftritten in London und am Broadway dient seine Version nachfolgenden Darstellern als Vorbild und Maßstab. Diese Langzeitwirkung ist ein seltenes Zeugnis künstlerischer Ausnahmenleistung.
1995 trat Crawford in Las Vegas auf, im MGM Grand Hotel, wo er in der spektakulären Show EFX! Premiere feierte. Das neunzigminütige Musical bot verschiedene Fantasy-Kurzgeschichten und legte besonderen Wert auf aufwändige Spezialeffekte. Crawford übernahm dabei vier verschiedene Rollen. Doch 1996 erlitt er bei einer akrobatischen Einlage eine schwere Verletzung und musste die Show verlassen.
Im September 2002 kehrte Crawford an den Broadway zurück: In Dance of the Vampires spielte er den Grafen Giovanni von Krolock. Das Musical war eine stark überarbeitete Fassung des österreichisch-deutschen Kultmusicals Tanz der Vampire. Trotz Crawfords Leistung, die ihm den Drama Desk Award einbrachte, war dem Stück kein Erfolg beschieden – Ende Januar 2003 fiel der letzte Vorhang. Anschließend übernahm er die Rolle des Count Fosco in Andrew Lloyd Webbers neuem Musical The Woman in White, musste diese jedoch aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.
Am 9. Januar 2006 war Crawford Ehrengast der Galavorstellung, die Das Phantom der Oper als das am längsten laufende Musical in der Geschichte des Londoner West Ends auszeichnete – und damit Cats ablöste. 2011 spielte er im London Palladium die Titelrolle in Webbers Musical-Adaption von Der Zauberer von Oz. Am 2. Oktober 2011 trat er im Finale des 25-jährigen Jubiläums des Phantoms in der Royal Albert Hall auf – diesmal als Beobachter und gefeierter Gast, nicht singend.
Am 27. Mai 2016 kehrte Crawford ans Londoner West End zurück und spielte am Apollo Theatre die Hauptrolle des Colston in The Go-Between, einer Musical-Adaption des gleichnamigen Romans von L. P. Hartley. Eine Karriere, die mit sieben Jahren begann und über sechs Jahrzehnte andauerte, spricht für sich: Michael Crawford, CBE, ist eine der unverwechselbarsten Persönlichkeiten der britischen Unterhaltungswelt.

