imperios

Act of Union 1707

Formelle Vereinigung der in Personalunion regierten Königreiche England und Schottland

5 min01/01/2024
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Die politische Vereinigung Englands und Schottlands im Jahr 1707 war das Ergebnis jahrzehntelanger Verhandlungen, wirtschaftlichen Drucks und nationaler Interessenlagen, die letztlich beide Königreiche an einen Tisch zwangen. Der Act of Union 1707, auf Deutsch Vereinigungsgesetz, schuf die gesetzliche Grundlage für die Entstehung des Königreichs Großbritannien und gilt als einer der folgenreichsten staatlichen Akte in der britischen Geschichte. Das Gesetz wurde kurz nacheinander vom englischen und vom schottischen Parlament verabschiedet und trat am 1. Mai 1707 nach julianischem Kalender, entsprechend dem 12. Mai nach gregorianischem Kalender, in Kraft.

Erste Versuche, die beiden Königreiche, die seit dem Jahr 1603 durch die Personalunion unter König Jakob I. bereits denselben Monarchen teilten, auch politisch zu verschmelzen, reichen bis in die Jahre 1606, 1667 und 1689 zurück. Alle diese Anläufe scheiterten an den widerstreitenden Interessen und dem gegenseitigen Misstrauen der beiden Nationen. Doch in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts hatten sich die Umstände so weit verändert, dass beide Parlamente, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Beweggründen, hinter dem Vertragswerk standen.

England hatte strategische Gründe, die Union anzustreben. Die protestantische Erbfolgeregelung des Act of Settlement von 1701, der die Krone nach dem Tod Königin Annes dem Haus Hannover zusprach, galt in England als unverzichtbar zur Abwehr eines katholischen Restaurationsversuchs. Ohne eine entsprechende Bindung Schottlands befürchteten die Engländer, dass ein unabhängiges Schottland mit einem eigenen König, und sei er protestantisch, die alte Allianz mit Frankreich, die sogenannte Auld Alliance, wiederbeleben und sich gegen England wenden könnte. Der Spanische Erbfolgekrieg, in dem England und Frankreich auf verfeindeten Seiten standen, machte eine mögliche schottische Front im Rücken Englands zu einem ernsthaften sicherheitspolitischen Alptraum. Die Union verhinderte genau dies.

Schottland seinerseits befand sich in einer verzweifelten wirtschaftlichen Lage. Das Darién-Projekt, ein ambitionierter Versuch, im heutigen Panama eine schottische Handelskolonie zu errichten, war in den Jahren 1698 bis 1700 kläglich gescheitert. Seuchen, spanischer Widerstand und mangelnde englische Unterstützung hatten die Expedition vernichtet, und das schottische Bürgertum hatte in diesem Abenteuer erhebliches Kapital verloren. Der Staat stand faktisch vor dem Bankrott. Die Union bot Schottland die Möglichkeit, seine Schulden auf die gemeinsame britische Kasse abzuwälzen und Zugang zu den weit größeren englischen Märkten und dem englischen Kolonialreich zu erhalten. Hinzu kam der Druck des englischen Alien Act von 1705, der wirtschaftliche Sanktionen gegen Schottland androhte und die schottische Verhandlungsposition erheblich schwächte.

Der Unionsvertrag umfasste 25 Artikel, von denen 15 wirtschaftlicher Natur waren, was die dominante Rolle ökonomischer Überlegungen widerspiegelt. Im schottischen Parlament wurde über jeden Artikel einzeln abgestimmt, und manche Klauseln wurden in spezialisierten Kommissionen eingehend erörtert. Artikel 1, der die Verschmelzung beider Länder zur Union festlegte, wurde am 4. November 1706 mit 116 zu 83 Stimmen angenommen. Um den Widerstand der presbyterianischen Kirche Schottlands, der Church of Scotland, zu mildern, verabschiedete das Parlament ein zusätzliches Gesetz, das den Presbyterianern Vorrang in religiösen Angelegenheiten sicherte. Der Vertrag als Ganzes wurde am 16. Februar 1707 mit 110 zu 69 Stimmen angenommen.

Hinter manchen Stimmen verbarg sich handfestes Eigeninteresse. Viele schottische Abgeordnete hatten beim Darién-Projekt persönlich Geld verloren und konnten gemäß den Vertragsklauseln auf Entschädigung hoffen. Darüber hinaus wurden zahlreiche Parlamentarier bestochen; die überlieferte Summe beläuft sich auf insgesamt zwanzigtausend Pfund, was heute einem Gegenwert von etwa viereinhalb Millionen Pfund Sterling entspricht. Allein zwölftausend dreihundertfünfundzwanzig Pfund flossen an den Earl of Glasgow, der als Vertreter Königin Annes im schottischen Parlament fungierte. Der Dichter Robert Burns sollte diese käuflichen Abgeordneten später mit bitterem Spott beschreiben, sie seien für englisches Gold gekauft worden.

In der breiten schottischen Bevölkerung stieß der Vertrag auf überwiegende Ablehnung. Das Parlament erhielt zahlreiche gegen die Union gerichtete Petitionen, und in Edinburgh sowie in vielen anderen Städten kam es zu Protestkundgebungen. Als das Land an den Rand eines Bürgerkrieges zu geraten drohte, reagierte das Parlament mit der Ausrufung des Kriegsrechts. Die Emotionen waren tief; viele Schotten empfanden die Union als Verrat an der nationalen Unabhängigkeit.

Der Act of Union regelte zugleich die institutionellen Folgen: Das schottische Parlament wurde aufgelöst. Fortan entsandte Schottland sechzehn Peers als Representative Peers ins britische House of Lords und fünfundvierzig Abgeordnete ins britische House of Commons. Der Vertrag garantierte die Eigenständigkeit der Church of Scotland und den Erhalt des schottischen Rechtssystems mit dem Court of Session als oberstem Zivilgericht, Eigenheiten, die bis heute Bestand haben. Eine Zollunion und eine Währungsunion traten in Kraft, Maße und Gewichte sowie Verwaltungs- und Steuersysteme wurden angeglichen. Auch die neue gemeinsame Flagge, der Union Jack, entstand durch die Vereinigung des englischen Georgskreuzes mit dem schottischen Andreaskreuz.

Die Vereinigung schuf die Grundlage für den späteren Aufstieg Großbritanniens zur weltbeherrschenden Handelsmacht und zum Mittelpunkt eines globalen Imperiums. Schottland profitierte langfristig erheblich vom Zugang zu englischen Märkten und Kolonien, und schottische Kaufleute, Ingenieure und Soldaten spielten im britischen Empire eine weit überproportionale Rolle. Gleichwohl blieb die Debatte um die schottische Unabhängigkeit ein lebendiges Thema der britischen Politik, das Jahrhunderte später in Referenden wieder aufflammte und die Nachwirkungen jener folgenreichen Abstimmung des Jahres 1707 bezeugt.

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