Břetislav I. wurde um das Jahr 1005 als unehelicher Sohn des böhmischen Herzogs Oldřich geboren. Seine Mutter Božena war die Tochter eines einfachen Bauern, und obwohl Oldřich die Frau später heiratete, galt die Verbindung am Hof als Mesalliance — eine Ehe weit unterhalb des fürstlichen Standes. Dass Břetislav überhaupt jemals den Herzogstitel erlangen konnte, verdankte er allein dem Umstand, dass keiner der Brüder seines Vaters männliche Nachkommen hinterließ. Der Chronist Cosmas von Prag, die wichtigste Quelle für diese frühe Zeit, berichtet über Oldřichs Begegnung mit Božena anlässlich eines Besuches in Postoloprty um das Jahr 1002, wobei zu vermuten ist, dass die Verbindung bereits vor diesem Datum bestand.
Der erste überlieferte Auftritt Břetislavs in den Quellen datiert auf das Jahr 1021. In jenem Jahr soll er seine künftige Gemahlin Judith von Schweinfurt, die Tochter Heinrichs vom Nordgau, aus einem Nonnenkloster in der fränkischen Stadt Schweinfurt entführt haben. Die Tat, ob nun tatsächlich eine gewaltsame Entführung oder eine arrangierte Flucht, begründete eine Ehe, die den jungen Přemysliden in das westliche Adelsnetz einbettete. Das Paar ließ sich in Mähren nieder, und Olmütz wurde Břetislavs Herrschaftssitz; dort kam auch sein erster Sohn Spytihněv zur Welt.
Ab dem Jahr 1029 war Břetislav in die Kämpfe um Mähren einbezogen, das polnische Truppen besetzt hielten. Die Offensive gegen die Polen wurde durch den gleichzeitigen Angriff des Kiewer Fürsten Jaroslaw auf Polen begünstigt, der die polnische Verteidigung an der Ostflanke band. Břetislavs militärischer Erfolg in Mähren trug wesentlich zur Stabilisierung der Herrschaft seines Vaters Oldřich in Böhmen bei. Mähren erhielt er als Teilfürstentum. Ein Versuch, 1031 auch in der südlichen Slowakei Fuß zu fassen, blieb ohne dauerhaften Erfolg.
Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn nahm in den folgenden Jahren eine dramatische Wendung. Als Kaiser Konrad II. im Sommer 1033 Oldřich gefangen nehmen ließ, sollte Břetislav mit Mähren belehnt werden. Doch Oldřich, nach seiner Freilassung aus kaiserlicher Haft im Jahr 1034, vertrieb seinen eigenen Sohn aus Mähren. Die genauen Hintergründe dieses Zerwürfnisses sind in den Quellen nicht überliefert; man vermutet, dass Břetislav die Partei seines Onkels Jaromír ergriffen hatte, den Oldřich hatte blenden und einkerkern lassen. Am 9. November 1034 starb Oldřich. Jaromír verzichtete zugunsten seines Neffen auf die Nachfolge, und so wurde Břetislav Herzog von Böhmen. Nur ein Jahr später, am 4. November 1035, wurde Jaromír vermutlich von Angehörigen der rivalisierenden Vršovci-Sippe ermordet.
Břetislav begann seine Herrschaft mit einer engen Anlehnung an das Heilige Römische Reich. Bereits 1035 kämpfte er an der Seite Kaiser Konrads II. gegen die Liutizen, die die Burg Werben in der Altmark überfallen hatten. Die Verbindung zu den Reichsfürsten war auch durch die Herkunft seiner Frau Judith gestärkt, deren Familie im fränkischen Adel verwurzelt war.
Im Sommer 1039 unternahm Břetislav den kühnsten Zug seiner Regierung: einen Raubzug nach Polen, das sich in tiefer innerer Krise befand. Die meisten polnischen Burgen ergaben sich ohne Gegenwehr. Krakau und andere Städte wurden geplündert, und Ende Juli 1039 fiel Gnesen, die symbolische Hauptstadt des polnischen Fürstentums. An der Seite Břetislavs zogen auch Kirchenfürsten mit, darunter der Prager Bischof Šebíř. In Gnesen ließ Břetislav das Grab des heiligen Adalbert von Prag öffnen — jenes Bischofs und Märtyrers, der 997 beim Versuch der Christianisierung der Pruzzen ums Leben gekommen war. Auf dem Grab ließ er die sogenannten Břetislav-Dekrete verlesen, eine dramatische Geste, die den Toten zur freiwilligen Rückkehr nach Böhmen auffordern sollte. Die Gebeine Adalberts wurden geborgen und mitgenommen; auch die sterblichen Überreste des Radim-Gaudentius, des ersten Erzbischofs von Gnesen und Stiefbruders Adalberts, wurden mitgeführt.
Hinter dem frommen Akt verbarg sich ein politischer Kalkül. Mit dem Besitz der Reliquien Adalberts wollte Břetislav Prag von einem Suffraganbistum des Erzbistums Mainz zu einem eigenständigen böhmischen Erzbistum erheben und Gnesen in seiner kirchlichen Bedeutung beerben. Entsprechende Gesandtschaften wurden zum Heiligen Stuhl nach Rom entsandt. Doch der Plan scheiterte am entschiedenen Widerstand des Mainzer Erzbischofs, dem Kaiser Heinrich III. sich anschloss. Zudem verlangte der Kaiser die Rückgabe der besetzten polnischen Gebiete und einen hohen Straftribut — eine Forderung, die Břetislav zunächst nicht zu erfüllen bereit war.
Die Besetzung Schlesiens, Gnesens und Mährens durch böhmische Truppen schwächte Polen erheblich und veränderte die Machtbalance in Mitteleuropa. Doch musste Břetislav nach dem militärischen Druck des Kaisers letztlich nachgeben: Er räumte die meisten polnischen Gebiete und zahlte einen Tribut, behielt aber Schlesien als Lehen. Die Reliquien Adalberts verblieben in Prag und begründeten den religiösen Ruhm der Prager Veitskathedrale.
Břetislav I. starb am 10. Januar 1055 in Chrudim. Sein Tod löste eine Erbfolgeregelung aus, die als Senioratsprinzip in die böhmische Geschichte eingehen sollte: Der jeweilige älteste männliche Přemyslide sollte als Herzog regieren, während die jüngeren Brüder nachgeordnete Teilfürstentümer erhielten. Diese Regelung, mit der Břetislav die dynastischen Streitigkeiten befrieden wollte, schuf ihrerseits neue Konflikte und prägte die böhmische Geschichte noch für Generationen. Sein Feldzug nach Polen und der Versuch, Prag zur Metropole der böhmischen Kirche zu machen, zeigen einen Herrscher, der die Grenzen des Möglichen auslotete — auch wenn ihm der kirchenpolitische Durchbruch verwehrt blieb.
