Prinzessin Elisabeth von Großbritannien und Irland erblickte am 22. Mai 1770 im Buckingham Palace in London das Licht der Welt. Als dritte Tochter des britischen Königs Georg III. und seiner Gemahlin Prinzessin Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz gehörte sie zu den zahlreichen Kindern eines Hauses, das von strenger Hofetikette und dynastischen Verpflichtungen geprägt war. Ihre jüngeren Geschwister – darunter die späteren Könige Georg IV., Wilhelm IV. und Ernst August I. – sowie ihre Nichte, die spätere Königin Victoria, umrahmten ihre höfische Welt.
Elisabeth, die im Familienkreis Eliza genannt wurde, genoss für ihre Zeit eine fortschrittliche Erziehung. Von Kindesbeinen an zeigte sie ausgeprägte künstlerische Talente und Interessen: Sie malte, erlernte verschiedene Drucktechniken, übte das Silhouettenschneiden, das Bemalen von Sitzbezügen und Vorhängen sowie Sticken. Dazu kamen Kenntnisse in Architektur und Gartenkunst. Intensiver Kontakt zu Hofmalern wie Benjamin West, Thomas Gainsborough oder William Beechey sowie zum Kupferstecher Francesco Bartolozzi förderte ihre künstlerische Entwicklung.
Doch nicht nur Kunst füllte Elisabeths Leben. Temperamentvoll und resolut, wie Zeitgenossen sie beschrieben, hatte sie wenig Neigung zu steifer Hofetikette. Sie sehnte sich nach einem eigenen Hausstand. Am Hof kursierten Gerüchte über eine heimliche Hochzeit und angebliche illegitime Kinder – Gerüchte, die nie bestätigt wurden, aber das Bild einer ungebundenen Persönlichkeit zeichneten.
Ihre Heirat mit dem deutschen Erbprinzen Friedrich von Hessen-Homburg kam nach langer Vorbereitung zustande. Friedrich zeigte zunächst keinerlei Neigung zur Ehe. Weder der dringende Wunsch seines Vaters – der 1804 sogar um die Hand von Elisabeths älterer Schwester Augusta Sophia angehalten hatte – noch Bittvorstellungen der hessen-homburgischen Behörden fruchteten. Erst beim Wiener Kongress fädelten der Herzog von Kent und der Bundesgesandte Johann Isaak von Gerning die Verbindung ein. Nachdem Friedrich aus allen Richtungen bearbeitet worden war, reiste er am 15. Januar 1818 nach London, wo man ihn mit offenen Armen empfing. Am 4. Februar überreichte er seinen schriftlichen Antrag, den Elisabeths ältester Bruder, der britische Regent Georg IV., unterstützte.
Am 17. Februar 1818 folgte die Verlobung, am 7. April desselben Jahres die Trauung durch den Erzbischof von Canterbury im Buckingham Palace. Es war keine romantische Liebesheirat, wohl aber eine Verbindung auf gegenseitigem Respekt und Einvernehmen – eine Übereinkunft, mit der beide gut zurechtkamen. Als Friedrich VI. im Januar 1820 die Regierung von Hessen-Homburg übernahm, ermöglichte die Mitgift Elisabeths von 40.000 Talern sowie ihre jährliche Apanage von 13.300 Pfund die Sanierung des verschuldeten hessen-homburgischen Haushalts.
Elisabeth verabschiedete sich vom britischen Hof und bezog ihre neue Heimat in Homburg. Dort entfaltete sie mit bemerkenswerter Energie eine Reihe von Projekten. Sie ließ Straßen anlegen, ermöglichte den Bau des Gotischen Hauses und kümmerte sich intensiv um die Restaurierung und den Umbau des Homburger und des Meisenheimer Schlosses, wo sie den sogenannten Magdalenenbau errichten ließ. Daneben engagierte sie sich in der Armenpflege.
Aus Großbritannien bezog Elisabeth regelmäßig Samen und Setzlinge, die sie in den Landgräflichen Gärten kultivieren ließ. Sie besaß eine bedeutende Bibliothek und eine wertvolle Porzellansammlung. Ihre künstlerischen Tätigkeiten führte sie auch in Hessen-Homburg unverdrossen fort. Die Energie dieser Projekte hatte jedoch einen Preis: Der Schuldenstand des landgräflichen Hauses stieg von 250.000 Gulden im Jahr 1820 auf 1.175.000 Gulden neun Jahre später – ein deutliches Zeugnis ihres ambitionierten Wirkens.
Als ihr Mann Friedrich VI. im Jahr 1829 nach kaum zehnjähriger Ehe unerwartet verstarb, lebte Elisabeth fortan mit einem kleinen Hofstaat. Sie wechselte abwechselnd zwischen Homburg, Frankfurt – wo sie in einem Haus an der Großen Eschenheimer Straße wohnte – und dem Hof hin und her. Elisabeth von Großbritannien, Irland und Hannover starb am 10. Januar 1840 in Frankfurt am Main, im Alter von 69 Jahren. Sie hinterließ in ihrer deutschen Heimat deutliche Spuren: sowohl in den Bauwerken, die sie förderte, als auch in der künstlerischen und sozialen Haltung, mit der sie das kleine Hessen-Homburg bereicherte.

