civilizacoes perdidas

José Tomás de Sousa Martins

Portugiesischer Arzt und Hochschullehrer für Medizin

4 min01/01/2024
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Im Portugal des ausgehenden 19. Jahrhunderts war die Tuberkulose eine der gefürchtetsten Volkskrankheiten – ein stiller Würger, der durch enge Wohnverhältnisse, Unterernährung und mangelndes medizinisches Bewusstsein ganze Bevölkerungsschichten dahinraffte. Inmitten dieser Not wirkte ein Arzt, der sich mit bemerkenswerter Hingabe dem Kampf gegen diese Krankheit und für die Volksgesundheit verschrieb: José Tomás de Sousa Martins.

Er wurde am 7. März 1843 in Alhandra geboren, einem kleinen Ort am Ufer des Tejo, wenige Kilometer nordöstlich von Lissabon. Das Leben in dieser Region war eng mit dem Rhythmus des Flusses und dem einfachen Alltag der Landbevölkerung verbunden. Hier verbrachte er seine Kindheit, und hierher kehrte er am Ende seines Lebens zurück: Er starb am 18. August 1897 in Alhandra, seinem Geburtsort.

Sousa Martins widmete sein Leben der Medizin und lehrte als Hochschullehrer für Medizin in Portugal. Seine akademische Tätigkeit verband er mit einer tiefen sozialen Verpflichtung gegenüber den Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft. Besonders die Tuberkulose – damals auch als „Schwindsucht" bekannt – stand im Mittelpunkt seines Engagements. In einer Zeit, in der die medizinischen Möglichkeiten zur Behandlung dieser Krankheit noch äußerst begrenzt waren, setzte er auf Aufklärung, Prävention und verbesserte Lebensbedingungen.

Sein Ruf als Arzt und Menschenfreund wuchs weit über die akademischen Kreise hinaus. Im einfachen Volk genoss er ein Ansehen, das sich nach seinem Tod in eine geradezu kultische Verehrung verwandelte. Zahlreiche Menschen, die sich von ihm geheilt oder auch nur in ihrer Not begleitet fühlten, trugen Berichte über angebliche Wundertaten weiter. Im kollektiven Gedächtnis Portugals – besonders in Lissabon – wurde Sousa Martins zur Figur des mitfühlenden Helfers stilisiert, dem man quasi-heilige Kräfte zuschrieb.

Dieser Kult, der sich um seine Person gebildet hat, ist bis heute lebendig. An seinem Denkmal in Lissabon, das in einer belebten Straße der Stadt steht, hinterlassen Gläubige Kerzen, Blumen, Votivgaben und Dankesschreiben – Zeichen einer Zuneigung, die Jahrzehnte und Generationen überlebt hat. Menschen suchen dort Trost bei Krankheit, bei Verlust, bei Hoffnungslosigkeit.

Die katholische Kirche hingegen hat diesen Kult nie anerkannt. Sousa Martins ist kein offizieller Heiliger – weder seliggesprochen noch heiliggesprochen. Die volksreligiöse Verehrung existiert damit außerhalb der kanonischen Strukturen der Kirche, was sie zu einem Phänomen der gelebten, populären Religiosität macht, das in Portugal eine lange Tradition hat.

Das Erbe von José Tomás de Sousa Martins liegt also in mehreren Dimensionen. Als Mediziner und Hochschullehrer trug er zur Entwicklung der portugiesischen Medizin bei und setzte sich für eine Volksgesundheit ein, die seiner Zeit weit voraus war. Als öffentliche Gestalt wurde er nach seinem Tod zu einer Projektionsfläche für kollektive Gefühle der Dankbarkeit, des Vertrauens und der Hoffnung. Und als Figur eines volkstümlichen Heiligenkultes verkörpert er die tiefe menschliche Sehnsucht nach dem guten Arzt – dem Heiler, der nicht nur Körper, sondern auch Seelen begleitet.

Er wurde nur vierundfünfzig Jahre alt. Doch die Spuren, die er hinterlassen hat, sind in Portugal bis zum heutigen Tag sichtbar – in Wachs und Blumen, in Gebeten und Dankbriefen, niedergelegt an einem Denkmal für einen Arzt, der einfach nur helfen wollte.

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