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Feuer in der U-Bahn in Daegu

Schwerer Unfall in Südkorea

5 min01/01/2024
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Am 18. Februar 2003 erschütterte eine Katastrophe die südkoreanische Metropole Daegu, die als zweitschwerster Unfall in einem U-Bahn-System in die Geschichte einging. In der zentralen Haltestelle Jungangno, gelegen im Herzen der viertgrößten Stadt Südkoreas, setzte ein psychisch kranker Mann einen Zug in Brand und löste damit eine Tragödie aus, der 192 Menschen zum Opfer fielen.

Die U-Bahn-Linie 1, betrieben von der Daegu Metropolitan Subway Corporation, war zum Zeitpunkt des Unglücks eine der wichtigsten Adern des städtischen Nahverkehrs. Die zweigleisige Strecke war 25,9 Kilometer lang, verlief vom Bahnhof Daegok bis zum Bahnhof Ansim und zählte insgesamt 30 Haltestellen. Die Station Jungangno besaß drei Untergeschosse: im obersten befand sich eine Shopping-Ebene, im dritten Untergeschoss verkehrten die Züge. Die Bahnsteige lagen außen, und der Abstand zwischen zwei gleichzeitig haltenden Zügen betrug lediglich etwa 1,3 Meter.

Der bauliche Zustand der Station wies gravierende Sicherheitsmängel auf. Brandschutztüren und Rauchmelder befanden sich ausschließlich auf den beiden oberen Ebenen, während die Bahnsteigebene ohne diese lebensrettenden Einrichtungen auskommen musste. Eine Notbeleuchtung existierte ebenso wenig wie ein durchdachtes Notfall-Management-System. Die etwa zehn Jahre alten Züge der Linie 1 bestanden aus je sechs Wagen, deren Sitze und Fußböden aus brennbaren Kunststoffen wie GFK, PVC und Polyethylen gefertigt waren — ein gefährliches Versäumnis, das sich als verheerend erweisen sollte.

Der Täter war ein 56-jähriger arbeitsloser Taxifahrer, der unter schweren psychischen Störungen litt. Getrieben von einer verdrehten Logik wollte er an einem öffentlichen Ort Suizid begehen und dabei möglichst viele andere Menschen mit in den Tod reißen. Er plante, sich im Innern eines Zuges mit brennbarer Flüssigkeit zu übergießen und in Flammen aufzugehen. Zu diesem Zweck hatte er einen vier Liter fassenden Behälter für Frostschutzmittel mit Terpentinersatz oder Benzin gefüllt und mitgebracht.

Gegen 9:50 Uhr, als der Zug 1079 in die Station Jungangno einfuhr, entzündete der Mann die Flüssigkeit im Behälter mit einem Feuerzeug und schüttete sie auf den Boden des ersten Wagens. Obwohl seine Beine und sein Rücken sofort Feuer fingen, gelang es ihm, mit einer Menschenmenge aus dem Zug zu fliehen. Das Feuer hingegen griff mit erschreckender Geschwindigkeit um sich: Innerhalb von nur zwei Minuten standen alle Wagen des Zuges 1079 in Flammen. Der brennende Kunststoff entwickelte dabei einen dichten, hochgiftigen schwarzen Rauch.

In der alarmierten Betriebszentrale wurde die dramatische Lage zunächst völlig unterschätzt. Der erste Feueralarm wurde ignoriert, da Fehlalarme dort häufig vorkamen. In einem folgenschweren Irrtum ließ der Fahrdienstleiter vier Minuten nach dem Brandausbruch den Zug 1080 auf dem Gegengleis in die bereits verrauchte Station einfahren, wo er unmittelbar neben dem brennenden Zug 1079 zum Stehen kam. Dem Triebfahrzeugführer des zweiten Zuges war lediglich empfohlen worden, langsam einzufahren und dann die Fahrgäste zu evakuieren.

Die Türen des Zuges 1080 öffneten sich kurz, wurden dann jedoch wieder geschlossen, vermutlich um den ätzenden Rauch aus dem Fahrzeuginnern fernzuhalten. Kurz darauf brach aufgrund der enormen Hitzeentwicklung die Stromversorgung zusammen — oder wurde abgeschaltet —, wodurch sämtliche Brandmeldeeinrichtungen in der Station ausfielen und gleichzeitig die Entlüftungsanlage sowie die Sprinkleranlage versagten. Der Stromausfall verhinderte zudem, dass der zweite Zug die Station wieder verlassen konnte.

Der Triebfahrzeugführer des Zuges 1080 versuchte verzweifelt, die Betriebsleitung zu kontaktieren, und erhielt schließlich die Aufforderung, den Zug sofort zu verlassen. Er gehorchte — nahm dabei jedoch den Hauptschlüssel des Fahrzeugs mit, ohne den die verbleibenden Türen nicht mehr zu öffnen waren. Damit waren die noch im Zug verbliebenen Passagiere eingeschlossen, und keiner von ihnen überlebte.

Beide Züge und die Bahnsteigebene der Station Jungangno brannten vollständig aus. Die Temperaturen erreichten dabei über 1.000 Grad Celsius. Das Feuer griff auch auf die darüber liegende Ebene über, wurde dort jedoch durch Brandschutztüren wirksam aufgehalten. Obwohl der Brand gegen 13:30 Uhr erstickt war, konnten Rettungskräfte wegen des giftigen Rauchs und der extremen Hitze die Station erst gegen 15:30 Uhr betreten. Viele der 192 Todesopfer waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sodass in einigen Fällen selbst DNA-Analysen keine Identifizierung mehr ermöglichten.

Die Katastrophe von Daegu löste in Südkorea und weltweit eine intensive Debatte über die Sicherheitsstandards in öffentlichen Verkehrssystemen aus. Fehlende Sicherheitsvorschriften, mangelnde Schulung des Personals und das verhängnisvolle Handeln des Lokführers wurden als wesentliche Ursachen identifiziert. In der Folge wurden in Südkorea und vielen anderen Ländern die Brandschutzbestimmungen für U-Bahnen drastisch verschärft, brennbare Materialien in Schienenfahrzeugen verboten und Notfallpläne grundlegend überarbeitet. Das Unglück von Daegu ist bis heute ein mahnendes Beispiel dafür, wie das Zusammentreffen technischer Mängel, menschlichen Versagens und fehlender Sicherheitskultur zur unvorstellbaren Katastrophe werden kann.

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