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José Bonifácio de Andrada e Silva

Brasilianischer Politiker und Staatsmann

5 min01/01/2024
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José Bonifácio de Andrada e Silva, geboren am 13. Juni 1763 in Santos und gestorben am 6. April 1838 in Niterói, war eine der faszinierendsten und vielschichtigsten Persönlichkeiten Brasiliens im Übergang vom Kolonialstatus zur Eigenstaatlichkeit. Als Mineraloge von europäischem Rang und als Staatsmann, der maßgeblich zur Unabhängigkeit Brasiliens beitrug, vereinte er in sich eine Breite wissenschaftlicher und politischer Wirksamkeit, die in seiner Epoche kaum ihresgleichen hatte.

Andrada e Silva entstammte väterlicherseits einer angesehenen Familie, aus der mehrere Gelehrte hervorgegangen waren. Er erhielt einen Teil seiner frühen Erziehung im elterlichen Haus, besuchte aber auch ein Kollegium, das der damalige Bischof von São Paulo, Manoel da Ressurreição, gegründet hatte. Den entscheidenden Schritt seiner akademischen Bildung vollzog er an der renommierten Universität Coimbra in Portugal, wo er Jura und Naturwissenschaften studierte.

Ab 1790 unternahm Andrada e Silva mit einem königlichen Stipendium eine zehnjährige Bildungs- und Forschungsreise durch Europa, die zu den außergewöhnlichsten wissenschaftlichen Lehrjahren seiner Zeit zählte. Er bildete sich unter anderem bei Abraham Gottlob Werner in Freiberg zum Bergbeamten aus, machte die Bekanntschaft Alexander von Humboldts und hörte in Pavia Vorlesungen bei Alessandro Volta, einem der bedeutendsten Physiker seiner Epoche. Diese Reise führte ihn durch viele europäische Länder, und überall wurde er mit Diplomen wissenschaftlicher Korporationen ausgezeichnet und erhielt ehrenvolle Stellenangebote.

Besonders bedeutsam waren seine Forschungen in Schweden, wo er mehrere bislang unbekannte Mineralien entdeckte und im Jahr 1800 als erster beschrieb. Dazu zählte der Petalit, in dem der schwedische Chemiker Johan August Arfwedson 1817 das Element Lithium entdecken sollte – eine indirekte, aber unübersehbare Verbindung zwischen Andradas Feldarbeit und einer fundamentalen chemischen Entdeckung. Ebenfalls zu seinen mineralogischen Erstbeschreibungen gehörten der von ihm Wernerit genannte Skapolith und der von ihm Coccolit benannte Diopsid. Diese wissenschaftlichen Leistungen sicherten ihm einen festen Platz in der Geschichte der Mineralogie.

Nach seiner Rückkehr an die Universität Coimbra erhielt er 1801 den eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl der Geognosie. Der Graf von Linhares ernannte ihn zum Generalintendanten der portugiesischen Bergwerke und zum Mitglied des obersten Gerichtshofes in Porto; später wurde ihm auch die Leitung der Kanalisierung des Flusses Rio Mondego übertragen. Als Frankreich Portugal invadierte, diente er als Oberstleutnant im akademischen Bataillon und zeichnete sich durch persönliche Tapferkeit und besonnenes Handeln aus. Nach der Befreiung bekleidete er das Amt des Polizeichefs in Oporto und bemühte sich um Versöhnung zwischen den gegnerischen Parteien.

Im Jahr 1819 kehrte Andrada e Silva nach Brasilien zurück und zog sich zunächst in seine Heimatstadt zurück, wo er sich mit wissenschaftlichen, vorwiegend mineralogischen Untersuchungen befasste, deren Ergebnisse er auf Französisch und Deutsch in Paris und Berlin veröffentlichte. Die politischen Ereignisse zogen ihn jedoch rasch aus der Zurückgezogenheit. Im Jahr 1821 stellte er sich an die Spitze der Provinzialjunta der Provinz São Paulo und setzte sich entschieden für die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal ein.

Am 1. Januar 1822 überreichte er an der Spitze einer Deputation eine von ihm verfasste Adresse an Prinz Pedro, in der dieser aufgefordert wurde, in Brasilien zu bleiben. Pedro folgte dieser Bitte, und am 16. Januar ernannte er Andrada e Silva zum Innenminister. Dieser behielt das Amt auch nach dem 7. September 1822, als die Unabhängigkeit Brasiliens proklamiert wurde.

Im Zuge der Beratungen über die neue Verfassung geriet er in Konflikt mit der republikanischen Partei und reichte am 25. Oktober mit seinen Kollegen seinen Rücktritt ein. Doch schon am 30. Oktober wurde er auf Volksforderung hin erneut ins Ministerium berufen. Im Jahr 1823 setzte er im versammelten Ständehaus durch, dass geheime Gesellschaften verboten und strenge Maßnahmen gegen republikanische Parteigänger ergriffen wurden. Am 17. Juli 1823 zwangen ihn seine Gegner erneut zum Rücktritt; als er gegen die gewaltsame Auflösung der Generalversammlung am 12. November protestierte, wurde er mit seinen Brüdern und einigen Freunden inhaftiert, in die Festung Lages eingesperrt und dann ins Exil nach Frankreich überführt. Knapp sieben Jahre verbrachte er in der Nähe von Bordeaux.

1829 durfte er heimkehren und lebte zunächst zurückgezogen auf der Insel Paquetá. Als Kaiser Dom Pedro I. am 7. April 1831 zugunsten seines Sohnes Dom Pedro II. abdankte, übernahm Andrada e Silva als Vormund und Erzieher des jungen Thronfolgers eine letzte bedeutende Rolle im brasilianischen Staatsleben – ein symbolischer Abschluss eines Lebens, das Wissenschaft und Politik auf außergewöhnliche Weise miteinander verwoben hatte.

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